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Luzerner Stadtrat findet: So schlecht haben es die Fussgänger nicht
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Wie komme ich hier als Fussgänger durch? Der Bundesplatz in Luzern bekommt schlechte Noten.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Zweifelhafte Studie über den Fussverkehr Luzerner Stadtrat findet: So schlecht haben es die Fussgänger nicht

3 min Lesezeit 16.05.2017, 16:01 Uhr

Wie fussgängerfreundlich ist die Stadt Luzern wirklich? Acht Deutschschweizer Städte wurden letztes Jahr getestet, und Luzern schnitt am schlechtesten ab. Der Stadtrat relativiert das Ergebnis. Und wundert sich, dass der Bahnhofplatz besser abschneidet als der Helvetiaplatz.

Lange Wartezeiten, schlechte Sicht, viele Hindernisse: arme Luzerner Fussgänger. Zu diesem Schluss kam vergangenen Dezember ein Test des Vereins Umverkehr. Luzern belegte von acht getesteten Städten den letzten Rang (zentralplus berichtete). Zwar erfüllt Luzern immerhin 63 Prozent der Anforderungen, ist damit aber nur gerade «genügend».

In allen acht getesteten Städten ist der Verband eine beispielhafte Route abgelaufen – in Luzern vom Bahnhof via Seebrücke, Schwanenplatz, Altstadt, Kleinstadt, Hirschmattstrasse, Bundesplatz an den Helvetiaplatz. Die Tester bewerteten die Fussgängerfreundlichkeit anhand vier Kriterien: Hauptstrassenquerungen, Plätze, Haltestellen und Abschnitte.

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Die Grünen im Stadtparlament schrieben danach in einem Vorstoss: «Dieses Ergebnis ist in vielerlei Hinsicht bedenklich.» Insbesondere Touristen, ältere Menschen und solche mit einer Behinderung seien auf eine gute Infrastruktur angewiesen. «Der Fussverkehr ist eine wichtige Alternative zu verstopften Strassen und überfüllten Bussen.»

Lückenhafte Untersuchung

Nun liegt die Antwort des Stadtrates vor – er relativiert die Ergebnisse von Umverkehr in weiten Teilen. Da nur eine beispielhafte Route abgelaufen wurde, sei die Untersuchung lückenhaft: «Daraus lassen sich weder ein fundiertes Gesamtbild über die Fussgängerfreundlichkeit einer Stadt noch ein repräsentativer Vergleich zwischen den Städten ableiten», so der Stadtrat.

Zudem seien die im Bericht genannten Defizite mehrheitlich bekannt. Der Stadtrat sei sich bewusst, dass für den Fussverkehr noch einiges getan werden müsse, viele Massnahmen seien aber bereits umgesetzt.

Ein Kredit von 1,2 Millionen Franken zur Sanierung von Fussgängerstreifen auf Gemeindestrassen wurde bereits 2015 bewilligt, die Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetz und ein Aktionsplan Fussverkehr sind in Arbeit. Die Stadt Luzern hat zum Ziel, den Anteil des Fussverkehrs am Gesamtverkehr von 9 auf 11 Prozent zu erhöhen.

Bahnhofplatz vs. Helvetiaplatz

Der Stadtrat wundert sich über gewisse Ergebnisse des Tests – etwa über den Vergleich von Plätzen. Er findet, dass die in der Studie als ungenügend beziehungsweise mässig genügend eingestuften Plätze Weinmarkt und Helvetiaplatz» eine hohe Aufenthaltsqualität aufweisen. «Dass diese Plätze am hinteren Ende der Rangliste aller schweizweit untersuchten Plätze zu liegen kommen, während der Bahnhofplatz auf dem ausgezeichneten dritten Rang landet, kann sich der Stadtrat nicht erklären», schreibt er.

Verbesserungen verspricht sich der Stadtrat mit der neuen Pflästerung auf dem Franziskanerplatz und in der Kleinstadt, die momentan saniert wird. Im Hirschmatt-/Neustadtquartier ist mit der Sanierung bereits viel passiert – und auch beim Grendel und in der Bahnhofstrasse wird sich die Situation für Fussgänger in Zukunft verbessern.

Hier muss man lange warten, bis es grün wird: Fussgängerstreifen beim Schwanenplatz in Luzern.  (Emanuel Ammon/AURA)

Hier muss man lange warten, bis es grün wird: Fussgängerstreifen beim Schwanenplatz in Luzern.  (Emanuel Ammon/AURA)

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Auch am Pilatusplatz soll sich die Verkehrssicherheit mit einer neuen Verkehrsführung verbessern und man will die Wartezeiten mit kürzeren Umlaufzeiten für alle Verkehrsteilnehmer reduzieren – im Bereich des Löwencenters ist dies bereits passiert.

Allerdings ist der Spielraum oft limitiert, etwa bei der Querung der Pilatusstrasse. «Kürzere Wartezeiten für den Fussverkehr bedeuten in der Regel grössere Staulängen für den motorisierten Individualverkehr und/oder längere Wartezeiten für den öffentlichen Verkehr und den Veloverkehr», so der Stadtrat. Die Querung der Pilatusstrasse benötige zudem lange Grünphasen fur Fussgänger, weil die Strasse sehr breit sei.

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