Luzerner Sonntagsverkäufe sind abgesagt: «Hammerschlag für das Gewerbe»
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An den kommenden Sonntagen dürften die Luzerner Shoppingmeilen leer bleiben. (Bild: jru)

Wegen Coronavirus Luzerner Sonntagsverkäufe sind abgesagt: «Hammerschlag für das Gewerbe»

3 min Lesezeit 15 Kommentare 10.12.2020, 09:51 Uhr

Eigentlich hätten die Luzerner an den kommenden beiden Sonntagen shoppen gehen können. Würde nicht wieder einmal Corona dazwischenkommen. Die Sonntagsverkäufe wurden gestrichen. Bei der City Vereinigung Luzern sorgt das für Kopfschütteln.

Noch immer hat die Schweiz die Coronafallzahlen nicht im Griff. Das gilt auch für den Kanton Luzern. «Es ist sogar ein Trend zu einem erneuten Anstieg zu erkennen», schreibt die Stadt Luzern in einer Mitteilung. Die Festtage könnten diese Situation sogar noch verschärfen. Und bereits jetzt sind die Spitäler am Anschlag (zentralplus berichtete).

Deshalb hat nun der Luzerner Stadtrat reagiert. Die Sonntagsverkäufe vom 13. und 20. Dezember fallen aus. Dafür hat er die entsprechende Verordnung über die Schliessungszeiten der Verkaufsgeschäfte in der Stadt Luzern aus dem Jahr 1997 geändert. Die neue Verordnung tritt am Samstag in Kraft.

Auch Handwerksmärkte fallen aus

Bei den Shoppingtagen gehe es nicht nur ums Einkaufen an sich. «Die Sonntagsverkäufe im Dezember haben für die Bevölkerung neben dem Einkauf von Weihnachtsgeschenken verstärkt auch eine Art Eventcharakter», heisst es in der Mitteilung. Menschen würden sich spontan oder auch geplant treffen und «stimmen sich gemeinsam auf Weihnachten ein». Solche Möglichkeiten für Treffen will der Stadtrat vermeiden.

Nebst den Sonntagsverkäufen fallen deshalb auch die beiden Handwerksmärkte auf dem Weinmarkt ins Wasser. Lediglich der Christbaumverkauf am Schweizerhofquai am 20. Dezember findet statt.

Mit dem Entscheid will der Luzerner Stadtrat ein Zeichen setzen. Er hofft, dass andere Städte seinem Beispiel folgen werden. Dennoch sei er sich bewusst, dass der «sicher unpopuläre Entscheid» für den Detailhandel weitreichende Folgen haben könne, da das Weihnachtsgeschäft einen wesentlichen Teil des Umsatzes ausmacht. Deshalb bittet der Stadtrat gleichzeitig die Bevölkerung, das lokale Gewerbe zu unterstützen – am besten unter der Woche.

«Dass der Stadtrat hier vorprescht und noch vor dem Bundesrat entscheidet, ist unverständlich.»

Josef Williner, Präsident City Vereinigung Luzern

Ein schwacher Trost und ein «Hammerschlag für das Gewerbe», findet Josef Williner, Präsident der City Vereinigung Luzern. «Dass diese zwei wichtigen Sonntagsverkäufe gestrichen werden, ist für das Luzerner Gewerbe gravierend», sagt er gegenüber zentralplus. Das Weihnachtsgeschäft mache für viele rund einen Drittel des Jahresumsatzes aus. Fallen die Sonntagsverkäufe nun ins Wasser, würden die Existenzängste weiter zunehmen. «Was oft auch vergessen wird, sind die Angestellten», sagt Williner. Auch sie müssten einen Jobverlust fürchten.

Williner kann den Entscheid des Stadtrates nicht nachvollziehen, auch wenn der Bundesrat am Freitag anordnen könnte, dass Läden am Sonntag geschlossen bleiben müssen (zentralplus berichtete). «Dass der Stadtrat hier vorprescht und noch vor dem Bundesrat entscheidet, ist unverständlich.» Es sei schliesslich nicht die Stadt Luzern selbst, die als Coronahotspot gelte. Im Kanton Luzern hat das Entlebuch die höchste 14-Tages-Inzidenz (zentralplus berichtete).

