Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Luzerner, reden wir mal über’s Geld!
  • Kultur
  • Gesellschaft
  • Kunst

Ein Theater aus Gesprächen mit Passanten Luzerner, reden wir mal über’s Geld!

3 min Lesezeit 24.09.2015, 17:40 Uhr

In den letzten Tagen wurden viele Luzerner in den Strassen auf ihre finanziellen Verhältnisse angesprochen. Einige blieben und erzählten ihre Geschichten, andere fühlten sich angegriffen und flohen. Hinter der Aktion stehen aber keine Marktforscher, sondern Theatermacher für ein Stück im Südpol.

Sind Sie reich? Erzählen Sie!

Mit solchen Fragen stellten sich die Schauspieler Andreas Liebmann und Nina Langensand in Luzern auf die Strassen. Das im Rahmen des Performance-Projekts «Trust».

Unterstütze Zentralplus

Ganz konkret wollten sie es wissen: Wie viel verdienen die Leute, welche Probleme haben sie mit dem Geld. Und daraus ensteht eine Produktion im Südpol. Am Donnerstag- und Freitagabend zeigen die beiden Schauspieler, was sie auf Luzerns Strassen erfahren haben. Es sei spannend und aufwühlend gewesen, sagt Langensand. «Mit einigen Leuten haben wir über eine Stunde gesprochen», erklärt die Luzernerin. Insgesamt seien dabei rund 40 Stunden Material zusammengekommen.

Schicksale, Träume, Geld

Bei vielen Leuten seien ganz berührende, intensive Gespräche entstanden. «Es war kein Frage-Antwort-Spiel, sondern wir führten Diskussionen und hörten Erzählungen über Schicksalsschläge, Ängste, Scheidungen. Geladene Geschichten.»

«Das schlechte Gewissen ist eine Eigenschaft der Bourgeoisie.»
Jean-Paul Sartre

Dass sich nicht alle Leute auf ein solches Gespräch einlassen würden, war klar. «Die Leute, die sich mit uns unterhalten haben, die verdienen wenige mehr als 4’000 Franken pro Monat», erklärt Langensand.

«Andere haben sich durch die Fragen angegriffen gefühlt und sind schnell weitergegangen. Die, die Geld haben, die wollen doch eher weniger darüber sprechen», sagt Langensand und zitiert Jean-Paul Sartre: «Das schlechte Gewissen ist eine Eigenschaft der Bourgeoisie.»

Freitag noch nix los?

zentral+ verlost 2 x 2 Tickets für TRUST im Südpol am Freitagabend, 25. September 2015. Schreiben Sie eine Email an [email protected] mit dem Betreff «TRUST im Südpol» und Ihrer Handynummer.

Die Gewinner werden ausgelost und per SMS benachrichtigt.

Aber auch bei den Leuten, die sich einliessen, seien im Gespräch Zweifel über das Verhältnis zu Geld aufgetaucht. Und auch mal Gesellschaftskritik.

«Da waren zum Beispiel Alleinerziehende, welche um Dinge kämpfen wie eine Zweitausbildung oder eine faire Aufteilung des Unterhalts.» Und doch hätten viele im Gespräch schliesslich erwähnt, man habe ja eigentlich doch sehr kleine Sorgen.

Und so sei oftmals der Stress um das Geld Thema geworden. Und weniger, wie viel man davon habe oder tatsächlich brauche.

«Bist du reich» - eine heikle Frage für Schweizer Bürger - gestellt auf Luzerner Strassen.

«Bist du reich» – eine heikle Frage für Schweizer Bürger – gestellt auf Luzerner Strassen.

Fragezeichen tauchen automatisch auf

Es gehe in künstlerischer Hinsicht vor allem darum, Fragen zu präzisieren. «Wir wollen nicht belehren, sondern Themen aufwerfen. Die Fragezeichen tauchen dann automatisch auf», sagt Langensand.

Das Stück beinhalte schliesslich nicht nur die Erfahrungen von der Strasse: «Es geht um konkrete Geschichten und Erlebnisse der Bevölkerung, aber es dreht sich auch allgemein ums Geld. Das Geld, das in unserem Leben so wichtig ist. Aber wenn man es sich genau anschaut, ist es bloss Fiktion. Jedes Tier würde an einem Haufen Geld vorbeilaufen, ohne es zu beachten.»

«Trust» wurde von Andreas Liebmann auch schon in Kopenhagen und Stuttgart durchgeführt und ist ein Langzeitprojekt, das das schicksalshafte Zusammenleben der Europäer mit ihrem Geld untersucht.

Sind Sie reich? Erzählen Sie mal! Wir haben eine Kommentarfunktion.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare