Luzerner Muckibuden kommen Ungeimpften kaum entgegen
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Bea Odermatt vom Tribschen Training in Luzern rechnet aufgrund der Zertifikatspflicht mit 30 Prozent weniger Kundinnen. (Bild: Tribschen Training)

Ab heute gilt erweiterte Zertifikatspflicht Luzerner Muckibuden kommen Ungeimpften kaum entgegen

5 min Lesezeit 4 Kommentare 13.09.2021, 05:00 Uhr

Die Zertifikatspflicht wird am Montag auf viele Innenräume ausgeweitet, unter anderem auch auf Fitnesscenter. Für Ungeimpfte wird das regelmässige Fitnesstraining darum bald teuer. Chancen, das Abo vorzeitig zu kündigen und Geld rückerstattet zu bekommen, bestehen kaum.

Wer kennt ihn nicht, den Neujahrsvorsatz, mehr Sport zu treiben? Kein Wunder, schnellt die Anzahl verkaufter Fitness-Abos jeweils um Neujahr in die Höhe. Wie oft die Leute dann tatsächlich in die Muckibude schwitzen gehen, sei dahingestellt. Unbestritten ist jedoch: Fitness als Sport boomt in der Schweiz. Wie ein Bericht des Bundesamts für Sport zeigt, hatten 2008 14 Prozent der Schweizer Bevölkerung ein Abo in einem Fitnesscenter. 2020 waren es bereits 19 Prozent der Bevölkerung und somit knapp jede fünfte Person.

Mit der am Montag eingeführten Covid-Zertifikatspflicht könnte dieser Trend jäh abbrechen. Claude Amman, Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verbands, geht davon aus, dass Fitnesscenter aufgrund der Zertifikatspflicht 20 bis 25 Prozent ihrer Kundschaft verlieren werden, wie «20 Minuten» berichtet. Auch eine Umfrage von zentralplus zeigt, dass einige Gym-Gänger aufgrund der Zertifikatspflicht vorerst nicht mehr ins Fitness gehen werden (zentralplus berichtete).

Denn für Personen, die weder geimpft noch genesen sind, wird der Besuch im Fitnesscenter ab Montag aufwendig, da zuerst noch ein Corona-Test gemacht werden muss. Zusätzlich werden die Tests ab 1. Oktober kostenpflichtig. Bei Testkosten von 50 Franken belastet das regelmässige Trainieren sehr schnell das Portemonnaie von Ungeimpften.

Kündigung hat rechtlich kaum Chancen

Kundinnen, die bei diesen neuen Massnahmen nicht mitmachen und darum ihr Abo kündigen wollen, haben allerdings schlechte Aussichten, dass ihnen ihr Geld zurückerstattet wird. «Eine Kündigung des Vertrags mit dem Fitnesscenter erachten wir als schwierig», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, auf Anfrage von zentralplus.

Gemäss Stalder können sich Kunden bei der Kündigung des Abos zwar auf die «Unzumutbarkeit der Vertragserfüllung» beziehen. Das würde also bedeuten, dass es für sie aufgrund der Umstände unzumutbar sei, weiterhin ins Fitness zu gehen. Allerdings sei eine Kündigung wegen Unzumutbarkeit nur dann möglich, «wenn kein Verschulden der kündenden Partei vorliegt. Das könnte zum Stolperstein werden, da die Konsumentinnen sich bewusst gegen die Impfung entscheiden», wie Stalder erklärt.

Fitnesscenter blocken ab

Tatsächlich wollen die Fitnesscenter bei einer möglichen Kündigungswelle den Kundinnen nicht entgegenkommen. Denn aus Sicht der Betreiber gibt es keinen wirklichen Kündigungsgrund. So sagt Bea Odermatt, Inhaberin des Tribschen Trainings in Luzern auf Anfrage von zentralplus: «Wir werden kein Geld an Personen zurückerstatten, die vorzeitig kündigen wollen. Unser Angebot bleibt ja bestehen. Das haben wir rechtlich abgeklärt.»

Ganz leer werden die Fitnesscenter aufgrund der Zertifikatspflicht zwar nicht. Aber mit weniger Kunden ist zu rechnen. (Bild: zvg)

Auch Annabel Ott, Sprecherin von Migros Fitness, das im Kanton Luzern elf Fitnesscenter betreibt, sagt: «Im Gegensatz zu den beiden vergangenen Lockdowns bleiben unsere Freizeitanlagen normal geöffnet und das gesamte Angebot steht den Mitgliedern offen.» Bei einer Kündigung wird Migros Fitness darum kein Geld rückerstatten.