Auch den Stadtluzerner Geschäften stellt Williner ein gutes Zeugnis aus. «Bisher gab es keine einzige bekannte Coronaansteckung in Luzerner Läden. Die Schutzkonzepte werden eingehalten.» Und würden nun die Verkaufszeiten verkürzt, könnte es an anderen Tagen zu grösseren Menschenansammlungen kommen, befürchtet Williner. Um dies zu verhindern, müssten eigentlich die Öffnungszeiten verlängert und nicht verkürzt werden, findet er. Oder aber die Menschen kaufen schlicht in anderen Städten ein und verschärfen dort das Problem. «Die Leute wollen Freude machen und schenken», sagt der CVL-Präsident. Gehe das nicht vor Ort, würden viele auf Onlineshopping umsteigen – was wiederum dem lokalen Gewerbe schade.

SVP zeigt ebenso wenig Verständnis

Bei der SVP Stadt Luzern klingt es ähnlich wie bei der CVL. Dass der Stadtrat vorgreife und den Entscheid des Bundesrats nicht abwarte, stösst bei Dieter Haller, Kantonsrat und Präsident der SVP Stadt Luzern, auf Unverständnis. Stattdessen fahre Luzern einen «Sonderzug». Dieser könne sich «mit finanziellen Forderungen gegenüber der Stadt als Bumerang erweisen», schreibt er in einer Mitteilung.

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15 Kommentare
  1. Kaufmann, 10.12.2020, 17:21 Uhr

    SVP und Cityvereinigung sind wohl nicht im selben Zug, der täglich mit 100 Leuten an die Wand gefahren wird!

  2. Faktencheck, 10.12.2020, 14:43 Uhr

    Seien wir einmal ehrlich, die Politik kann machen, was sie will – es ist falsch. Entweder macht sie zu viel oder zu wenig. Aber wir Kommentarschreiber stehen ja schlussendlich nicht in der Verantwortung und der Stadtrat übernimmt sie und entscheidet – viele anderen warten auf den Bund, damit diesem der schwarze Peter zugeschoben werden kann – so agierte bis jetzt jedenfalls auch der Regierungsrat des Kantons Luzern…
    Man kann es auch positiv sehen: die StadtluzernerInnen haben einen Vorlauf, wenn sich der Bund morgen schweizweit für solche Massnahmen aussprechen sollte. Und der Detailhandel in der Stadt sollte einmal seine Webseiten anschauen und sich kritisch fragen, ob man hier nicht auch besser werden müsste?! Wenn ich online in der Stadt einkaufen und die Ware abholen oder liefern lassen kann, dann bleibt das Geschäft in der Stadt und die Arbeitsplätze ebenso. Gute Beispiele gibt es, sowohl im Detailhandel als auch in der Gastronomie, aber (noch) sind es Ausnahmen.
    @Zentralplus: wäre doch eine coole Reportage?!
    @City Vereinigung: hierfür braucht es Leadership und einfache standartisierte Lösungen fürs Gewerbe – da könnte man sich doch zusammentun und Implementierungskosten senken?!

    1. Kasimir Pfyffer, 10.12.2020, 16:52 Uhr

      Ja, ich bin auch froh, dass der Stadtrat wenigstens das «Füdle» hat, eine Entscheidung zu treffen. Dafür werden diese PolitikerInnen gewählt und besoldet. Das Herumtrödeln und Herumdrucksen der vielen anderen Stadt- und Kantonsregierungen ist einfach nur peinlich.

  3. transit, 10.12.2020, 14:30 Uhr

    Diese Sonntagsverkäufe bringen nichts. Wer sonntags einkaufen geht, kauft unter der Woche weniger, mehr Umsatz bringen weder Sonntagsverkäufe noch Abendverkäufe – meine persönliche Erfahrung aus fast 30 Jahren Einzelhandel. Dieses «Bedürfnis» entsteht lediglich in den Köpfen der Menschen resp. Grossverteilern und derer die undbedingt 24 Stunden geöffnete Läden wollen.
    Wenn man daran denkt wie unsere Grosselten eingekauft haben – übrigens ohne Tiefkühler oder teilweise ohne Kühlschränke – muss man sich schon fragen ob früher wirklich alles besser war. Die Denkweise der Menschen was sicher.

  4. JMüller, 10.12.2020, 14:23 Uhr

    ja und in den Läden kein Mindestabstand null Kontrolle der Sonntags verkauf verlagert sich auf die Woche und ein Gstung in den Läden Hände werden auch keine Desinfiziert ja und was macht unser Gesundheit Direktor dagegen ,,,, Frauen im Gstung mit Kleinkinder die natürlich ohne Masken,, obwohl in Altstadt Maskenpflicht sieht man in Dich besiedelten Orten, Quartieren oder Plätze Jungs über den Mittag stehen Plaudernd ohne Masken es Rise sau Puff meine Erfahrung,

  5. A. S., 10.12.2020, 13:52 Uhr

    Da schäme ich mich als Stadtluzerner richtig für unseren Stadtrat. Das Problem löst sich nicht, dann gehen halt alle in die Mall oder das Emmencenter am Sonntag. Die Ansteckungsgefahr bleibt, aber das Gewerbe und die Gastronomie sind die Verlierer. Liebe Damen und Herren des Stadrates, als Bürger unserer Stadt erwarte ich von Ihnen, dass Sie sich für unsere Stadt einsetzen und nicht dagegen arbeiten!

  6. Corona, 10.12.2020, 13:38 Uhr

    Es wird wohl nicht mehr lange gehen bis irgendeiner durchdreht.

    Hört doch endlich auf damit!

  7. Quiz Master, 10.12.2020, 11:02 Uhr

    Logik für Dummies……. Wann ist das Gedränge grösser? Wenn sich 10‘000 auf 6 Tage verteilen oder wenn sich 10‘000 auf 7 Tage verteilen?

  8. Kasimir Pfyffer, 10.12.2020, 10:57 Uhr

    Unschön für den Detailhandel, aber notwendig. Der Stadtrat hat wenigstens das «Füdle», selber zu entscheiden, statt wie viele andere auf den Bundesrat zu schielen. Wir sind schon jetzt der Hotspot Europas, und die Fallzahlen steigen bereits wieder exponentiell. Jeder ausser der City Vereinigung hat auch schon mal davon gehört, dass symptomlose Infizierte aus Region A (z. B. Entlebuch) andere Menschen aus Region B (z. B. Stadt Luzern) anstecken können. Das Virus kann nämlich nicht lesen und steigt deshalb auch nicht an der Stadtgrenze aus dem Bus!

    1. Andreas Peter, 10.12.2020, 11:46 Uhr

      @Pfyffer: Wie kann etwas «notwendig» sein, was als gescheitert gilt?
      LZ heute «Der weiche Lockdown gilt als gescheitert».
      Ob hart oder weich, das Virus macht, was es will.
      Steuern können wir nur die Höhe der Kollateralschäden und diese treiben wir derzeit noch mehr nach oben.
      Alle diese Massnahmen sind primär Aktionismus.
      Fast nichts davon hat eine wissenschaftlich abgesicherte Grundlage.

    2. Kasimir Pfyffer, 10.12.2020, 12:36 Uhr

      Gescheitert ist die Vogel-Strauss-Politik. Mit dem beständigen Böcklimachen für die Wirtschaftlobby wurden die Kontakte nicht reduziert und damit das Problem nicht eingedämmt. Je später wir jetzt handeln, desto grösser sind die Schäden für uns alle. Lieber zwei Wochen im Dezember zumachen als fünf Wochen ab Januar, oder sehen Sie das anders?

    3. Andreas Peter, 10.12.2020, 16:00 Uhr

      Ja, sehe ich anders. Erstens nur schon der Begriff «Wirtschaftlobby».
      Man merkt, dass Sie nicht (mehr) arbeiten. Es geht hier nicht um Krawattenträger sondern um uns alle, auch um das Gesundheitswesen, Künstler, Gastro…
      Zweitens glauben Sie wohl immer noch, wenn wir zwei Wochen lang den Allerwertesten zusammenkneifen, könne man Corona danach vergessen. Das wird nicht der Fall sein.
      Wenn man im Dezember «vorsichtshalber» zu macht, macht man im Januar erst recht zu.
      Ein Lockdown ist keine Option mehr. Um es mit einer bekannten Deutschen zu sagen: «Wir müssen das aushalten, wir schaffen das (ohne Lockdown)». 😉

  9. Andreas Peter, 10.12.2020, 10:49 Uhr

    Das wäre alles sogar akzeptabel, wenn es auch nur den geringsten Hinweis gäbe, dass diese Massnahmen mehr nützen als schaden.
    Aus meiner Sicht ist jetzt einfach Grippesaison, da kann man machen was man will.
    Und Spitäler sind von Natur aus «am Anschlag», sonst arbeiten sie unrentabel.

  10. Bryan, 10.12.2020, 09:59 Uhr

    😉 Zum Glück gibt es ja noch die Agglo Luzern. Das der Stadtrat von Luzern ein Alleingang macht, zeigt einmal mehr die Inkompetenz von diesem auf.

    1. Stefan Ernst, 10.12.2020, 10:29 Uhr

      Luzern? Das ist doch der Kanton wo die Geschäfte eh praktisch nie offen haben dürfen. Gut gibt es noch andere Kantone wo man einkaufen kann.

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