Luzerner Schüler verharren tagelang im Corona-Hausarrest
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Viele Schülerinnen warten derzeit aussergewöhnlich lange auf das Resultat ihres Corona-Tests. (Bild: Adobe Stock)

Testresultate bleiben auf der Strecke Luzerner Schüler verharren tagelang im Corona-Hausarrest

4 min Lesezeit 07.09.2021, 17:27 Uhr

Sie können, müssen aber nicht. An Luzerner Schulen sind Corona-Tests bislang freiwillig. Unfreiwillig müssen die Schüler aber teils tagelang auf das Testresultat warten. Die Volksschulverantwortlichen wollen nachbessern.

Neues Schuljahr, neues Schulhaus, neue Klasse, neue Freunde. So aufregend der Schulstart nach den Sommerferien auch wäre, so fett ist der Strich, den Corona einmal mehr durch das Leben vieler Schülerinnen macht. So auch das von Tanja G.* Vor zwei Wochen hätte sie ihren ersten Schultag in einer Stadtluzerner Sekundarstufe gehabt. Hätte.

Nach einem Sportlager im Sommer, das sich als Superspreader-Event entpuppt hatte, verbrachte sie die erste Schulwoche bereits in Quarantäne. In der zweiten liess sich G. freiwillig mittels Pooltest auf das Coronavirus testen. Und prompt fiel dieser positiv aus. Die Lehrerin organisierte sämtlichen Pooltest-Teilnehmern einen Einzeltest, am Donnerstagabend liessen sich allesamt nochmals testen.

Und dann hiess es: Warten. Zurück in den Hausarrest. Und das für ganze vier Tage. Erst am späten Montagabend kam das Resultat: Der Test ist negativ. Der Vater von G. meldet sich bei zentralplus und fragt: «Wie kann das sein? Die haben das nicht im Griff!» Aus Rücksicht auf seine Tochter will er anonym bleiben, auch das Schulhaus nennt zentralplus aus Rücksichtnahme nicht namentlich. Denn wie sich zeigt, ist es kein Einzelfall.

Run auf die Pooltests

Der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern ist das Problem bekannt. Leiter Aldo Magno sagt auf Anfrage: «Wir haben Kenntnis davon, dass es zu Verzögerungen bei den Testresultaten kommt.» Abgewickelt werden die Tests über «together we test», einer Plattform der Privatklinikgruppe Hirslanden. Sie übernimmt die Abwicklungen der repetitiven Tests an Schulen und in Betrieben.

Die Hirslanden organisiert die PCR-Speicheltests, welche nach dem Test in diversen Laboren ausgewertet werden. Die Resultate werden dann via Plattform «together we test» zurück an die Schule und ans Bundesamt für Gesundheit BAG übermittelt.

Die Poolproben von Schulklassen oder Firmen werden in kantonalen Labors ausgewertet.

Für Schüler und Lehrerinnen sind die Pooltests freiwillig, dennoch hat die Nachfrage nach den Sommerferien zugenommen, hält Hirslanden-Sprecher Claude Kaufmann fest. Alleine letzte Woche wurden rund 1’330 Pooltests im Kanton Luzern ausgewertet. Fällt ein solcher Speichel-Sammelpool positiv aus, müssen sämtliche Schülerinnen und Lehrer nochmals einen Einzeltest durchführen.

Und das geschieht immer häufiger: «Die Positivitätsrate der COVID-19-Analysen im Labor Synlab ist angestiegen. Der Anstieg ist im Einklang mit dem schweizweiten Trend», so Kaufmann. Synlab wertet die Proben für den Kanton Luzern aus. Das widerspiegelt sich auch in den täglichen Corona-Fallzahlen. Die positiven Corona-Fälle unter den 10- bis 19-Jährigen sind in den letzten Wochen stark angestiegen.

Die positiven Corona-Fälle pro 100’000 Einwohner im Kanton Luzern: Orange die Altersklasse 10-19 Jahre, Rot die Altersklasse 20-29 Jahre.

Die Folge: 26 Klassen sind im Kanton Luzern derzeit unter Quarantäne, wie die Bildungsdirektion auf Anfrage aufzählt.

Sind die Kapazitätsgrenzen der Labors damit bereits ausgeschöpft? Die Hirslanden hält dagegen. Tatsächlich habe das Labor – um beim Beispiel von Tanja G. zu bleiben – letzte Woche in der zweiten Wochenhälfte einen starken Anstieg der eingeschickten Proben registriert. Aber: «Gemäss Labor wurden die Prozesse weiter optimiert und zusätzliche Ressourcen hinzugefügt, um den starken Anstieg in den gewohnten Durchlaufzeiten bearbeiten zu können», so Kaufmann.

Pooltests bald auch für Luzerner Primarschüler?

Gemäss der Dienststelle Gesundheit und Sport des Kantons Luzern werden mehr als 99,9 Prozent der Proben innerhalb von 24 Stunden ausgewertet. Das Problem dürfte damit nicht primär in der Schnelligkeit oder Kapazität der Labors liegen.

Im Fall von Tanja G. hält es der Vater für möglich, dass die Tests irgendwo auf dem Postweg liegen geblieben sind. Volksschulvertreter Aldo Magno bringt weitere mögliche Gründe für den langen Hausarrest ins Spiel: «Möglich, dass die Proben nicht richtig entnommen respektive verpackt wurden.» Denn neu können die Testkits bei verschiedenen Poststellen abgegeben werden, um den Weg vom Schulhaus zur Abgabestelle zu verkürzen.

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Vorerst dürfte sich das Problem nicht in Luft auflösen. Im Gegenteil. Durch die anstehenden Herbstferien werden die Pooltests weiterhin wichtig bleiben. Der Kanton denkt sogar über eine Ausweitung nach, verrät Magno. «Eine Ausweitung der Tests auf die 5./6. Primar ist denkbar.» Und er gelobt Besserung: «Dies aber nur, wenn es die Situation erforderlich macht und die Logistik zwischen Labor und Schulen besser funktioniert.»

*Name der Redaktion bekannt

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