Luzerner Pflegepersonal läuft am Anschlag
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Viele Pflegerinnen im Kanton Luzern laufen auf Überlast. (Bild: zvg)

Überstunden, fehlende Mittagspausen Luzerner Pflegepersonal läuft am Anschlag

2 min Lesezeit 29.11.2020, 19:46 Uhr

Die Corona-Pandemie fordert dem Pflegepersonal alles ab. Sie ist eine Ausnahmesituation, in der oft über gesetzliche Arbeitszeiten und Zeiterfassung hinweggesehen wird – aus Rücksicht auf die Patienten.

Für viele Pflegefachfrauen in Luzern beginnen die Arbeitstage während der Corona-Krise oft früher als auf dem Schichtplan eingetragen ist – oder dauern länger. «Zum Wohl der Patienten», wie eine Betroffene der «Luzerner Zeitung» erzählt. Auch während der Mittagspausen werde oft weitergearbeitet – auch aus Solidarität gegenüber den Kolleginnen.

Gutgeschrieben wird ihnen diese zusätzlich geleistete Zeit jedoch nicht. Abgerechnet werde streng nach Schichtplan. Zwar könnte die geleistete Mehrzeit mit zusätzlichen Formularen beantragt werden, aber «diese zusätzliche administrative Hürde ist mir nach langen Tagen zu hoch», sagt eine Pflegerin weiter.

Ein Drittel gibt vorzeitig auf

Die Dauerbelastung halten nicht alle aus. Das bestätigen auch Zahlen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums: Jedes Jahr geben schweizweit etwa 2400 Pflegefachpersonen ihren Beruf auf – fast ein Drittel von ihnen noch vor dem 35. Altersjahr, schreibt die Zeitung.

Dem VPOD Zentralschweiz, Personalverband der öffentlichen Dienste, sind diese Missstände bekannt. Zusammen mit anderen Verbänden aus dem Gesundheitswesen fordert er klare Verbesserungen. Beispielsweise, dass das Anziehen von Hygienekleidung bereits als Arbeitszeit gezählt wird.

Pandemie als Augenöffner

Viviane Hösli, die Regionalsekretärin des VPOD, erklärte gegenüber der Zeitung, dass dies bei anderen Bereichen des Gesundheitswesens längst Standard ist. Doch die Spitäler stünden derzeit unter enormem Kostendruck, weswegen in die Richtung noch nichts unternommen wurde.

Hinzu komme, dass viele Pflegefachfrauen sich nicht wehren, weil ihnen schlicht die Energie dazu fehle. Darum sei es wichtig, den Druck der Verbände und Gewerkschaften hochzuhalten. «Die Pandemie hat vielen Menschen die Augen geöffnet, wie wichtig eine gut funktionierende Pflege ist.»

Immerhin: Die Krise hat die Pflegefachfrauen selbstbewusster gemacht. Eine Petition zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sei vom Gesundheitspersonal fleissig unterschrieben worden.

Spitäler reagieren

Auch das Luzerner Kantonsspital (Luks) reagiert auf die Situation. «Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, um eine gemeinsame Lösung für alle Betroffenen zu finden. Die Herausforderung besteht darin, aufgrund des allgemein hohen finanziellen Drucks eine kostenneutrale Lösung zu finden», teilte Barbara Flubacher, Leiterin der HR-Abteilung der «Luzerner Zeitung» mit. So sei das Luks bestrebt, mit einer differenzierten Personalpolitik den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen.

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