Luzerner Stadtrat prüft Personalausbau in der Sozialhilfe
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Der Luzerner Stadtrat prüft eine Reduktion der Fallbelastung in der Sozialhilfe. (Bild: Adobe Stock)

Weniger Fälle pro Sozialarbeiter Luzerner Stadtrat prüft Personalausbau in der Sozialhilfe

3 min Lesezeit 2 Kommentare 10.09.2021, 09:50 Uhr

Die Luzerner Sozialhilfe kämpft seit Jahren mit einer starken Fluktuation des Personals. Grund dafür könnte die hohe Anzahl der Fälle pro Sozialarbeiter sein. Der Luzerner Stadtrat prüft darum einen Personalausbau, um die Fallbelastung pro Mitarbeiterin zu reduzieren.

Die Personalfluktuation auf der Abteilung Sozialhilfe der Stadt Luzern ist hoch. 2019 haben 10 von 18 Sozialarbeiterinnen ihre Stelle aufgegeben. Dies entspricht 55 Prozent innerhalb eines Jahres. Die Stadt Luzern reagierte damals auf diese Fluktuation, indem sie die Anzahl der Fälle, die ein Sozialarbeiter in einem 100 Prozent-Pensum bearbeitet, von 97 auf 92 reduzierte.

Diese Anpassung zeigte eine kleine Wirkung auf die Personalfluktuation: So kündigten 2020 acht Personen ihre Stelle, was einer Fluktuation von 44 Prozent gleichkommt. Dies sei immer noch zu viel, findet die SP. Darum reichte sie im Frühling 2021 ein Postulat mit der Forderung ein, die Fallzahlen pro Sozialarbeiterin noch stärker zu senken (zentralplus berichtete). Nun hat der Stadtrat Stellung dazu genommen.

Der Stadtrat bestätigt, dass es eine Überlastung des Personals zu verhindern gilt: «Überlastung und mangelnde Zeit für die einzelnen Fälle wirken sich auf die Qualität und damit auch auf den Erfolg der Sozialarbeit aus», schreibt er in der Stellungnahme. Die hohe Personalfluktuation verschärfe diese Situation aufgrund der Unterbesetzung der Sozialhilfe, des Verlusts von Know-How sowie der Zeit, die aufgewendet werden muss, um neue Mitarbeitende einzuarbeiten.

Winterthur als Vorbild

Als Vorbild bei der Reduktion der Belastung des Personals in der Sozialhilfe hat die SP in ihrem Postulat auf die Stadt Winterthur verwiesen. Dort hatte die Stadt in einem Versuch die Anzahl Fälle pro Sozialarbeiter für ein Pensum von 100 Prozent von 140 auf 75 gesenkt.

Eine Begleitstudie zeigte in der Folge, dass trotz personellem Mehraufwand die Kosten pro Fall gesunken waren. Zudem stellte die Studie fest, dass die Dauer des Sozialhilfe-Bezugs verkürzt wurde und die Chance für Sozialhilfe-Empfängerinnen, langfristig finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, gestiegen waren.

Der Luzerner Stadtrat hat die Studie aus Winterthur ebenfalls zur Kenntnis genommen und schreibt in seiner Stellungnahme: «Der Stadtrat geht aufgrund der Resultate der Vorstudie und der internen Erfahrungen davon aus,
dass eine Reduktion der Fallzahlen grundsätzlich positive Wirkungen zeigen kann.» Dies könne sich beispielsweise in Form besserer Beratungsqualität, besserer Arbeitsmarktintegration, höherer Zufriedenheit der Mitarbeitenden und einer tieferen Personalfluktuation zeigen.

Personalkosten von bis zu 700’000 Franken

Der Stadtrat kommt daher zum Schluss, dass der Bedarf für eine Prüfung der Fallbelastung in der Sozialhilfe ausgewiesen sei. Die SP forderte in ihrem Postulat die Prüfung einer Reduktion der Fallbelastung um 15 bis 20 Prozent. Dadurch müssten 405, respektive 573 neue Stellenprozent geschaffen werden, wie der Stadtrat schreibt. Das wiederum wäre mit Folgekosten von rund 500’000 bis 700’000 Franken verbunden.

Der Luzerner Stadtrat nimmt das Postulat an und prüft nun unter anderem, ob die personellen Mehrkosten durch die Reduktion der Fallbelastung auch in Luzern durch geringere Ausgaben für die wirtschaftliche Sozialhilfe kompensiert werden könnten.

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2 Kommentare
  1. Richard Scholl, 10.09.2021, 16:28 Uhr

    Ach ja, wir Schweizer haben die reichsten Armen der Welt. Siehe das Konsumniveau der Sozialhilfeempfänger. Siehe die Attraktivität für Einwanderer der —–Schichten. Siehe deren Anzahl gegenüber von in der Schweiz Geborenen. Zudem haben wir eine unkontrollierte Einwanderung, sogar im Seuchenjahr 2020 vermehrte sich die schweizerische Einwohnerzahl um 60 000.

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  2. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 10.09.2021, 13:38 Uhr

    Die Fallbelastung ist nur ein Problem von vielen. Schuld sind meiner Meinung nach in erster Linie führungs(un)verantwortliche Entscheidungsträger, deren einziges Anliegen Machterweiterung und Machterhalt ist – ihre ganze Energie in autoritäre Führungsstrukturen stecken, persönliche Komplexe ausagieren, ihren Profilneurosen frönen und auf die fatale Protegierung durch Loyalitätsklüngel innerhalb der Führungsstrukturen setzen. Ein unfähiges, untätiges Personalamt, dessen Kernkompetenzen vorallem im Wegschauen und Ignorieren der tatsächlichen Problemen liegen, erledigt den Rest. Die Kosten dieser unglaublichen Vorkommnisse trägt der ahnungslose Steuerzahler, im guten Glauben, in der öffentlichen Verwaltung gäbe es professionelle Strukturen, die solches Tun zielsicher unterbinden würden.

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