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Luzerner Stadtrat versetzt der Elektro-Euphorie einen Dämpfer
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Mehr Ladestationen für E-Autos würden die Parkplatzsituation verschlechtern, befürchtet der Luzerner Stadtrat. (Bild: Adobe Stock)

Keine Ladestationen auf Parkplätzen Luzerner Stadtrat versetzt der Elektro-Euphorie einen Dämpfer

3 min Lesezeit 4 Kommentare 20.05.2020, 05:00 Uhr

Gegen Elektroautos hat er nichts – neue Ladestationen auf öffentlichen Parkplätzen zu installieren, kommt für den Luzerner Stadtrat aber nicht in Frage. Diese würden seiner Ansicht nach mehr Probleme schaffen als lösen.

Langsam, aber sicher kommen die Elektroautos. Im Jahr 2035 könnten bis zu 20 Prozent der neuen Personenwagen elektrisch betrieben sein – heute seien es unter 10 Prozent, schätzt das Beratungsunternehmen EBP. Auf dessen Hintergrundbericht zur Elektromobilität stützt sich der Luzerner Stadtrat bei seinem soeben präsentierten Autoparkierungskonzept (zentralplus berichtete).  

Das vorliegende Konzept beschäftigt sich unter anderem auch mit Ladestationen für Elektroautos. Im Konzept wird deutlich, dass der Stadtrat die umweltschonendere Variante des Autofahrens als zweischneidiges Schwert betrachtet.

Keine Ladesäulen auf öffentlichem Grund

«Auch das Elektroauto verbraucht wie die Benziner oder Dieselfahrzeuge kostbare Verkehrsfläche», schreibt der Stadtrat im erwähnten Konzept. Die laufe der städtischen Mobilitätsstrategie zuwider, welche in Zukunft «mehr Mobilität auf gleicher Fläche» ermöglichen will.

Zudem würden Ladesäulen an Strassenparkplätzen den öffentlichen Grund zusätzlich beanspruchen. So sieht der Stadtrat in den Elektrozapfsäulen etwa ein Hindernis für Fussgänger und eine Einschränkung für  «übergeordnete Nutzungen und Grossevents» wie beispielsweise Fasnachtsumzüge.

«Das Stadtbild würde sich deutlich verändern», schreibt der Stadtrat weiter. «Auf dem ohnehin schon engen Raum im Stadtzentrum würden Ladestationen an Strassenparkplätzen kostbare Fläche einnehmen.»

«Langsam-Lader» würden Parkplätze verstopfen

Ein weiteres grundsätzliches Problem stelle die heute vergleichsweise noch lange Ladezeit für Elektroautos dar. An Schnellladestationen dauere das heute zwischen 20 und 30 Minuten. Um das Stromnetz nicht zu stark zu belasten, sei vorzugsweise das Langsamladen über Nacht zu nutzen.

«Es sollte grundsätzlich Aufgabe der privaten Liegenschaftsbesitzer sein, Ladestationen anzubieten.»

Adrian Borgula, Umwelt- und Verkehrsdirektor

Letzteres kommt auf öffentlichen Strassenparkplätzen für den Stadtrat nicht in Frage. Zwar könnte die Installation der entsprechenden Ladesäulen für Anwohner ein Anreiz zum Kauf eines Elektroautos sein. Es würde aber wohl unvermeidlich auch ein Anreiz geschaffen, die Autos auf Strassenparkplätzen abzustellen und zu laden statt auf privatem Grund.

Stadtrat sieht Private in der Pflicht

Das neue Autoparkierungskonzept verfolgt den Ansatz, dass der Parkplatzbedarf von Anwohnern primär auf privatem Grund abgedeckt werden soll. «Es sollte grundsätzlich auch Aufgabe der privaten Liegenschaftsbesitzer sein, Ladestationen anzubieten», sagte Umwelt- und Verkehrsdirektor Adrian Borgula (Grüne) am Dienstag im Rahmen einer Medienkonferenz.

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Die Stadt Luzern werde «im Rahmen ihrer Möglichkeiten» Bestrebungen von Privaten unterstützen, die ein Netz an Stromtankstellen aufbauen wollen. Der Stadtrat verweist diesbezüglich auf drei Parkfelder auf der Allmend und zwei im Lido. In Zusammenarbeit mit Energie Wasser Luzern (EWL) und der CKW wurden dort vor einigen Jahren Stationen zum Schnellladen realisiert. Allerdings mit mässiger Auslastung, wie im vorliegenden Bericht zu erfahren ist.

Eine der Schnellladestationen im Luzerner Lido. (Bild: EWL)

Die Entwicklung der Elektromobilität soll durch die Stadt Luzern zwar nicht behindert werden, schreibt der Stadtrat abschliessend. Ladesäulen planen oder installieren wird die Stadt in absehbarer Zukunft aber nicht, wie sie klarstellt.

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4 Kommentare
  1. Marco Barile, 20.05.2020, 18:54 Uhr

    Da würde mich doch mal interessieren wann die Studie gemacht wurde?
    20% im Jahre 2035, in 15 Jahren sollten wir locker über 50% erreicht haben. Wenn es ein Schreibfehler ist und 2025 gemeint war dann würde die 20% eher passen.

  2. ecarsupporter, 20.05.2020, 18:47 Uhr

    EWL und CKW sind einfach zu teuer für eine Ladung, kein Wunder sind die nur mässig besucht.
    Luzern bietet null Anreize für die Elektromobilität.
    So werden definitiv keine Ziele erreicht.
    Bei dem vielen Stau in der Stadt wünsche ich mir mehr Elektroautos.

  3. Andy Bürkler, 20.05.2020, 11:06 Uhr

    Die Abstimmungsoptionen sind für die meisten wohl nicht ausreichend..
    In der CH fahren die meisten Autos mit Benzin, nicht Diesel.
    Besser wäre etwa:

    3. Ist mir persönlich egal, da ich keine Pläne zur Anschaffung eines Elektroautos (Akku) habe.

    Das würde ich dann ankreuzen

  4. Adidas, 20.05.2020, 08:26 Uhr

    Inkompetenz in Reinkultur! In jedem Abschnitt ein Denkfehler! Luzern ist Rückständiger wie Belgrad. Da schäme ich mich für. Aber manche Städte können es halt einfach nicht besser, und bezgl. Luzern ist man es sich ja gewohnt.

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