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Luzerner Musiklabel gibt CD-Produktion auf
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Goldon-Records-Gründer Guido Röösli (rechts) mit seiner Band Suchas. Auch Suchas sind bei Goldon unter Vertrag. (Bild: zvg )

Goldon Records in der Krise Luzerner Musiklabel gibt CD-Produktion auf

3 min Lesezeit 22.03.2016, 14:01 Uhr

Alvin Zealot, Tobi Gmür, GeilerAsDu, Dans La Tente. Viele Grössen der Luzerner Musikszene haben in der Vergangenheit bei Goldon Records veröffentlicht. Doch das Geschäft mit Tonträgern rentiert nicht mehr. Das Label muss seinen Betrieb deshalb zurückfahren.

Glaubt man dem Urteil von Radio «SRF 3», war es «das beste CH-Rap-Album aller Zeiten»: das Album «Maxilla» der Luzerner Rap-Combo Moskito, das im letzten Mai erschien. In die Geschichtsbücher eingehen wird das Album nun jedoch (auch) aus einem anderen Grund: Es ist die letzte CD, die bei der Luzerner Plattenfirma Goldon Records erschienen ist.

 

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Das Video zu «Luftloch» von Moskito:

Mitarbeiter und Bands mussten gehen

Denn: Goldon steckt in der Krise. Die Luzerner Firma hat seine Büros am St.-Karli-Quai aufgegeben, das Lager geräumt und zwei Teilzeitmitarbeiter entlassen. Auch einige Bands müssen sich ein neues Zuhause suchen.

«Dass die CD-Verkäufe schlecht sind, ist nichts Neues, dass sie gegen null tendieren, schon.»

Guido Röösli, Label-Gründer

Mit frischer Schweizer Musik abseits des Mainstreams wirtschaftlich zu bestehen werde immer schwieriger, schreibt das Label in einem aktuellen Rundbrief an seine Unterstützer. «Dass die CD-Verkäufe schlecht sind, ist nichts Neues», sagt Label-Gründer Guido Röösli, «dass sie gegen null tendieren, hingegen schon. Wenn wir mit Verkäufen monatlich noch 200 Franken einnehmen, können wir daraus kaum noch unsere Telefonrechnung bezahlen.» In den letzten drei Jahren sei der eh schon tiefe Umsatz trotz Downloads um zwei Drittel eingebrochen, präzisiert Röösli: «Das tut weh. Besonders weil unsere Musik immer gut angekommen ist. Unser Geschäftsmodell hat einfach nicht mehr funktioniert.»

«Es ist ernüchternd»

Der Trend hin zu Streamingdiensten wie Spotify und auch Youtube hat Goldon getroffen. Röösli: «Aber das Problem ist nicht Goldon-spezifisch. Auch andere Labels bluten. Wenn man das nicht als Hobby machen will, wird’s schwer. Es ist ernüchternd.»

«Schade, dass Alvin Zealot nie ein drittes Album zustande gebracht haben.»

Guido Röösli, Goldon Records

Hinzu kommt: Die Goldon-Bands liessen sich nicht alle gleich gut vermarkten. «Unsere Künstler sind eigenständige, zum Teil hochintelligente Menschen mit einem eigenen Kopf und manchmal auch ihren eigenen Marotten. Die kannst du nicht auf dem Reissbrett formen.»

Man habe den Künstlern beim kreativen Prozess nicht reinpfuschen wollen. Teilweise habe Goldon viel Aufbauarbeit geleistet, aber wirklich durchgestartet sei dann keine ihrer Bands, so Röösli: «Schade etwa, dass Alvin Zealot nie ein drittes Album zustande gebracht haben.»

Es gibt noch Hoffnung

Goldon fährt seinen Betrieb deshalb stark zurück. Statt vier, erscheint nur noch ein neues Album pro Jahr. Und: «Wir werden keine CDs mehr produzieren», sagt Label-Gründer Guido Röösli. Denn um allein die Kosten für die Pressung wieder hereinzuholen, müsse man um die 500 CDs verkaufen: «Zwei Drittel der Produktionen haben das nicht geschafft.» Will eine Band in Zukunft eine CD oder eine Vinyl-Platte produzieren, muss sie das selber bezahlen. Das neue GeilerAsDu-Album, das im Herbst fertig sein soll, wird nur noch digital erscheinen.

Einen Trumpf hat Guido Röösli jedoch noch in der Hand: «Wir haben immer darauf bestanden, auch die Verlagsrechte an unseren Bands zu besitzen.» Das heisst: Wird eine Goldon-Band am Radio gespielt, fliessen einige Franken aufs Konto des Labels. «Wir hoffen, dass wir dank diesen Einnahmen bis in drei bis fünf Jahren wieder auf gesunden Beinen stehen können.»

Bis dahin arbeitet Gudio Röösli als Buchhalter im Baunebengewerbe.

Haben zwei Alben bei Goldon Records veröffentlicht, ein geplantes drittes kam nie zustande: Die Luzerner Alvin Zealot (Bild: Raoul Perez).

Haben zwei Alben bei Goldon Records veröffentlicht, ein geplantes drittes kam nie zustande: Die Luzerner Alvin Zealot (Bild: Raoul Perez).

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