Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Luzerner manipulierte die Bremsen des Interregio-Zugs nach Basel
  • Gesellschaft
Kurz nach der Abfahrt kam es zum Notstopp, weil die Bremsen überhitzt waren. (Bild: bic)

Sabotage am Bahnhof Luzern Luzerner manipulierte die Bremsen des Interregio-Zugs nach Basel

4 min Lesezeit 3 Kommentare 23.05.2020, 17:00 Uhr

Wenige Minuten nach der Abfahrt aus Luzern überhitzten am Neujahrstag die Bremsscheiben eines Interregio-Zugs. Es kam zu zahlreichen Verspätungen. Jetzt zeigt sich: Dahinter steckte Sabotage.

War es Frust über die SBB? War es ein Neujahresjux? Was sich der Mann dabei gedacht hat, ist unklar. Unstrittig ist dagegen die Tat selber. Ein Luzerner hat sich am Neujahrsabend diesen Jahres um 19.30 Uhr am Luzerner Bahnhof an der Bremse des Zuges 2484 zu schaffen gemacht.

Auf einem Videoband der Überwachungskamera ist zu sehen, wie er auf Gleis 3 an einem Aussenwagon rumwerkelt. Dabei hat er die Bremsen manipuliert. Das Resultat der Sabotage zeigte sich Minuten später. Kurz nach der Abfahrt musste der Zug einen sofortigen Stopp einlegen, weil die Bremsscheiben überhitzt waren. Sie mussten manuell zurückgestellt werden. Die Folge: Zahlreiche Verspätungen verschiedenster Züge.

Vor zwei Polizisten auf den Boden gepinkelt

Die Ermittlungen der Luzerner Polizei ergaben, dass sich der Mann einer ganzen Reihe von kleineren Vergehen schuldig gemacht hat. Mehrere Stunden nach der Manipulation der Bremsen hielt er sich noch immer im Wartesaal am Luzerner Bahnhof auf – offenbar ohne die Absicht, einen Zug zu besteigen.

Die Bahnpolizei wies den Mann daraufhin offiziell weg. Doch er liess sich nicht vertreiben. Als er zehn Minuten später von der Bahnpolizei erneut zum Gehen aufgefordert wurde, öffnete er kurzerhand die Hose und urinierte aus Protest vor den beiden Polizisten auf den Boden.

Fünf weitere Male kam er im Laufe des Januars mit dem Gesetz in Konflikt. Er wurde mit verschreibungspflichtigen Medikamenten erwischt, hielt sich trotz Wegweisung weiter in dem Wartesaal auf, schlief im Bahnhofsparking und betrat trotz Hausverbot ein Einkaufscenter.

Die Polizei hat «nichts zu melden»

Ende des Monats schliesslich versuchte die Luzerner Polizei, ihn darüber zu informieren, dass erneut eine Anzeige gegen ihn eingegangen war. Der Mann weigerte sich aber, die Räumlichkeiten der Luzerner Gassenküche zu verlassen, um seine Personalien überprüfen zu lassen. Die Polizei habe nichts zu melden, liess er den Polizisten ausrichten. Damit machte er sich auch noch der Hinderung einer Amtshandlung schuldig.

Der Mann ist wegen ähnlicher Vergehen bereits mehrfach vorbestraft. Wie geht unser Rechtssystem mit einem solchen Menschen um? Mit einer Person, die zwar keine schweren Straftaten begeht – aber dennoch nicht in der Lage ist, die Regeln einzuhalten?

Die Antwort des Justizsystems zeigt Ratlosigkeit

Die Staatsanwaltschaft Luzern hat gegen den Mann vier unterschiedliche Strafbefehle erlassen wegen der Vorkommnisse im Januar. Die Strafen fallen unterschiedlich aus, sie wirken teilweise sogar widersprüchlich.

Wegen der Manipulation der Bremsen, der Missachtung einer Wegweisung und dem Besitz der Tabletten wird der Mann zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 30 Tagen sowie einer Busse von 200 Franken verurteilt. Für die Missachtung der Hausverbote setzt es weitere 15 Tage unbedingte Freiheitsstrafe.

Eine solche sei nötig. Da der Mann mittelos sei, könne eine Geldstrafe aber gar nicht vollzogen werden, heisst es in einem der Strafbefehle. Zudem würden mehrere einschlägige Vorstrafen belegen, dass eine Geldstrafe nicht ausreiche, um den Luzerner von weiteren Straftaten abzuhalten.

