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Luzerner SVP nimmt Sitz im Stöckli ins Visier
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Der SVP-Nationalrat muss sich eine Kandidatur für den Ständerat noch überlegen. Er wäre für die Sünnelipartei eine logische Wahl.   (Bild: Montage les )

Nationalrat Franz Grüter als heisser Kandidat Luzerner SVP nimmt Sitz im Stöckli ins Visier

4 min Lesezeit 30.08.2018, 16:11 Uhr

Weil Konrad Graber der Bundespolitik den Rücken kehrt, verspricht der Ständeratswahlkampf plötzlich Spannung. Die SVP wird den Sitz angreifen und könnte einen prominenten Kandidaten ins Rennen schicken. Derweil wird die CVP alles daransetzen, den Sitz zu verteidigen.

Dem Ständeratswahlkampf in Luzern drohte die grosse Langeweile. Doch mit dem Rückzieher von CVP-Ständerat Konrad Graber werden die Karten plötzlich neu gemischt (zentralplus berichtete). Die traditionsreichste Partei des Kantons wird alles daransetzen, ihren Sitz zu verteidigen. Doch ein Selbstläufer wird es keinesfalls.

Mit der SVP liebäugelt nämlich auch die bei den nationalen Wahlen stärkste Partei Luzerns mit einem Einzug ins Stöckli. Und mit Nationalrat und IT-Unternehmer Franz Grüter hätte die Sünnelipartei eine Trumpfkarte in der Hand, welche im bürgerlichen Lager hohes Ansehen geniesst. «Keine Ahnung», sagt Grüter, angesprochen auf eine mögliche Kandidatur, zu zentralplus. «Ich müsste mir das wirklich gut überlegen, denn die Arbeitsbelastung im Ständerat ist enorm.»

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«Es wäre parteipolitisch völlig falsch, wenn wir nicht antreten würden.»

Franz Grüter, SVP-Nationalrat

Der Nationalrat aus Eich sagt aber ganz offen: «Es wäre parteipolitisch völlig falsch, wenn wir nicht antreten würden.» Sein Nationalrats-Gspändli Yvette Estermann versuchte es bereits erfolglos, eine Kandidatur Grüters läge also auf der Hand. Auch, um für die Nationalratswahlen als Zugpferd zu agieren. Denn die Frage, ob Felix Müri nochmals antritt, ist aufgrund seiner wahrscheinlichen Wahl in den Emmer Gemeinderat offener denn je – auch Estermann könnte es in den Krienser Stadtrat ziehen. Und weil Luzern künftig sowieso nur noch neun statt zehn Nationalräte stellt, wird der Kampf bei den nationalen Wahlen so oder so ein harter werden.

Grüter umgarnt die SVP

Dass all dies für eine Kandidatur Grüters spricht, streitet dieser nicht ab. «Bei der SVP läuft das alles immer sehr basisdemokratisch ab. Eine Findungskommission wird sich auf die Suche nach geeigneten Kandidaten machen», sagt er diplomatisch. «Sicher ist, dass wir bei Majorzwahlen mehrheitsfähige Leute präsentieren müssen», erklärt er und nennt die erfolgreiche Regierungsratskandidatur von Paul Winiker als Beispiel.

Die Ständeratswahl ist eine Kopf-Wahl. Um zu reüssieren, ist man auch auf die Unterstützung von anderen Parteien angewiesen. «Der Rücktritt von Konrad Graber bringt sicher eine neue Dynamik in den Wahlkampf», freut sich Grüter. «Wenn wir etwa auf die Unterstützung der FDP zählen könnten, wäre das natürlich Gold wert.» 

FDP-Parteipräsident Markus Zenklusen will auf solche Avancen nicht eingehen. «Unser Fokus liegt auf der Wiederwahl von Ständerat Damian Müller.» Für alles Weitere sei es zu früh. 

Setzt sich ein CVPler ins Stöckli ab?

Ebenso spannend wie die Angriffe auf den CVP-Sitz dürfte auch das Verhalten der CVP selbst sein. Wie will sie den Sitz verteidigen? Regierungsrat Guido Graf hatte auch schon mit einem Sitz im Stöckli geliebäugelt. Im Moment will er sich nicht mehr dazu äussern. «Mein nächstes politisches Ziel ist die Wahl Ende März 2019 in die Luzerner Regierung», lässt er verlauten.

Weil der Kanton, wie bereits erwähnt, künftig einen Nationalratssitz weniger stellt, könnte sich auch ein CVP-Parlamentarier mit einem Aufstieg in den Ständerat vor einer möglichen Abwahl retten. Aufgrund der aktuellen politischen Grosswetterlage ist es alles andere als sicher, dass die CVP auch künftig drei Nationalräte stellen wird.

«Mein Fokus liegt aktuell darin, im Nationalrat einen guten Job zu machen.»

Andrea Gmür, CVP-Nationalrätin

CVP-Nationalrätin Andrea Gmür will sich nicht auf solche Gedankenspiele einlassen. «Konrad Graber hat erst gestern seinen Rückzug angekündigt. Ich bedauere dies sehr und bin der Meinung, dass man ihn erst gebührend würdigen sollte, bevor man sich Gedanken um seine Nachfolge macht.» Gmür erklärt: «Mein Fokus liegt aktuell darin, im Nationalrat einen guten Job zu machen.» Und die Parteipräsidentin der städtischen CVP möchte bei den Kantonsratswahlen im kommenden Frühling mit ihrer Partei die Trendwende schaffen.

Die zweite CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann hat bereits verlauten lassen, nicht fürs Stöckli kandidieren zu wollen. Nationalrat Leo Müller war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wen portiert die SP?

Nebst dem Verhalten der bürgerlichen Parteien dürfte auch interessant werden, wen die SP in den Ring schickt. Die städtische SP will auf Kantonalparteipräsident David Roth setzen. Gemäss der «Luzerner Zeitung» ist jedoch auch eine Kandidatur von Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo denkbar. 

Auch Grüne und Grünliberale dürften jemanden ins Rennen schicken. Die Erfolgsaussichten sind jedoch gering, für diese Parteien wird es darum gehen, einen zusätzlichen Schub für die Nationalratswahlen zu holen.

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