Luzerner Nationalrätin schlägt Label für Masken vor
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Welche Schutzmasken nützen wirklich? Für die Konsumenten ist das nicht immer sofort ersichtlich. (Symbolbild: Unsplash/Engin Akyurt)

Qualitäts-Wirrwarr: Welche schützen wirklich? Luzerner Nationalrätin schlägt Label für Masken vor

4 min Lesezeit 6 Kommentare 29.09.2020, 19:24 Uhr

Ob in der Apotheke oder im Detailhandel, am Bahnhofskiosk oder im Kleiderladen: Schutzmasken kaufen kann man inzwischen vielerorts. Doch nicht alle bieten die gewünschte Qualität. Hilfreich wäre ein Label, meint die Luzerner SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo. Der Bund winkt ab.

Ob die blauweissen Einwegmasken oder farbenfrohe Stoffexemplare: Wer pendelt, muss einen Nasen-Mund-Schutz tragen. Auch im Strassenbild ist er inzwischen oft zu sehen und in manchen Kantonen gar fürs Einkaufen obligatorisch.

Nicht alle Masken bieten allerdings gleichermassen Schutz vor einer Ansteckung. Und für die Konsumenten ist es auf den ersten Blick oft schwierig zu erkennen, welches Produkt welche Qualität aufweist.

Das kritisiert die Luzerner Politikerin Prisca Birrer-Heimo. Sie fordert darum mehr Transparenz. «Die Anbieter müssen ihre Masken nicht nur korrekt deklarieren, sondern auch offenlegen, ob die Masken einen ausreichenden Schutz vor dem Coronavirus bieten», wird die SP-Nationalrätin in einer Mitteilung zitiert.

Gerade, weil die Maske zunehmend Teil unseres Alltags wird, sei es unerlässlich, «dass sich auch Laien unkompliziert informieren können, ob im Verkauf erhältliche Masken gegen eine Verbreitung des Coronavirus schützen und die jeweiligen Normen erfüllen».

Wie die Hotels, so die Masken

Birrer-Heimo, die auch Präsidentin der Stiftung Konsumentenschutz ist, hat deshalb eine Interpellation zum Thema eingereicht. Der Bund müsse eindeutig und verständlich informieren, woran die Bevölkerung geeignete Masken erkennt. Die Rothenburgerin, die wegen Ferienabwesenheit für weitere Auskünfte nicht erreichbar war, schlägt zudem ein eigenes Label vor. Dieses soll zeigen, welche Masken sich zur Pandemiebekämpfung eignen – und welche nicht.

«Ein Label wäre sinnvoll, damit alle auf den ersten Blick sehen: Diese Maske erfüllt die Kriterien.»

Sara Stalder, Konsumentenschutz

«Ein Label wäre sinnvoll, damit alle auf den ersten Blick sehen: Diese Maske erfüllt die Kriterien», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Denkbar wäre für sie auch ein abgestuftes Verfahren, wie man es etwa bei Hotels kennt: Es könnte einen Stern geben für Masken mit dem tiefsten Schutzgrad, fünf Sterne hingegen für jene mit dem höchsten.

BAG: Label ist unnötig

Die Idee stösst beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) aber nicht auf Anklang. «Die Qualität der Masken wird durch verschiedene gesetzliche Bestimmungen geregelt», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Hygienemasken seien beispielsweise der Medizinprodukteverordnung unterstellt oder müssten EU-Richtlinien entsprechen, was eine sogenannte CE-Markierung bedingt. «Ein Qualitätslabel ist deshalb nicht nötig.»

Auf die Frage, worauf beim Kauf von Schutzmasken zu achten ist, verweist das Bundesamt für Gesundheit auf Informationen auf den Webseiten von Swissmedic, SECO und BAG. Dort werden zwar die verschiedenen Arten von Masken aufgeführt und beschrieben. Ein einfach verständlicher und alltagstauglicher Leitfaden für den Kauf sucht man allerdings vergeblich. Bei den Stoffmasken verweist das BAG gar auf eine in Englisch verfasste Empfehlung der wissenschaftlichen Taskforce.

