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Luzerner Regierung: «Von einer dezentralen Lage kann nicht die Rede sein»
  • Kultur
Das Alte Zeughaus thront über der Luzerner Altstadt und soll dereinst das Luzerner Museum beherbergen.   (Bild: giw)

Kritik an Plänen für Museumsstandort Luzerner Regierung: «Von einer dezentralen Lage kann nicht die Rede sein»

4 min Lesezeit 6 Kommentare 08.10.2019, 04:40 Uhr

Die Pläne für den Umzug der Luzerner Museen ins Zeughaus haben Kritik hervorgerufen, besonders wegen der erhöhten Lage und dem Zugang. Der Regierungsrat räumt nun ein, dass der Standort besser erschlossen werden müsste. Abgelegen sei das Zeughaus aber keineswegs.

Ziehen das Historische und das Naturmuseum Luzern auf den Musegghügel, damit am Kasernenplatz eine Gerichtsmeile entstehen kann? Dieses Szenario prüft der Luzerner Regierungsrat derzeit (zentralplus berichtete).

Die Ankündigung über die möglichen Zügelpläne lösten im Sommer negative Reaktionen aus. Besonders der Weg zum Zeughaus wurde kritisch beurteilt, führt er doch vom Mühlenplatz steil hinauf und ist damit sicherlich weniger gut gelegen als die jetzigen Standorte am Kasernenplatz (zentralplus berichtete).

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Kritik an der Lage

Für den Regierungsrat ist klar: «Die gute Erreichbarkeit und eine zentrale Lage des neuen Luzerner Museums für Natur und Gesellschaft ist für uns sehr wichtig.» Er hält aber fest, dass das Zeughaus keinesfalls abgelegen sei. «Zu Fuss ist das Gebäude von der Altstadt wie vom Bahnhof her in wenigen Minuten erreichbar», schreibt er in seiner Stellungnahme auf eine Interpellation von SP-Kantonsrat Urban Sager. «Von einer dezentralen Lage kann deshalb nicht die Rede sein.» 

Gleichwohl ist auch für die Regierung klar, dass es Massnahmen braucht, sollte das Museum zukünftig tatsächlich hinter der Altstadt errichtet werden. «Wir sind uns bewusst, dass der Standort Zeughaus Musegg für Menschen mit eingeschränkter Mobilität im Moment noch nicht die gleiche Erschliessungsqualität aufweist wie der bisherige Standort am Kasernenplatz», räumt der Regierungsrat ein.

Man werde die Ausgangslage analysieren und anschliessend konkret aufzeigen, wie die Erreichbarkeit des Hauses für sämtliche Besucherinnen und Besucher sichergestellt werden könne. Denn auch für den Regierungsrat ist klar, dass man die Kunden nicht vergraulen will: Familien und Kinder seien für das Historische und das Naturmuseum sehr wichtig.

Prominenter Standort für Gerichte

Kritik gibt es aber nicht nur am geplanten Standort des zukünftigen Museums. Sondern auch an den Plänen für die Gebäude am Kasernenplatz. Gemeinsam mit dem daneben gelegenen Gebäude der PH Luzern (die auf den Campus Horw zieht) könnte das Kantonsgericht dort seinen neuen Sitz beziehen.

Doch ist dieser prominente Platz geeignet für eine Institution, die sich in erster Linie mit Kriminellen beschäftigt? Führt das nicht dazu, dass die belebte Strasse an Attraktivität verliert? fragt die SP. Der Regierungsrat geht zwar von einem «gewissen Rückgang der Passantenzahl in der Pfistergasse und am Kasernenplatz aus». Darauf deuten alleine schon die Zahlen hin: Das Kantonsgericht registriert jährlich rund 2’200 Besuche; die Museen bis zu 90’000 Besucher. Zudem würden die öffentlichen Anlässe der kantonalen Museen, wie beispielsweise die beliebten Erlebnistage, nicht mehr beim Kasernenplatz stattfinden.

Mehr Personal für Gerichte

Seit mehreren Jahren klagen die Luzerner Gerichte, dass die Zahl und Komplexität der Fälle steige, die Personalentwicklung dem aber nicht Rechnung trage (zentralplus berichtete). Ob sie mehr Ressourcen brauchen, lässt der Luzerner Regierungsrat offen. Er sei nicht Aufsichtsbehörde über die Gerichte, antwortet er auf eine Anfrage der Justiz- und Sicherheitskommission (JSK). Ob es zusätzliche Richterstellen brauche, könne er nicht beurteilen. Nur so viel: Er unterstütze Massnahmen, welche das Funktionieren der Gerichte im Kanton Luzern auch bei zunehmenden Fallzahlen sicherstellen.

