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Luzerner Spital will Parkhaus für 600 Autos – geht das?
  • Wirtschaft
  • Verkehr
(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Mehr Mitarbeiter, mehr Besucher – mehr Parkplätze Luzerner Spital will Parkhaus für 600 Autos – geht das?

5 min Lesezeit 5 Kommentare 18.01.2017, 17:59 Uhr

Wegen drohendem Mehrverkehr haben es neue Parkhäuser in der Stadt alles andere als leicht. Trotzdem will das Luzerner Kantonsspital auf seinem Areal ein neues für 600 Autos bauen. Bis es so weit ist, müssen noch einige Hürden genommen werden.

Das nennt man spannende News. Das Luzerner Kantonsspital (LUKS) hat diesen Mittwoch über grosse Veränderungen an den Standorten Luzern und Wolhusen informiert (wir berichteten). Was dabei für die Öffentlichkeit unerwartet kommt, sind die Pläne für ein neues Parkhaus in Luzern. «Das LUKS Luzern erhält 2018 im Osten des Areals ein neues Parkhaus. Der siebenstöckige Bau bietet Raum für rund 600 Fahrzeuge und deckt den Bedarf an zusätzlichen Parkplätzen», teilt das Spital mit. Die Erschliessung ist über die Friedentalstrasse geplant. Kostenpunkt: knapp 14 Millionen Franken.

Ein Parkhaus nur für die Mitarbeiter

Der Bedarf für das zusätzliche Parkhaus ergibt sich laut Mitteilung durch die jährlich wachsenden Patienten- und Mitarbeiterzahlen. Das bestehende Parkhaus sei chronisch überfüllt.

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Auf dem rot markierten Areal soll das neue Parkhaus hinkommen. Dort existiert schon heute ein provisorischer Autoparkplatz.

Auf dem rot markierten Areal soll das neue Parkhaus hinkommen. Dort existiert schon heute ein provisorischer Autoparkplatz.

(Bild: zentralplus)

Auf Nachfrage präzisiert Spitaldirektor Benno Fuchs: «Verbunden mit dem Wachstum steigt auch die Anzahl Angehörigen, die sich auf dem Areal bewegen, sowie die Anzahl Mitarbeitenden.» Derzeit arbeiten rund 4500 Personen auf dem weitläufigen, dicht überbauten Areal. Täglich kommen und gehen rund 1000 Besucher.

«Auch mit umfassenden Massnahmen stossen wir im Bereich der Parkierung an Grenzen.»

Benno Fuchs, Direktor Luzerner Kantonsspital

Das LUKS hat laut Fuchs in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Luzern und der Stadt Luzern schon diverse Massnahmen im Bereich der Mobilität umgesetzt. Fazit laut dem Spitaldirektor: «Auch mit umfassenden Massnahmen stossen wir im Bereich der Parkierung an Grenzen. Die Erreichbarkeit des Standorts Luzern für Patienten, Besucher und Mitarbeitende muss gewährleistet sein, diese wird mit dem Neubau weiter verbessert.»

Das neue Parkhaus wird ausschliesslich Mitarbeitenden zur Verfügung stehen, damit das bestehende vollumfänglich durch Patienten und Besucher genutzt werden kann. Am Standort Luzern gibt’s aktuell gut 1200 Parkplätze, verteilt auf das Parkhaus sowie auf die Parkplätze auf dem östlichen Areal, wo das neue Parkhaus hin soll.

Fuchs verweist zudem auf den Umstand, dass das Kantonsspital schon heute grosse Anstrengungen unternimmt, damit die Mitarbeiter mit dem öV anreisen. So beteiligt sich das LUKS an den öV-Abonnementen seiner Mitarbeitenden und erweiterte die Anzahl an Velo-Parkplätzen. Nun wird laut Spitaldirektor auch die Bushaltestelle «Kantonsspital» neu angeordnet sowie die öV-Anbindung optimiert.