Im Widerspruch zu diesen Ausführungen stehen allerdings die beiden weiteren Strafbefehle, die kurze Zeit später gegen den Mann ergangen sind.

Wegen der zweiten Missachtung der Wegweisung – und dem Urinieren vor den Bahnpolizisten, setzt es nämlich eine Busse von 200 Franken. Und wegen der letzten Tat, der Hinderung einer Amtshandlung, verurteilte die Staatsanwaltschaft den Mann dann doch wieder zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 30 Franken.

Wird die Geldstrafe nicht bezahlt, folgt der Haftbefehl

Obwohl die Fälle nur wenige Tage auseinanderlagen – und sich die Lage des Mannes kaum geändert haben dürfte – ist in diesem letzten Entscheid keine Rede mehr davon, dass Geldstrafen keine Wirkung zeigen dürften.

Wie kann das sein? Nun, die allgemein bekannte Redewendung «zwei Juristen, drei Meinungen» macht deutlich, dass das Recht keine exakte Wissenschaft ist ­– und von Staatsanwaltschaft und  Gerichten unterschiedlich angewendet werden kann.

Im Endeffekt könnte es aufs Gleiche hinauslaufen, nämlich auf eine Gefängnisstrafe. Wenn ein Verurteilter eine Busse oder Geldstrafe nicht bezahlt und diese auf dem Betreibungsweg nicht eingebracht werden kann, sieht das Gesetz eine Ersatzfreiheitsstrafe vor. Bei Geldstrafen entspricht die Dauer der Ersatzfreiheitsstrafe der Anzahl Tagessätze.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 400 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

3 Kommentare
  1. Rudolf Borter, 26.05.2020, 16:45 Uhr

    „Ende des Monats schliesslich versuchte die Luzerner Polizei, ihn darüber zu informieren, dass erneut eine Anzeige gegen ihn eingegangen war. Der Mann weigerte sich aber, die Räumlichkeiten der Luzerner Gassenküche zu verlassen, um seine Personalien überprüfen zu lassen. Die Polizei habe nichts zu melden, liess er den Polizisten ausrichten. Damit machte er sich auch noch der Hinderung einer Amtshandlung schuldig.

    Der Mann ist wegen ähnlicher Vergehen bereits mehrfach vorbestraft.“

    Ende des Monats schliesslich versuchte die Luzerner Polizei, ihn darüber zu informieren, dass erneut eine Anzeige gegen ihn eingegangen SEI. Der Mann weigerte sich aber, die Gassenküche zu verlassen, DAMIT SIE seine Personalien prüfen konnte. Die Polizei habe nichts zu melden, liess er den Polizisten ausrichten. Damit machte er sich auch noch der Hinderung einer Amtshandlung schuldig.

    Der Mann ist wegen ähnlicher Vergehen bereits mehrMALS vorbestraft.

  2. Hugo Ball, 24.05.2020, 19:36 Uhr

    Wer aufgrund einer Zugmanipulation billigend in Kauf nimmt, dass evtl. hunderte Unschuldiger massiv zu Schaden kommen, lacht sich doch ab solch einer „Strafe“ die Hucke voll!! Der Staat kapituliert, resigniert geradezu. Ist am Ende seines Lateins angelangt. Nicht gerade eine ideale Blaupause!

  3. Dörflinger André, 24.05.2020, 15:46 Uhr

    Der offizielle Justizapparat ist wegen absichtlich fehlenden Ressourcen, die die Polit-Linke verweigert zu wenige Staatsanwälte/Richter doch ein Papiertiger = eine Farce. Die Verfahren dauern j a h r e lang; bedingt ausgesprochene Strafen werden auch im Rückfallfalle nicht in unbedingt umgewandelt = ausgeführt. Hab‘ ich alles so erfahren müssen. Die Leute haben eine völlig falsche Vorstellung von ‚Staat‘-. Die Uebel-Täter werden nicht mehr bestraft, sondern resozialisierend aufgepäppelt, wohl damit sie sich das nächste Mal weniger rasch erwischen lassen. Das ist eben die verdummende Schweizer Zuvielisation: Jeder muss selber schauen, dass er nicht betrogen werde: da ist vom finanzklammen Staat kaum mehr Hilfe zu erwarten. Ohne Zuzug eines Anwalts macht der so materiell, geistig wie personell überforderte Staat, ausser Abwimmeln und Abschreckens mittels horrenden Kosten/Gebühren im Zivilrecht , rein nichts.

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.