Luzerner Schifffahrtsgesellschaft steuert in dunkle Gewässer
  • Regionales Leben
Dampfschiff-Parade auf dem Vierwaldstättersee. (Bild: zvg/SGV)

Passagierzahlen brechen weiter ein Luzerner Schifffahrtsgesellschaft steuert in dunkle Gewässer

3 min Lesezeit 4 Kommentare 18.07.2020, 11:30 Uhr

Im öffentlichen Verkehr gilt seit rund zwei Wochen die Maskenpflicht. Die Auswirkungen auf die verschiedenen Anbieter sind schwer abschätzbar. Bei der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen.

Auf dem Vierwaldstättersee geht es diesen Sommer besonders hoch zu und her. Wer irgendwie Zugang zu einem Boot oder Schiff hat, den ziehts aufs Wasser. Davon zeugen die konstant überrannten Bootsvermietungen (zentralplus berichtete).

Von der neuen Wasserlust der Landratten aber kann Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) nicht profitieren. Nicht nur die ausbleibenden Touristen setzen dem Unternehmen zu – sondern auch die Maskenpflicht.

Verband warnte vor abschreckender Wirkung

Zur Erinnerung: Auf den Kursschiffen gilt seit dem 6. Juni die Maskenpflicht in allen Bereichen ausser in den Bordrestaurants. Der Verband der Schweizerischen Schifffahrtsunternehmen drängte beim Bund erfolglos auf eine Ausnahmeregelung – insbesondere was die Maskenpflicht auf den Aussendecks betrifft.

«Die Passagierzahlen sind nach der Einführung der Maskenpflicht nochmals um 10 bis 20 Prozent eingebrochen.»

Werner Lüönd, Leiter Marketing & Sales bei der SGV

Verbandspräsident Stefan Schulthess, der zugleich als Geschäftsführer die SGV leitet, hatte die Befürchtung, dass die Maskenpflicht Kunden abschrecken würde. Nach knapp zwei Wochen scheint sich dies zu bestätigen.

«Ein zusätzlicher Schlag»

«Die Maskenpflicht auf den Schiffen, vor allem auf den Aussendecks, trifft die SGV hart. Nach dem mehrheitlichen Wegfall der internationalen Gäste ist das ein zusätzlicher Schlag», so die erste Bilanz von Werner Lüönd, Leiter Marketing & Sales bei der SGV.

«Die Passagierzahlen sind nach der Einführung der Maskenpflicht nochmals um 10 bis 20 Prozent eingebrochen; das heisst zusätzlich zu den bereits deutlich schwächeren Frequenzen infolge Covid-19 an sich», sagt Lüönd auf Anfrage.

Themenfahrten ohne Maskenpflicht

Die hiesige Schifffahrtsgesellschaft hat in den vergangenen Jahren sukzessive ihre Gastro-Angebote ausgebaut. So bestehen – vom «Brunch-Dampfer» bis zur Sonnenuntergangsfahrt – diverse «kulinarische Schifffahrten», die auf den «maskenfreien» Gastro-Bereich der Schiffe ausgelegt sind.

Den «Umständen entsprechend wird die Auslastung dieser Angebote als befriedigend bewertet», sagt Lüönd. «Wir spüren aber eine Verunsicherung der Kunden bezüglich wo welche Bestimmungen gelten. Es kommen hie und da Fragen, weshalb bei gastronomischen Themenfahrten keine Maskenpflicht gilt, auf Kursschiffen aber schon.»

Wo sind die Schweizer Touristen geblieben?

Praktisch die gesamte Tourismusbranche setzt ihre Hoffnungen für den Rest des Jahres auf inländische Gäste. Nach zwei Wochen Sommerferien zeigt sich, dass es diese nicht in Massen aufs Kursschiff zieht. Es sei jedoch vermehrt Französisch auf dem Vierwaldstättersee zu hören.

«Glücklicherweise zieht es einige Gäste aus der Romandie in die Region», sagt Lüönd. «Aber die Schweizerinnen und Schweizer zieht es mehr in die Berge als in die Stadt- und die stadtnahen Gebiete. Ich gönne das den Bergregionen sehr, uns als SGV aber hilft es weniger.»  

«Die Schweizer Gäste können den Wegfall der internationalen Gäste bei Weitem nicht kompensieren.»

Werner Lüönd, Leiter Marketing & Sales bei der SGV

Es stehe fest, dass die Frequenzen deutlich unter dem Vorjahr lägen: «Aktuell haben wir 50 bis 60 Prozent weniger Gäste als zu dieser Jahreszeit üblich», stellt Lüönd fest. «Die Schweizer Gäste können den Wegfall der internationalen Gäste bei Weitem nicht kompensieren.»

Weitere Anpassungen sind nicht ausgeschlossen

Die Schifffahrtsbranche musste bereits einen verspäteten Saisonstart hinnehmen und das Angebot anpassen. So wurde auf dem Vierwaldstättersee etwa das beliebte Dampfschiff «Gallia» für dieses Jahr aus dem Betrieb genommen, wie die «Luzerner Zeitung» berichtete.

Ob weitere Massnahmen ergriffen werden müssen, lässt man bei der SGV derzeit noch offen: «Die Regeln und Situationen im Zusammenhang mit Covid-19 ändern sich stetig. Entsprechend müssen auch wir als Schifffahrtsgesellschaft flexibel bleiben und uns der Nachfrage sowie den Bestimmungen anpassen.»

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4 Kommentare
  1. Anna-Maria Klein, 19.07.2020, 10:48 Uhr

    Leider zeigt sich, „das die kleine Unannehmlichkeit“die Menschen abhalten auf eine Schiffahrten, mit Maske auf dem Aussendeck, das muss ich nicht haben, ich verzichte, leider sind die Befürworter in der Minderheit sonst wären die Schiffe besser gebucht?! Die Verlierer ist die Luzerner Schifffahrtsgesellschaft, diese Vorschriften sind mehr als absurd.

  2. Roland Grüter, 18.07.2020, 17:31 Uhr

    Alles wird der Corona-Pandemie untergeschoben. Der Schifffahrts-Liebhaber verzichtet doch nicht wegen der Maskenpflicht auf eine Seerundfahrt. Schon eher wegen der Angst einer Ansteckung.

    1. Dicky-Dick de Jong, 18.07.2020, 20:36 Uhr

      Doch, ich sitze doch nicht im Freien mit der Maske. Das ist nicht geniessen, das ist eine Qual. Sollen doch die Anhsthasen zu Hause bleiben.

    2. Roland Grüter, 19.07.2020, 09:36 Uhr

      Dicky-Dick de Jong
      Das mag für Sie zutreffen. Anscheinen gibt es Leute, die lieber eine zweite Welle herbeisehnen, statt die kleine Unannehmlichkeit zu erdulden.

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