Feindbild Parkhaus

Ein neues Parkhaus in Luzern? Da klingelt’s. Erst Mitte Dezember wurde das Projekt für ein Parkhaus Musegg im St.-Karli-Quartier von der Politik versenkt. Die neue «Öko-Allianz» aus SP, Grünen und GLP fand das Vorhaben dermassen daneben, dass sie dem Stadtrat untersagten, das bereits vorliegende Vorprojekt überhaupt erst zu analysieren. Begründung: Die rund 700 Parkplätze würden zu viel Mehrverkehr generieren. Gefragt sei eine Förderung des öV und Langsamverkehrs. Die drei Parteien verwiesen dabei auf das vom Volk 2012 angenommene Mobilitätsreglement. Dieses verlangt, dass der Autoverkehr auf dem Stand von 2010 plafoniert werden muss. Allerdings hat die CVP angekündigt, das Verdikt mit einer Volksabstimmung rückgängig machen zu wollen.

«Es ist einleuchtend, dass beim Kantonsspital mit der steigenden Anzahl Mitarbeiter, von denen viele Schicht arbeiten, nicht alle mit dem öV anreisen können.»

Jürg Rehsteiner, Stadtarchitekt

Das Parkhaus Musegg hatte als Mehrwert für die Stadt zum Ziel, den Luzerner Schwanenplatz von Cars zu befreien. Zudem hätten als Kompensation Hunderte von Oberflächenparkplätzen abgebaut werden sollen.

Und nun will also das Kantonsspital nur ein paar Hundert Meter Luftlinie vom Eingang des vorerst gescheiterten Musegg-Parkhauses entfernt ein Parkhaus mit 600 Plätzen bauen. Ohne zusätzlichen Mehrwert für die Stadt. Mal abgesehen davon natürlich, dass das Spital einen elementaren staatlichen Auftrag zu erfüllen hat, einwandfrei funktionieren muss und mit seinen 4500 Mitarbeitern zu den grössten Arbeitgebern des Kantons gehört. Trotzdem stellt sich Otto Normalbürger die Frage: Kann aufgrund der aktuellen politischen Situation in der Stadt überhaupt noch ein neues Parkhaus gebaut werden?

Das Parkhaus, hier zu sehen hinter dem Kinderspital, ist meistens überlastet. Deshalb möchte das Kantonsspital ein neues bauen.

Das Parkhaus, hier zu sehen hinter dem Kinderspital, ist meistens überlastet. Deshalb möchte das Kantonsspital ein neues bauen.

(Bild: zVg)

Stadt hilft mit

Seitens der Stadt konnte diesen Mittwoch der zuständige Stadtrat Adrian Borgula keine Auskunft geben, da er an einem Seminar weilte. Kurz Stellung nahm dafür Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner. Und er signalisiert grundsätzlich grünes Licht: «Wir sind schon länger in Kontakt mit dem Kantonsspital und wissen um die Pläne.» Um das Parkhaus realisieren zu können, brauche es sowohl ein Bauprojekt als auch ein Strassenprojekt. Beides liege noch nicht vor.

Ein Strassenprojekt braucht es laut Rehsteiner, weil Anpassungen an der Friedentalstrasse, wo die Zu- und Wegfahrt des Parkhauses realisiert werden sollen, nötig werden. Entsprechende Vorabklärungen seien am Laufen, dabei sei auch der Kanton involviert. Geplant sind laut Kantonsspital eine zusätzliche Linksabbiegespur, eine neue Regelung des Knotens Sedel mit Lichtsignal sowie ein Velostreifen an der Friedentalstrasse.

«Die verbesserte Erschliessung des Spitals muss in erster Linie durch einen zuverlässigeren und regelmässigeren öV erreicht werden.»

Christian Hochstrasser, Grüne

Betreffend Mehrverkehr lässt sich laut Rehsteiner noch nichts Genaues sagen. Er verweist aber darauf, dass auf dem geplanten Standort schon heute viele Parkplätze stehen. «Es wird deshalb wohl auch eine Verlagerung von diesen Parkplätzen ins neue Parkhaus geben. Grundsätzlich ist es zudem einleuchtend, dass das Kantonsspital mit der steigenden Anzahl Mitarbeiter, von denen viele Schicht arbeiten, nicht alle mit dem öV anreisen können. Dafür braucht es ein Quantum an Parkplätzen.» Ob und wie das Projekt mit dem städtischen Mobilitätsreglement vereinbar ist, dazu äussert sich Rehsteiner nicht. Dafür sei der Stadtrat zuständig.

Parteien fordern mehr Infos

Wie die Parteien zum neuen Parkhaus stehen, kann noch nicht beantwortet werden. Denn auch sie haben erst diesen Mittwoch davon erfahren. «Wir benötigen mehr Informationen, bevor wir dazu Stellung nehmen können», sagt etwa SP-Fraktionschef Nico van der Heiden.

