Regionales Leben

«Angriff» auf Video festgehalten
Luzerner Stadtfuchs knabbert an Knöchel von Passanten

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 2
Sieht zwar niedlich aus, doch in der Stadt können Füchse aufdringlich werden.
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Sieht zwar niedlich aus, doch in der Stadt können Füchse aufdringlich werden. (Bild: Martin Meister)

Ein Stadtfuchs hält die Luzerner Industriestrasse auf Trab. Verschiedene Quellen berichten, dass der Fuchs sogar schon nach Passanten geschnappt hat. Der Luzerner Wildhüter Christian Hüsler erklärt: Schuld sind die Menschen selbst.

Dank unzähliger Märchen und Fabeln stellen wir uns den Fuchs als listiges und schlaues Tier vor, vielleicht auch als scheu. Aber ganz sicher nicht als aufdringlich. Doch wer diesen Herbst an der Luzerner Industriestrasse unterwegs war, wurde eines Besseren belehrt. Dort trieb ein Stadtfuchs sein Unwesen und sorgte durch sein aufdringliches Verhalten für Aufsehen.

So berichtete beispielsweise «20 Minuten» über den «nach Hosenbeinen schnappenden» Fuchs und auch das «Migros-Magazin» griff die Geschichte auf. zentralplus hat von einer Leserreporterin ein Video erhalten, das eindrücklich zeigt, wie der Fuchs sogar den Fussknöchel einer Person anknabbert.

Im Video siehst du die «Knabber-Attacke» des Fuchses:

Der Vorfall liegt zwar schon einige Monate zurück. Dennoch wirft er die Frage auf, ob wir uns in der Stadt längerfristig an unliebsame Begegnungen mit Stadtfüchsen gewöhnen müssen.

Erster Vorfall mit «Körperkontakt»

Der kantonale Wildhüter Christian Hüsler beruhigt. Zwar sei es im Stadtgebiet nicht überraschend, dass Füchse kaum oder gar keine Scheu vor dem Menschen zeigen: «Aber dass Füchse sogar auf ‹Körperkontakt› mit dem Menschen gehen, habe ich in den vergangenen Jahren bisher nicht erlebt.» Grundsätzlich hätten die Meldungen von Stadtfüchsen in den letzten Jahren allerdings zugenommen.

Hüsler begründet das damit, dass diese Füchse schon im Stadtgebiet aufgewachsen sind. Dabei haben sie gemerkt, dass vom Menschen kaum eine Gefahr ausgeht. Der Fuchs habe den Menschen als «weitgehend harmlosen Teil seiner Umwelt wahrgenommen». Dementsprechend haben die Tiere fast keine Scheu mehr vor dem Menschen.

Füttern verboten

Dass der Fuchs aber nicht nur keine Scheu zeigt, sondern sogar derart aufdringlich wird, habe einen anderen Grund – und der liegt bei den Menschen. «In den meisten Fällen werden die Füchse von unwissenden Anwohnern aus falscher Tierliebe gefüttert», erklärt Hüsler. Das habe sich auch beim Fuchs von der Industriestrasse so herausgestellt. «Dieses Füttern führt in der Regel dazu, dass die Füchse ihre Hemmschwelle vor dem Menschen weitgehend ablegen.»

«Das Füttern hilft den Tieren nicht, sondern bedeutet leider immer wieder deren Todesurteil.»

Christian Hüsler, Wildhüter Kanton Luzern

Die Menschen würden den Fuchs zwar aus Tierliebe füttern, doch sie bewirken mit ihrem Handeln exakt das Gegenteil. Denn sie fördern damit das aufdringliche Verhalten des Fuchses und das führt längerfristig – wie an der Industriestrasse – zu Konflikten zwischen Tier und Mensch. In solchen Fällen rät Hüsler, den Fuchs mit einem Wasserstrahl oder einem Besen zu vertreiben.

Doch falls die Versuche, den Fuchs zu vertreiben, erfolglos sind, bleibt für die Wildhut nur noch ein Ausweg: den Fuchs einzufangen und zu töten. «Damit muss nochmals betont werden, wie unsinnig das Füttern von Füchsen ist, welches den Tieren nicht hilft, sondern leider immer wieder deren Todesurteil bedeutet», hält Hüsler fest.

Luzerner Stadtfuchs hat Glück

Für den Fuchs von der Industriestrasse nahm die Geschichte indes ein glückliches Ende. Er hat sich offenbar zurückgezogen und entging somit einer Konfrontation mit dem Wildhüter.

Die Versuche, ihn längerfristig zu vertreiben, hätten zwar nur teilweise funktioniert, sagt Hüsler. Er vermutet aber einen anderen Grund, weshalb sich der Fuchs seit einigen Monaten nicht mehr blicken lässt. Und zwar wurde er damals vom Zirkus Tortellini, der im Herbst auf dem EWL-Areal bei der Industriestrasse gastierte, angelockt. Durch den Zirkusbetrieb lag Popcorn auf dem Boden – für den Fuchs ein willkommener, wenn auch unnatürlicher Leckerbissen.

Mit dem Wegzug des Zirkus verschwand nicht nur das Popcorn, sondern auch die Menschen vom Areal. Die Gefahr weiterer Konflikte zwischen Tier und Mensch ist somit vorerst gebannt, weshalb «der Fuchs glücklicherweise lebend davonkam», wie Hüsler erleichtert ergänzt.

Du hast einen Fuchs gesehen? Melde dich!

Unter StadtWildTiere Luzern kannst du deine Wildtierbeobachtungen aus der Stadt Luzern selber eintragen. Ob Fuchs, Dachs, Kauz oder Eichhörnchen – Ziel des Projekts ist es, diese heimlichen Siedlungsbewohner sichtbar und erlebbar machen. Denn die Artenvielfalt in den Städten ist überraschend gross.

Auch im Maihof-Quartier beispielsweise sind Stadtwildtiere keine Seltenheit. WWF-Mitarbeiter Fabian Haas hat mit seiner Kamerafalle allerhand Tiere beobachtet. Bei zentralplus kommentierte er seine Schnappschüsse.

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2 Kommentare
  1. Alphoernchen, 19.01.2022, 11:08 Uhr

    Füchse lieben eben Käse 😉

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  2. Michel von der Schwand, 09.01.2022, 18:49 Uhr

    Nichts Neues!

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