Die Migros kommt ihren ungeimpften Kunden jedoch ein Stück weit entgegen, indem diese einen sogenannten Time-Stop beantragen können. Damit können sie gegen eine Gebühr von 50 Franken ihr Abo für die Dauer der Zertifikatspflicht pausieren, wie die Migros auf ihrer Website schreibt. Sobald die Zertifikatspflicht aufgehoben wird oder die pandemische Situation es zulässt, wird diese Auszeit automatisch beendet.

«Wir werden die Einführung der Zertifikatspflicht ganz klar spüren. Wir rechnen mit bis zu 30 Prozent weniger Kunden. Denn gerade im Fitness-Bereich gibt es viele Menschen, die sich aus persönlichen Gründen nicht impfen lassen wollen.»

Bea Odermatt, Inhaberin Tribschen Training

Wie Migros-Sprecherin Ott sagt, sei es aber noch zu früh, um die Auswirkungen der Zertifikatspflicht auf die Fitnesscenter abschätzen zu können. Daher könne sie auch noch nicht beurteilen, wie viele Abonnenten einen Time-Stop beantragen oder den Fitnesscentern ganz den Rücken kehren würden.

Auch aus Sicht der Kundinnen sei es empfehlenswert, eine Pausierung statt eine Kündigung des Abos zu beantragen, wie Sara Stalder von der Stiftung Konsumentenschutz sagt. Gleichzeitig äussert sie aber auch Kritik an der Strategie des Bundesrats: «Wir sehen nicht die Zertifikatspflicht per se kritisch, sondern vor allem die Wechselwirkung zwischen der Zertifikatspflicht und den kostenpflichtigen Tests.» Es müsse darum für Geimpfte und Ungeimpfte weiterhin möglich bleiben, eine gewisse Anzahl Tests gratis zu beziehen.

Abos werden nicht mehr verlängert

Bea Odermatt vom Tribschen Training befürchtet derweil aufgrund der Ausweitung der Zertifikatspflicht einen starken Rückgang der Abonnenten: «Wir werden die Einführung der Zertifikatspflicht ganz klar spüren. Wir rechnen mit bis zu 30 Prozent weniger Kunden. Denn gerade im Fitness-Bereich gibt es viele Menschen, die sich aus persönlichen Gründen nicht impfen lassen wollen.»

Das hat für Odermatts Fitnesscenter für den Moment zwar noch keine finanziellen Auswirkungen. Doch sobald Abonnemente auslaufen und die Zertifikatspflicht noch immer gilt, werde das finanziell spürbar sein: «Solange die Zertifikatspflicht gilt, werden viele ihr Abo nicht mehr verlängern. Gerade im Winter trifft uns das hart.»

Für das Luzerner Tribschen Training spitzt sich die finanzielle Situation dadurch zu. So sagt Inhaberin Bea Odermatt konsterniert: «Selbst wenn wir wollten, könnten wir den Kündigungswilligen kein Geld zurückerstatten. Dafür fehlen uns nach all den Corona-Massnahmen schlicht die Ressourcen.» Es sei zurzeit sogar unsicher, ob genügend Mittel bestünden, damit Kunden ihr Abo vorübergehend hinterlegen könnten.

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4 Kommentare
  1. mebinger, 13.09.2021, 11:25 Uhr

    Wo ist des Problem: CVP und FDP, wollen ja das Gewerbe vernichten, läuft alles wie geschmiert

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  2. Umgekehrter Gugelhupf, 13.09.2021, 08:52 Uhr

    Irgendwie witzig, wie jetzt die meisten Fitnesscenter-Betreiber plötzlich jammern…… Aber als die Center während dem Lockdown geschlossen waren und die Abo-Inhaber gerne einen «Time-Stopp» gehabt hätten, waren sie genauso wenig bereit, ihren Teil dazu beizutragen und dem benachteiligten entgegenzukommen. All die Fördergelder für die Fitnesscenter waren mir eh schon immer ein Rätsel, denn die Abo’s und somit die Einnahmen sind ja weiter gelaufen…… Ein Center, welches den Abo-Inhabern nicht mit einem Timestopp entgegen gekommen ist, hat aus meiner Sicht auch keine Unterstützung verdient.

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  3. Kasimir Pfyffer, 13.09.2021, 08:17 Uhr

    Schon noch blöd, wenn das eigene Handeln auf einmal Konsequenzen hat. Was, ich kann nicht mehr so tun, als ginge mich diese Seuche nichts an und trotzdem alle Vorteile geniessen? Nein! Doch! Aaaaaaah!

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  4. John John, 13.09.2021, 06:45 Uhr

    Die Impfgegner möchten halt den Fünfer und das Weggli. Hauptsache die Allgemeinheit muss ihnen sowohl die Tests, und Fitness Abos, und schliessendlich auch noch allfällige Spitalaufenthälte bezahlen.

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