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«Wenn es so klar zu vermitteln wäre, hätten wir bereits einen Ratgeber veröffentlicht.» 

Sara Stalder, Konsumentenschutz

Hinzu kommt: Wer sich in die Materie einliest, weiss zwar, welche Prüfnormen welchen Qualitätsstandard garantieren. Doch die Sendung «Kassensturz» zeigte kürzlich, dass etliche untaugliche oder falsch gekennzeichnete Masken im Verkauf stehen. «Das kann das Vertrauen der Bevölkerung in die Masken schädigen und sich negativ auf die Disziplin beim Umsetzen der BAG-Empfehlungen auswirken», schreibt Prisca Birrer-Heimo in ihrer Interpellation.

Konsumentenschutz nimmt Bund in die Pflicht

Die heutige Situation ist laut dem Konsumentenschutz sehr unübersichtlich. Was rät man den Leuten denn aktuell beim Kauf von Schutzmasken, um keine schlechten Exemplare zu erwischen? Sara Stalder sagt: «Wenn das so klar zu vermitteln wäre, hätten wir bereits einen Ratgeber veröffentlicht.» 

Dass der Bund zu Beginn der Pandemie schnell reagieren musste, ist für den Konsumentenschutz zwar verständlich. Inzwischen habe sich die Situation aber normalisiert, sagt Sara Stalder. «Es ist am nun Bund, endlich Klarheit zu schaffen. Denn es ist nicht absehbar, dass Masken bald aus unserem Alltag verschwinden werden.»

Das BAG unterscheidet vier Arten von Masken:

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6 Kommentare
  1. Pet Baumi, 01.10.2020, 12:34 Uhr

    Wieder so eine tolle Idee für ein neues unsinniges Geschäftsmodell. Eine Stoffmaske ist lediglich ein Spuckschutz. Warum denken einige immer noch, dass da keine Viren durchkämen? Lüftungsanlagen müssen mit richtig teuren Filteranlagen ausgestattet werden, um Viren abzufangen. Was soll da ein Lappen vor Mund/Nase ausrichten?

  2. Billie Holiday, 30.09.2020, 20:37 Uhr

    Egal, dass der ganze faule Zauber in sich zusammengefallen ist, bevor auch nur das allererste Schrittchen in Richtung Zertifizierung gemacht ist. Hauptsache mehr Bürokratie.

    1. Rudolf, 01.10.2020, 07:31 Uhr

      Herr Holiday, es wird auch immer wieder behauptet, die Erde sei eine Kugel …

    2. Billie Holiday, 01.10.2020, 13:01 Uhr

      Ja, Rudolf, was man so alles behauptet, nicht! Ich zum Beispiel könnte jetzt behaupten, Hardcoronisten seien wenig intelligent und/oder minimalst medienkompetent. Das würde ich natürlich aus Nettigkettenkeit niemals tun, obwohl es gestützt würde durch die Erfahrung, dass sich in letzter Zeit nicht mehr unterscheiden lässt, ob es sich um eine Angstpsychotiker-Selbsthilfegruppe oder um eine linksgrüne Demo handelt, wenn zwei oder mehr Maskengesichter beieinanderstehen. So frisst sich politische Gesinnung im Zeitalter von „Haltung“ und „virtue signalling“ in alles und jedes rein. Ist denn die Flacherdentheorie auch schon im Links-rechts-Schema zu verorten? So rum und vice versa? Es meint eben jeder, er hätte die Kugel erfunden. Irgendjemand war es. Ob der oder die in vorauseilendem Gehorsam eine Maske trug?

  3. Rudolf, 30.09.2020, 08:45 Uhr

    Es ist seit langem bekannt, dass es keine virenzertifizierten Mund-Nase-Abdeckungen aus Textilien gibt. Viele beachten das einfach nicht.

    1. Phil, 01.10.2020, 09:08 Uhr

      Das stimmt so nicht! Es gibt durchaus Stoffmasken die von der EMPA zertifiziert wurden!

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