Das gilt auch für Christian Hochstrasser von den Grünen. Er sagt ergänzend: «Wichtig ist für uns immer, dass man die Auswirkungen auf das ganze Verkehrsnetz und das Quartier anschaut und das Zusammenspiel zwischen öV und unvermeidbarem Autoverkehr analysiert.» Das Kantonsspital habe bezüglich Mobilitätskonzept bereits einiges gut in die Wege geleitet. «Es muss aber auch weiter zentral sein, dass die verbesserte Erschliessung für Besucher, Patienten und Mitarbeiter in erster Linie durch einen zuverlässigeren und regelmässigeren öV erreicht wird.»

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5 Kommentare
  1. John Player, 20.01.2017, 20:21 Uhr

    @Hr. Sigrist: Ich habe absolut nichts gegen diese Metro Luzern. Ganz im Gegenteil. Verstehen Sie mich also bitte nicht falsch. Ich finde die Idee genial. Aber hätte, wäre, wenn hilft jetzt niemandem mehr. Ich finde das Vorgehen des Stadtrates auch mehr als unglücklich.
    In Anbetracht der Lage finde ich das vergleichsweise günstige Parkhaus keine schlechte Lösung. Existiert das Metro Projekt denn noch und besteht eine Chance auf eine Realisierung? Falls ja in welchem Zeitrahmen? Das Parkhaus ist ja wesentlich billiger als die Metro. Der Stadtrat ist leider nicht so visionär wie die Mitglieder des Metro Projektes. Das ist leider so.
    @Hr. Albrecht: Da gäbe es noch mehr Möglichkeiten. Die Metro könnte auch nach Kriens fahren.

  2. Walter Albrecht, 20.01.2017, 18:39 Uhr

    Die Metro bis Bahnhof Emmenbrücke weiterführen und vom Schwanenplatz in den Tiefbahnhof. Dann wären sehr viele Verkehrsprobleme langfristig gelöst.

  3. Marcel Sigrist, 20.01.2017, 13:04 Uhr

    @Raymond: Weil das Team Projekt Metro Luzern um die prekäre Situation beim Kantonsspital seit Jahren weiss, hat es die Zwischenstation Kantonsspital mit eingeplant!!! Und hätte der Stadtrat nicht das Museggloch priorisiert und das Projekt Metro in Eigenregie versenkt, wäre das von Ihnen als Luftschloss bezeichnete Metroprojekt bereits am Laufen und eine Lösung zusammen mit dem Kantonsspital JETZT in Aussicht, die viel besser wäre. Soweit der Sachverhalt.

  4. John Player, 19.01.2017, 18:07 Uhr

    Herr Sigrist. Wann kommt denn dieses “Projekt Metro Luzern”? In fünf Jahren? In zehn Jahren? Oder vielleicht auch gar nicht? Das ist bis jetzt nicht mehr als ein Luftschloss und die Realisierung steht in den Sternen. Das Luzerner Kantonsspital braucht JETZT eine Lösung. Die Parkplatzsituation ist seit Jahren mehr als prekär. Die Situation ist sowohl für Patienten, Besucher und Mitarbeitende des LUKS untragbar. Wenn Sie das nicht glauben machen Sie mal einen Rundgang über das Areal. Am besten morgens um 10 Uhr. Die Fahrzeuge stehen kreuz und quer. Für LKWs gibt es oft nicht mal mehr ein Durchkommen. Und an allen Ecken und Enden wird gebaut. Ich bin sehr froh, dass die Spitalleitung das auch so sieht und jetzt endlich eine Lösung in Aussicht ist um das Chaos zu beenden.

  5. Marcel Sigrist, 19.01.2017, 12:35 Uhr

    Das Projekt Metro Luzern (Metro von der Reusseg zum Schwanenplatz) sieht eine Zwischenstation Kantonsspital vor. Im Parkhaus an der Metrostation Reussegg (direkt an der Autobahn A2/A14) wären genügend Parkplätze geplant, auch eigens für das Kantonsspital. Alle Welt wüsste das. So auch der Stadtrat und das Kantonsspital. Der Hauptharst des Spitalpersonals, das auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen ist, kommt über den Sedel zum Spital. Noch Fragen?