Vorgesehen ist laut der Aufgaben- und Finanzplanung, den Stellenetat im nächsten Jahr um 2,5 Vollzeitstellen aufzustocken, im Jahr 2021 um weitere drei Vollzeitstellen. Darüber entscheiden wird der Kantonsrat im Rahmen der jeweiligen Budgetdebatte.

Laufkundschaft und belebte Strassen gibt es laut Regierung aber weiterhin. Der öffentliche Raum würde durch die «Gerichtsmeile» nicht beeinträchtigt. Denn die Museen seien nicht die einzigen Gebäude mit Publikumsverkehr: Die Geschäfte, Restaurants und Hotels in der Pfistergasse und Umgebung werden laut Regierung weiterhin für eine Belebung des öffentlichen Raumes sorgen. «Aufgrund seiner zentralen Lage ist der Raum bei Passanten wie auch bei Touristen ohnehin sehr beliebt. Daran würde auch ein Wegzug der Museen nichts ändern.»

Es gibt einen Plan B

Ob es tatsächlich zur Rochade kommt, wird derzeit abgeklärt. Sollte das Ergebnis negativ sein, bestehen aber Alternativen. Für die Museen würde der bestehende Standort am Kasernenplatz weiterverfolgt, für das Kantonsgericht ein neuer Standort im Zentrum gesucht. Klar ist: Mit der zentralen Verwaltung am Seetalplatz und dem Campus in Horw werden im Stadtzentrum in einigen Jahren zahlreiche Gebäude frei (zentralplus berichtete).

Als mögliche Option für das Kantonsgericht wird auch das Gebäude der Fach- und Wirtschaftsmittelschule am Hirschengraben 10 gehandelt. Doch das ist für die Regierung nur der Plan B. Mit erster Priorität würden nun die heutigen Standorte der Luzerner Museen und die Pfistergasse 20/22 für das Kantonsgericht geprüft.

Und wieso zügelt eigentlich nicht das Kantonsgericht ins Zeughaus, und die Museen bleiben, wo sie sind? Dazu äussert sich der Regierungsrat in seiner Antwort nur vage. Zuerst wolle man nun die Resultate der Machbarkeitsstudie abwarten. Sollte sich zeigen, dass das Zeughaus fürs Museum nicht geeignet sei, wäre für das Kantonsgericht ein neuer Standort zu suchen. «Ob dafür das Zeughaus Musegg in Frage kommen wird, wird sich erst nach Vorliegen der Machbarkeitsstudie zu den Museen zeigen.»

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6 Kommentare
  1. Marion, 08.10.2019, 22:40 Uhr

    Aus nächster Nähe kann ich bei der Arbeit die zahlreichen Touristen, Familien, Gäste aus der ganzen Schweiz und Einheimischen beim Besuch der Museen beobachten, ein buntes Kommen und Gehen, Leben auf dem Platz. Dieses wertvolle Gut an Bürogummis! zu überheben und dem Platz dabei das lebendige Treiben rauben ist derart kurzsichtig und unvernünftig, doch wen wunderts es bei unserm Regierungsrat.

    1. Joseph de Mol, 15.10.2019, 17:50 Uhr

      Der Luzerner RR wurde vor wenigen Monaten mit Pauken und Trompeten im Amt bestätigt. Respektive an der politischen Konstellation wollte der Souverän augenscheinlich nichts ändern. Der Salat ist angerichtet!

  2. Philipp Utiger, 08.10.2019, 13:27 Uhr

    Die Frage zum Schluss des Artikels finde ich berechtigt. Warum füllt man das Zeughaus nicht mit dem Gericht? Wäre für alle ein Vorteil inklusive für den Steuerzahler.

  3. Kasimir Pfyffer, 08.10.2019, 10:05 Uhr

    Wie war das nochmals mit dem “neuen Standort” für das Kantonsgericht? Die wollten doch vor einigen Jahren um jeden Preis die ZHB aus dem Vögeligärtli vertreiben. Und jetzt schon die nächste Schnapsidee.
    Lasst die beiden Museen, wo sie sind und steckt die überkandidelten Herren Richter (Frauen werden wie fast immer in Luzern keine dabeisein, oder?) ins Zeughaus. Dort haben sie genügend Platz, um ihre verstaubten Köpfe auszulüften.

  4. Daniel Huber, 08.10.2019, 09:26 Uhr

    Für die Staatsangestellten die attraktiven Gebäude im Zentrum, die Bevölkerung soll sich doch den Hügel hochquälen. Wer behauptet da, der Feudalismus sei in Luzern abgeschafft worden?

    1. Joseph de Mol, 15.10.2019, 17:49 Uhr

      Der Feudalismus sollte mit den “Wirren” ab 1789 abgeschafft werden. Leider war die erfolgreiche Phase diesbezüglich nur von kurzer Dauer. Der Feudalismus war nie weg. Hat überlebt. Gerade im katholischen Innerschweizerischen Stammland.