Luzerner Moderator lanciert mit Berset Kosovo-Impf-Appell
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Der Luzerner TV-Moderator Marash Pulaj (r.) traf Gesundheitsminister Alain Berset (Mitte) zum Interview. (Bild: zvg)

Interview für albanisches Millionenpublikum Luzerner Moderator lanciert mit Berset Kosovo-Impf-Appell

4 min Lesezeit 1 Kommentar 03.09.2021, 22:48 Uhr

Der Luzerner TV-Moderator Marash Pulaj will die Impfrate in der albanischen Community vorantreiben und über Mythen wie Unfruchtbarkeit aufklären. Dazu hat er kurzerhand Bundesrat Alain Berset ins Boot geholt. Das Interview für den grössten kosovarischen Privatsender avanciert zum regelrechten Impf-Appell.

Geimpft oder nicht geimpft: Es ist die Frage, die Familien, Freundschaften und ganze Communitys spaltet. Die Spitaleinweisungen von Covid-Patienten haben seit Ende der Sommerferien markant zugenommen. Der allergrösste Teil ist nicht geimpft (zentralplus berichtete). Und es handelt sich zu einem beträchtlichen Teil um Ferien-Rückkehrerinnen aus dem Kosovo.

Dies rief bereits Luzerner Kosovarinnen und Kosovaren auf den Plan, die bei zentralplus bessere Aufklärung und einfacheren Impfzugang forderten. Darunter Rapper und TV-Moderator Marash Pulaj. Dieser fährt nun mit richtig grossem Geschütz auf. Und holt den Schweizer Gesundheitsminister in seine albanische TV-Sendung.

Impf-Appell für ein albanisches Millionenpublikum

Pulaj ist Moderator der albanischen Fernsehshow «Fol Shqip Show». Wie viele Zuschauer jeweils am Samstagabend die Sendung verfolgen, kann der 27-Jährige selbst nicht genau beziffern. Es handelt sich um ein Millionenpublikum. Und genauso wichtig sind die sozialen Kanäle. Dort erreichen die Videos der Show jährlich bis zu 30 Millionen Klicks, verrät Pulaj zentralplus.

Daher nutzt der Moderator diese Kanäle nun auch, um über die Impfung aufzuklären – mit Hilfe von Bundesrat und Gesundheitsminister Alain Berset. Erste Ausschnitte auf Instagram und Co. geben Einblick in ein längeres Fernsehinterview. In den nächsten Tagen soll es auf dem grössten kosovarischen und nordmazedonischen Privatsender RTV21 ausgestrahlt werden. zentralplus liegt das Interview bereits vor der Ausstrahlung vor.

Der Gesundheitsminister nutzte die Gelegenheit, um mehrfach auf den Nutzen der Corona-Impfung aufmerksam zu machen.

Pulaj und sein TV-Kollege haben eine Liste von Fragen und Mythen zusammengetragen, der Bundesrat ordnet sie im Interview ein. Sowohl Fragen als auch Antworten werden jeweils ins Albanische übersetzt. Etwa, ob es je passieren könnte, dass die Wissenschaft die Corona-Impfung nachträglich doch als schädlich und als Fehler einstuft. Berset spricht Klartext: «Ich bin wirklich ganz sicher, dass das nicht passieren kann. Wir wissen, dass wenn Probleme und Nebenwirkungen auftauchen, dann sehr rasch nach der Verimpfung.» Die Schweiz habe nun eine genug lange Erfahrung, um zu sagen: «Ja, sie ist gut.»

Der SP-Gesundheitsminister betont im Interview auch die Wichtigkeit der Impfung für jüngere Personen. Und reagiert auf den Mythos der Unfruchtbarkeit. «Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Impfung unfruchtbar machen könnte. Hingegen kann die Krankheit für ungeimpfte jüngere Menschen, Männer und Frauen, viel gefährlicher sein.»

Alain Berset: «Wir werden nur zusammen aus dieser Situation kommen»

Der Bundesrat wiederholt im Interview mehrfach, dass der Kontakt zum Coronavirus eben auch für jüngere Personen ohne Impfung ein grosses Risiko darstellt. Ein deutlicher Appell an die albanische Bevölkerung, die aufgrund des tiefen Durchschnittsalters als jüngste Europas gilt.

Die «Fol Shqip Show»-Macher wollen deshalb auch wissen: Könnte der Kosovo bald wieder auf der Schweizer Quarantäneliste landen? Berset weicht der Frage aus: «Wir schauen für die Herbstferien ganz genau, welche Bedingungen für das Einreisen notwendig sein werden.» Welche Rolle etwa die Impfung oder ein Corona-Test spielen. Es sei momentan nicht «automatisch ein Thema», einzelne Länder wieder auf die Liste zu nehmen.

Der Luzerner Marash Pulaj hakt nach: Wie problematisch ist es, Menschen aus dem Balkan in den Fokus der öffentlichen Diskussion zu setzen? «Ich finde das nicht gut», reagiert Berset prompt. «Wir sind ein Land mit enormer Vielfalt an Menschen, Sprachen, Regionen und Religionen. Das ist unsere Stärke. Wir werden nur zusammen aus dieser Situation kommen.»

Viele Menschen hätten sich in den Ferien bewegt, nicht nur die Rückkehrer aus dem Balkan. «Wir müssen etwas daraus lernen», versucht der Gesundheitsminister den Fokus neu zu setzen, «damit es nicht noch ein zweites Mal passiert.»

Am Schluss des gut 40-minütigen Gesprächs erhält der Bundesrat ein spezielles Dankeschön. Oder gebührt der Dank eher den beiden Moderatoren? Sie bieten Berset die ideale Gelegenheit, in der momentan stark präsenten Debatte um die Kosovo-Rückkehrer einen Impf-Appell zu lancieren. Die Initiative zum Interview kam aber vonseiten der Moderatoren, versichert Pulaj gegenüber zentralplus.

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1 Kommentare
  1. Caroline Tschanz, 04.09.2021, 09:56 Uhr

    Die Annahme, dass diese Personen, die vor mehr als 20 Jahren eingewandert sind, hier arbeiten oder zur Schule gegangen sind, völlig integriert sind, erweist sich offensichtlich als Trugschluss.
    Sonst bräuchte es keine eigenen TV-Sendungen für diese Community und auch keine Übersetzer für Berset. Stichwort Parallelgesellschaft.
    Aber klar, schuld sind wir Schweizer, wie die Kosovo-Präsidentin behauptete.

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