Luzerner Start-up Smartmo ist Konkurs – doch die Idee soll weiterleben
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Gibt nicht auf: Erfinder Daniel Hänggi (rechts) bei der Präsentation der Smartmo-Veloparkplätze im September 2019. (Bild: uus)

Nach Versuch mit smarten Veloständern am Bahnhof Luzerner Start-up Smartmo ist Konkurs – doch die Idee soll weiterleben

3 min Lesezeit 3 Kommentare 31.10.2020, 05:03 Uhr

Der Versuch eines smarten Veloparkiersystems am Bahnhof Luzern wurde im August beendet. Nun musste das Start-up Konkurs anmelden. Ans Aufgeben denkt der Firmengründer jedoch nicht. Ganz im Gegenteil.

Sie sorgten zwar von Beginn weg für kontroverse Diskussionen, wurden aber letztlich kaum benutzt: die smarten Veloparkplätze beim Bahnhof Luzern. Die Firma Smartmo, ein Luzerner Start-up, zog im August die Konsequenzen. Rund ein Jahr nach ihrer Installation wurden die Parkplätze im August wieder abgebaut (zentralplus berichtete).

Damals kündigten die Verantwortlichen noch einen schnellen Relaunch im kommenden Jahr an. Das ist zwar immer noch möglich, allerdings mit einer ganz anderen Ausgangslage: Die Firma Smartmo musste Konkurs anmelden und ist in Liquidation. Im Kantonsblatt wird die Konkurseröffnung auf den 20. Oktober datiert.

Investoren hielten Portemonnaies verschlossen

«Für uns war immer klar, dass es sich um einen Pilotversuch handelt», sagt Firmengründer Daniel Hänggi auf Anfrage. «Wir konnten aus diesem Versuch und den daraus gewonnenen Erfahrungen – gute und schlechte – extrem viel lernen.»

Tatsache sei aber, dass das Startup Smartmo rein privat ohne öffentliche Gelder finanziert worden sei, betont Hänggi. «Nach dem Pilot wollen wir nun für die Zukunft nachbessern. Das benötigt neues Kapital und neue Investoren, um den nächsten Schritt der Produktentwicklung zu realisieren.»

Dieses konnte die Firma aber nicht schnell genug beschaffen, um den Konkurs abzuwenden. «Hier hat uns die Corona-Situation einen Strich durch die Rechnung gemacht», sagt Hänggi.

App muss verbessert werden

Rückblickend gibt Hänggi unumwunden zu, dass auch Fehler gemacht wurden. «Dass unsere Parkplätze auf dem Raum von schon bestehenden, wenn auch qualitativ nicht vergleichbaren Veloabstellplätzen realisiert wurden, war nicht ideal.» Der entstandene Eindruck, nämlich dass Parkplätze weggenommen wurden, laufe gegen das eigene Firmen-Credo. «Wir wollen eigentlich dort Parkmöglichkeiten erschaffen, wo es bisher noch keine gibt.»

«Was uns absolut klar wurde: Alleine mit unseren Veloständern geht es nicht.»

Daniel Hänggi, Firmengründer Smartmo

Hänggis Aussagen ist klar zu entnehmen, dass das Kapitel zwar abgeschlossen, die Geschichte aber noch nicht zu Ende erzählt ist. «Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen. Dazu gehört etwa die Verbesserung der App.» Diese wurde in der Vergangenheit als zu wenig benutzerfreundlich wahrgenommen.

Zudem will man den Grundgedanken der Firma noch konsequenter leben: «Was uns absolut klar wurde: Alleine mit unseren Veloständern geht es nicht. Wir müssen den Gedanken der vernetzten Mobilität stärker gewichten. Das bedeutet, auch uns selbst mit anderen Anbietern von Mikromobilität und Sharing-Angeboten zu vernetzen.»

Hänggi denkt da beispielsweise an Kooperationen mit Mobility oder Amag-Parkhäusern, um dort Abstellplätze für E-Bikes zu realisieren.

Neue Investoren gesucht

Weiter will man die Zusammenarbeit mit Firmen und Immobilienbesitzern prüfen: «E-Ladestationen werden bei privaten Parkierungen immer mehr zum Standard, sichere Lademöglichkeiten für das E-Bike machen in diesem Kontext Sinn.»

Mit dem Konkurs ist man, zumindest formell, dennoch zurück auf Feld eins. Ob die oben genannten Pläne wieder unter einer Firma namens Smartmo weiterverfolgt werden, steht heute noch nicht fest: «Das hängt sehr stark von möglichen Investoren ab», sagt Hänggi. Diese gilt es nun zu finden. «Investoren sind natürlich auch eingeladen, sich zu melden.»

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3 Kommentare
  1. paul, 31.10.2020, 07:38 Uhr

    bitte den nächsten versuch nicht in luzern machen. die veloplätze sind eh schon knapp. und na ja die idee finde ich auch mässig. für etwas geld verlangen was vorher grstis war ist nicht bahnbrechend.
    aber möglicherweise darf er sein glück bei den neuen teuren veloparkplätze in der bahnhofstrasse probieren welche ja kommen sollten.

    1. Draht Esel, 01.11.2020, 06:47 Uhr

      Also ich zumindest fand diese Dinger genial……. In diesen Ständern war mein Drahtesel bombensicher abgeschlossen, der Helm war safe und es gab immer einen freien Platz an der besten Lage. Quasi ein Privatparkplatz an bester Lage, von Zuhause per App reserviert. Ich liebt es! Das alles war mir die paar läppischen Taler wert.

    2. CScherrer, 03.11.2020, 14:11 Uhr

      Genau solche Ideen sind gut und tragen dazu bei, dass eine Stadt nicht weiter verschandelt wird. Und wie Draht Esel richtig schreibt, sind Fahrrad und Helm bombensicher und an bester Lage «parkiert». Die Bequemlichkeit, Faulheit und der Geiz gewisser Velofahrer ist einfach nur peinlich. Es ist an der Zeit, dass auch Velofahrer einen finanziellen Beitrag leisten. So zeigen sie, dass auch Ihnen etwas an einer autobefreiten Innenstadt liegt. Und eine autobefreite Innenstadt heisst nicht, dass Velofahrer ihre Drahtesel einfach überall hinstellen können.

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