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Luzerner Nationalrätin macht Wahlpropaganda in Zug
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Yvette Estermann macht Wahlwerbung in Zug. (Bild: chg)

Hat die Kandidatin den Kanton gewechselt? Luzerner Nationalrätin macht Wahlpropaganda in Zug

3 min Lesezeit 09.10.2019, 05:15 Uhr

Yvette Estermann lächelt in der Stadt Zug von einem grossformatigen Wahlplakat. Dort kann sie aber nicht gewählt werden. Die Nationalratskandidatin aus Kriens kann sich nicht genau daran erinnern, ob sie das Plakat in Auftrag gegeben hat – oder ob es fälschlicherweise aufgehängt wurde.

Wir fahren auf der Letzistrasse durch die Stadt Zug. Der Wegweiser zeigt kurz vor dem Abbiegen in die Chamerstrasse: Aegeri, Arth und Walchwil. Kurz davor schaut uns eine Frau in Denkerpose eindringlich an. «Wählt mich!», scheint sie sagen zu wollen.

Es ist ein Bild, wie man es vor allem in Luzern kennt: Die Krienser SVP-Nationalrätin Yvette Estermann auf einem grossformatigen Wahlplakat. Das ist soweit normal: Sie will nämlich am 20. Oktober erneut für vier Jahre nach Bern. Also stellt Estermann viele Plakate auf.

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Allerdings: Wählerstimmen aus Zug können Yvette Estermann nicht helfen, um in der grossen Kammer zu bleiben. «Klar weiss ich, dass ich in Zug nicht gewählt werden kann», sagt Estermann amüsiert am Telefon. «Auf das Plakat in Zug wurde ich von Kollegen auch schon angesprochen», führt sie gegenüber zentralplus aus.

Ob gewollt oder nicht – es funktioniert

Ob das Plakat von ihr bestellt wurde, kann sie spontan nicht mit Sicherheit sagen. «Die Überlegung war wohl, dass hier einige Pendler aus Luzern durchfahren», vermutet sie. Sie erinnere sich nicht an jedes einzelne Plakat, es seien so viele. Die Plakatgesellschaft schicke jeweils eine lange Liste freier Plätze, da habe sie wohl zugesagt.

« Ein Grossteil der Plakate sind reine Geldverschwendung.»

Olivier Dolder, Politologe

Von der besagten Kreuzung, wo die Letzistrasse in die Chamerstrasse mündet, ist zwar nicht bekannt, dass sie von besonders vielen Luzerner Pendlern in Zug frequentiert würde. «Dass ich darauf angesprochen werde, heisst doch aber, dass es funktioniert», kontert die 52-jährige Krienserin. «Erfrischend anders» ist Estermanns Wahlslogan – da darf es auch schon mal ein anderer Kanton sein.

Nützt’s nichts, so schadet’s auch nicht

Ob das Modell Schule machen wird – das steht wieder auf einem anderen Plakat. Politologe Olivier Dolder meint, dass es in der Schweiz zwar unüblich sei, in anderen Kantonen Werbung zu machen als in dem, wo man gewählt werden kann. Aber: «Ausserkantonale Plakate können sogar nützlich sein, wenn man als Zielgruppe die Pendlerinnen und Pendler aus dem eigenen Kanton im Auge hat und das Plakat gut platziert.» Er zweifelt generell daran, ob die aktuell grassierende Plakatflut überhaupt noch einen grossen Effekt auf die Wählerinnen und Wähler hat. «Man sieht in einem Wahljahr viele Köpfe aber erkennt wenig Wahlkampfstrategie dahinter. Ein Grossteil der Plakate sind reine Geldverschwendung.»

Anderer Meinung ist da natürlich die Plakatgesellschaft Clear Channel. Sie hat inzwischen das Plakat geprüft: Es sei fälschlicherweise in Zug aufgehängt und inzwischen wieder entfernt worden. Yvette Estermann kann es egal sein, für sie war die Werbung gratis: Hat’s nicht genützt, so hat’s auch nicht geschadet. Und die beiden Zuger CVP-Kandidaten Fabienne Roschi und Gerhard Pfister – sie dürften ein paar Tage lang ein bisschen neidisch von ihren deutlich kleineren Plakaten zu Yvette Estermann hinübergeschaut haben. Dorthin, wo nun eine Krankenkasse um die Gunst neuer Kunden wirbt.

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