Luzerner Studie: Führungspositionen machen Frauen unglücklich
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Privatleben wichtiger als bei Männern Luzerner Studie: Führungspositionen machen Frauen unglücklich

4 min Lesezeit 25.07.2018, 17:48 Uhr

Noch immer sind Frauen deutlich weniger häufig im Management vertreten als Männer. Nun haben zwei Wissenschaftlerinnen der Hochschule Luzern eine Studie zur Zufriedenheit von Frauen in Führungspositionen publiziert. Die Resultate sind nicht erfreulich.

Väter, die 100 Prozent arbeiten, sind zufriedener als Väter, die Teilzeit arbeiten und häufiger zu Hause sind. Zu dieser Erkenntnis gelangte der deutsche Soziologe Martin Schröder von der Universität Marburg – und zwar in Deutschland als auch in der Schweiz. Der «Tages-Anzeiger» hat vor rund zwei Wochen die provokanten Ergebnisse ausführlich thematisiert. Auch in Luzern wurde eine Studie publiziert über die Wechselbeziehungen zwischen Familie und Karriere, die Sprengkraft birgt.

Eine zentrale Aussage: Führungspositionen machen Frauen unter bestimmten Umständen auf lange Sicht unglücklich – das besagt eine Studie der Hochschule Luzern. Die Studienautorinnen Yvonne Seiler Zimmermann und Gabrielle Wanzenried untersuchten die Arbeitszufriedenheit von Führungspersonen und nutzten dabei Daten von rund 5’000 Schweizer Frauen und Männern.

«Frauen haben einfach andere Präferenzen und gewichten das Privat- und Familienleben höher als Männer.»

Gabrielle Wanzenried, Studienautorin

Diese stammen aus der repräsentativen Langzeitstudie «Schweizer Haushalts-Panel». Übrigens die gleiche Datengrundlage, die der deutsche Soziologe Schröder für Erhebungen in der Schweiz verwendete. Es handelt sich um das erste Paper, das die Zufriedenheit von Managern und entsprechende Unterschiede zwischen Männern und Frauen für die Schweiz untersucht.

Frauen können einfacher den Job wechseln

Zwar mache die Übernahme einer Führungsfunktion Frauen und Männer in der Anfangsphase erst mal zufriedener, sagen die Autorinnen. Frauen leiden jedoch häufiger unter der Beeinträchtigung des Privat- und Familienlebens durch die Arbeit als Männer. Für Zimmermann und Wanzenried eine Erklärung dafür, dass Frauen in Führungspositionen untervertreten sind. Es zeigt sich: «Frauen haben einfach andere Präferenzen und gewichten das Privat- und Familienleben höher als Männer», sagt Wanzenried.

«Viele sagen sich: Das muss ich mir einfach nicht bieten lassen.»

Gabrielle Wanzenried, Studienautorin

Eine weitere mögliche Erklärung, die anhand der Daten jedoch nicht untersucht wurde, sieht Wanzenried auch in der Führungskultur und dem Umfeld: «Studien in den USA zeigen, dass Frauen es viel schwieriger haben in Führungspositionen, wenn keine oder kaum andere Frauen im Management vertreten sind», sagt Wanzenried auf Nachfrage. Wenn jedoch andere Frauen im Unternehmen Führungspositionen innehaben, habe dies einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden.

Doppelt so viele Männer wie Frauen in Kaderpositionen

Managerinnen müssten insgesamt mehr kämpfen als Männer in einer Kaderposition. «Viele sagen sich: Das muss ich mir einfach nicht bieten lassen», so die Forscherin. Sie suchten einen anderen Job, auch weil sie öfters Zweitverdienerinnen sind und man sich die Aufgabe einer gut bezahlten Stelle deshalb auch leisten könne. «Das hängt auch damit zusammen, dass es sich in der Schweiz viele Familien leisten können, mit einem Einkommen auszukommen. Im Gegensatz etwa zu Frankreich oder Italien», spekuliert Wanzenried.

Unerwartet sei auch folgende Erkenntnis: Kinder haben im Durchschnitt keinen positiven Effekt auf das Wohlbefinden im Haushalt. «Das hat mich doch sehr erstaunt», sagt Wanzenried. Menschen in einer Partnerschaft sind jedoch allgemein glücklicher. Wanzenried schlussfolgert, dass Kinder zwar erfreuliche, aber auch belastende Aspekte bergen. Deshalb neutralisierten sich diese Effekte. 

Gabrielle Wanzenried von der Hochschule Luzern.

Gabrielle Wanzenried von der Hochschule Luzern.

(Bild: zvg)

 

Die wissenschaftliche Arbeit bringt weitere interessante Erkenntnisse zutage. Knapp 20 Prozent der Schweizer Männer, aber lediglich 10,6 Prozent der Frauen in der Stichprobe üben eine Führungsfunktion aus. Somit gibt es doppelt so viele Männer wie Frauen in Führungspositionen, schlussfolgern Zimmermann und Wanzenried.

Frauen arbeiten in kleineren Pensen

Weiter zeigt die Stichprobe von rund 2’500 Männern und Frauen, dass Frauen öfters eine zu hohe oder zu tiefe Qualifikation für ihr Stellenprofil aufweisen, was sich auch negativ auf die Zufriedenheit auswirken kann, und ausserdem über ein deutlich geringeres Haushaltseinkommen verfügen als Männer.

Sie besitzt ein durchschnittliches Haushaltseinkommen von 46’000 Franken, während Männer über rund 87’000 Franken gebieten. Das hängt laut Wanzenried damit zusammen, das Frauen öfters alleine lebten als Männer und zudem in der Tendenz in kleineren Pensen angestellt seien und schlechter bezahlte Jobs ausübten.

Bildung kann Männer unglücklich machen

Unerwartet sind auch die Schlussfolgerungen, was das Bildungsniveau betrifft: Ein Hochschulabschluss hat laut den Studienergebnissen keinen positiven Einfluss auf die Lebensqualität und führt bei Männern gar zu mehr Unzufriedenheit im Job. Eine Erklärung besteht darin, dass die Erwartungen an den Job höher sind, interpretieren Zimmermann und Wanzenried.

Jedoch wirkt sich eine tertiäre Ausbildung positiv auf die finanzielle Zufriedenheit von Männern aus, bei Frauen hingegen besteht kein entsprechender Effekt. Dies mag laut den Forscherinnen damit zusammenhängen, dass Hochschulabsolventen erwartungsgemäss mehr verdienen als Erwerbstätige ohne Hochschulabschluss und dieser Aspekt für Männer wichtiger ist als für Frauen.

Die im November 2017 erstmals publizierte Studie bedarf laut den Forscherinnen noch weiterer Analysen. Ein Aspekt sei unter anderem, ob vor allem Mütter oder auch Nichtmütter in Führungspositionen unglücklich werden. Ausserdem kann sich Wanzenried vorstellen, Firmendaten für die Forschung hinzuzuziehen. Interessant wäre laut der Forscherin auch, die Daten mit skandinavischen Ländern zu vergleichen, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärker forcierten.

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