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Luzerner Stadtrat stellt sich gegen Spange Nord
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Rot eingezeichnet: Auf dieser Strecke soll die Spange Nord eingetunnelt werden, fordern CVP und GLP. Dunkelrot markiert sind die 350 Meter, die der Kanton eintunneln will. (Bild: zentralplus)

Negative Auswirkungen befürchtet Luzerner Stadtrat stellt sich gegen Spange Nord

3 min Lesezeit 24.01.2017, 09:47 Uhr

Nun ist es draussen: Der Stadtrat kann dem optimierten Vorprojekt zur Spange Nord in der vorliegenden Form nicht zustimmen, teilte er heute mit. Zu gross seien die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität und das Stadtbild.

Der Widerstand gegen das umstrittene Autobahnprojekt kommt nun auch offiziell aus dem Luzerner Stadthaus (zentralplus berichtete). Der Stadtrat sehe der geplanten Verlängerung des Tunnels im Bereich Friedhof zwar eine Verbesserung, bedaure aber, dass die erhofften Fortschritte insgesamt nicht im gewünschten Ausmass erreicht worden seien. Dazu gehöre auch die Fluhmühlebrücke, die gegenüber dem ursprünglichen Vorprojekt sogar noch verbreitert wurden.

Auch den Spurausbau in der heute schon stark befahrenen und engen oberen Zürichstrasse könne der Stadtrat nicht akzeptieren. Hinzu kommt, dass durch die zusätzlichen Fahrspuren am Schlossberg der bereits knappe Bewegungsraum für die Kinder des Schulhauses Maihof eingeschränkt würde.

Grössere Verkehrsbelastung und Lärm in den Quartieren befürchtet

«Die grösstenteils drei- bis vierspurige Spange Nord bringt für die Quartiere von der Zürichstrasse über den Schlossberg und das Friedental bis zur Reussmatt und zur Fluhmühle eine hohe Verkehrsbelastung und damit starke Lärmimmissionen», schreibt die Stadt in der Mitteilung. Dies schränke nicht nur die Lebensqualität in einem Gebiet ein, in dem sich zum Beispiel das Kantonsspital oder der Friedhof befänden, sondern erschwere und verteuere auch die baulichen Entwicklungen. «Das Projekt tangiert zudem die Ziele der städtischen Energie-, Klima- und Luftreinhaltepolitik.»

Der Stadtrat zieht aus all diesen Zweifeln folgendes Fazit: Er bezweifle, dass eine Weiterbearbeitung der Spange Nord in der nächsten Projektphase zu einer akzeptablen Situation führe. Für den Fall, dass keine stadtverträgliche Lösung für die Spange Nord gefunden werde, fordert er eine Planung des Projektes Bypass ohne den Anschluss Lochhof – und somit ohne Spange Nord. Aus Sicht des Stadtrates erhöht dies die Realisierungschancen des Bypasses mit dem Ziel, die Engpässe auf der Autobahn zu beseitigen.

Kanton kommentiert Stellungnahme nicht

Der Kanton Luzern hat daraufhin auf seiner Website angekündigt, die eingegangenen Stellungnahmen im Laufe der nächsten Wochen auszuwerten und danach – gestützt auf das Gesamtergebnis – das weitere Vorgehen festzulegen und zu kommunizieren. Zu einzelnen Forderungen äussert sich der Kanton noch nicht.


«Die erneut kritische Haltung der Stadt Luzern stellt den weiteren Planungs- und Umsetzungsprozess des Projekts vor Herausforderungen», teilt der Kanton Luzern mit. Man werde deshalb im direkten Austausch mit der Stadt Lösungen für eine weitere Verbesserung des Projekts suchen.

«Angesichts des künftigen Mobilitätswachstums im Raum Luzern (MIV: +20%) ist es zentral, die Spange Nord bis 2030/35 zu realisieren», hält der Kanton fest. Zusammen mit dem Bypass Luzern verbessere die Spange Nord die Erreichbarkeit der Agglomeration Luzern. Sie entlaste zudem das Stadtzentrum und schafft Platz für den öffentlichen Zentrumsverkehr.

Ihren vollen Nutzen würden die Spange Nord und Bypass nur gemeinsam entfalten. «Erst mit dem Bypass kann die heutige A2 zur Stadtautobahn umfunktioniert werden, und erst die Spange Nord verlagert den Agglomerationsverkehr auf die Stadtautobahn», schreibt der Kanton Luzern.

Hinweis: Hier gehts zum ausführlichen Interview mit Stadtrat Adrian Borgula sowie den Reaktionen von Parteien und Verbänden!

Luzern Plus ist für die Spange Nord

Anders als der Luzerner Stadtrat begrüsst der Regionale Entwicklungsträger LuzernPlus die Anpassungen seitens Kanton und erachtet die Spange Nord als wichtigen Bestandteil des Gesamtverkehrssystems. LuzernPlus beantragt gemäss Mitteilung von diesem Dienstag zusätzlich, dass die betroffenen Anwohner aus den Quartieren und die Gemeinden Ebikon und Emmen im Prozess mitwirken.

«In der Gesamtbetrachtung begrüsst LuzernPlus die Spange Nord als Massnahme zur Entlastung des Stadtzentrums Luzern vom motorisierten Individualverkehr. Dieses Projekt ist für den öffentlichen Verkehr, den Langsamverkehr und für die Erreichbarkeit des ganzen Gebiets mit Waren und Dienstleistungen unabdingbar, wenn wir die Bevölkerungsentwicklung der nächsten Jahre berücksichtigen», sagt Pius Zängerle, Präsident des Gemeindeverbandes LuzernPlus.


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