Luzerner Strassenstrich ist wieder offen – doch Freier ergreifen die Flucht
  • Gesellschaft
Seit letztem Samstag dürfen auch Sexarbeiterinnen wieder ihre Arbeit aufnehmen. (Symbolbild: Adobe Stock)

Weil sie ihre Kontakte angeben müssen Luzerner Strassenstrich ist wieder offen – doch Freier ergreifen die Flucht

2 min Lesezeit 11.06.2020, 18:00 Uhr

Das Schutzkonzept im horizontalen Gewerbe umzusetzen, ist gar nicht so einfach. Kunden müssen ihre Kontaktdaten angeben – und das wollen die wenigsten. Weil einige Freier abgeschreckt werden, will der Luzerner Verein für die Interessen der Sexarbeitenden nun Klarheit schaffen.

Nachdem Prostituierte zwölf Wochen lang keinen Rappen verdient haben, durften sie am letzten Samstag ihre Arbeit wiederaufnehmen.

Auch der Strassenstrich Ibach ist seither wieder in Betrieb. Das Schutzkonzept des Bundes verlangt unter anderem, dass Kunden ihre Kontaktdaten angeben müssen. So kann im Falle einer Corona-Erkrankung die Infektionskette rückverfolgt werden.

Das stösst bei einigen Kunden auf Widerstand. «Sie weigern sich, ihre Kontaktdaten anzugeben und fahren wieder davon», erzählt Birgitte Snefstrup vom Luzerner Verein für die Interessen der Sexarbeitenden «Lisa».

Couverts werden nach zwei Wochen vernichtet

Für die Sexarbeitenden, die oftmals wenig Deutschkenntnisse haben, sei es schwierig, ihren Kunden die Pflicht zu erklären und diese auch einzufordern.

Der Verein hat für die Sexarbeitenden Zettel vorgedruckt. Diesen können Prostituierte gemeinsam mit einem Couvert ihren Kunden abgeben. Nachdem diese den Zettel ausgefüllt haben, können sie das Couvert verschliessen und der Sexarbeitenden zurückgeben.

Diese behalten die Couverts zwei Wochen bei sich. Wird niemand krank, werden alle Couverts geschreddert. «Die Couverts bleiben verschlossen, die Kunden bleiben also anonym», versichert Snefstrup.

Im Falle einer Infektion würden die betreffenden Couverts ungeöffnet an die Gesundheitsbehörden weitergeleitet werden. Auch diese würden mit den sensiblen Daten vorsichtig umgehen, ist Snefstrup überzeugt.

Prostituierte kannten schon vorher oft Namen und Nummer

Die diplomierte Sozialpädagogin betont, dass Sexarbeitende die Angaben vertraulich behandeln würden. «Es ist keine Gefahr für die Kunden, ihre Daten abzugeben», stellt Snefstrup klar. «Sexarbeitende haben absolut kein Interesse daran, mit diesen Daten etwas zu machen. Sie wollen ja nicht ihr eigenes Geschäft kaputt machen.»

Im Gegenteil. Prostituierte würden jetzt arbeiten wollen und nicht die Gefahr laufen, ihre Kunden zu verlieren.

Viele Sexarbeitende hätten zuvor schon den Namen oder die Telefon- und Autonummer ihrer Kunden gekannt. «Das haben sie nie missbraucht», so Snefstrup.

Wie Snefstrup in einem früheren Bericht sagte, sei die Situation für Sexarbeitende prekär. Sie rechnet damit, dass viele auch noch im Herbst auf finanzielle Hilfe angewiesen sein werden. Und gerade in diesem Milieu führen hohe Schulden schnell zu Abhängigkeiten und Ausbeutung, so Snefstrup damals.

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