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Luzerner lehnen Fremdsprachen-Initiative ab
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Bildungsdirektor Reto Wyss präsentiert seine Argumente. (Bild: zvg )

Weiterhin zwei Fremdsprachen in der Primarschule Luzerner lehnen Fremdsprachen-Initiative ab

3 min Lesezeit 24.09.2017, 12:46 Uhr

In den Luzerner Primarschulhäusern wird auch in Zukunft Englisch und Französisch gesprochen. Das Stimmvolk hat einer Initiative des Lehrerverbands, die nur eine Fremdsprache forderte, eine Abfuhr erteilt.

Die Luzerner Stimmbevölkerung will weiterhin zwei Fremdsprachen in der Primarschule. Nach der Auszählung aller 83 Gemeinden ist klar: Lediglich 42,4 Prozent der Luzerner sagen Ja zur Initiative.

Diese war vom Luzerner Lehrerverband lanciert worden und wurde von der SVP unterstützt. Sie hatten verlangt, dass auf Primarstufe nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werde, die zweite dann erst auf der Oberstufe. Welche bevorzugt würde, hatte die Initiative offengelassen. Die Regierung lehnte die Initiative ab und hatte im Abstimmungskampf bereits erklärt, dass aus staatspolitischen Gründen Französisch in der Primarschule bleiben würde. Zurzeit lernen die Schüler im Kanton Luzern Englisch ab der dritten, Französisch ab der fünften Klasse.

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Die Befürworter argumentierten, dass viele Schüler – besonders Fremdsprachige und Knaben – mit zwei Fremdsprachen in der Primarschule überfordert seien. Sie haben auf entsprechende Studienergebnisse verwiesen und wollten in der Primar die Deutschkenntnisse als Basis für die Fremdsprachen stärken. Nebst der SVP und Lehrern engagierten sich zahlreiche Politiker anderer Couleur entgegen ihrer Partei für die Initiative.

Die Gegner sowie die Regierung hielten dem entgegen, dass die Kosten einer Umstellung bei rund neun Millionen Franken liegen würden – und die Umsetzung damit zu teuer wäre. Zudem wäre Luzern so zur Spracheninsel geworden, was zu- und wegziehenden Familien Steine in den Weg gelegt hätte. Nicht zuletzt verwiesen sie darauf, dass gute Fremdsprachenkenntnisse für die Arbeitswelt zentral seien.

Gegner feiern «Ja zur Chancengleichheit»

Das überparteiliche Komitee «Nein zur Fremdsprachen-Initiative» ist sehr erfreut darüber, dass die Argumente der Initianten nicht verfangen haben. Das Nein der Stimmberechtigten sei ein Ja zur Chancengleichheit der Luzerner Schulkinder im nationalen Kontext, schreibt das Komitee in einer Mitteilung. Es zeuge auch vom Glauben der Stimmberechtigten an die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Schulkinder.

Engagieren sich im Nein-Komitee zur Fremdsprachen-Initiative (von links): Ludwig Peyer (CVP), Ylfete Fanaj (SP) und Andreas Moser (FDP).

Engagieren sich im Nein-Komitee zur Fremdsprachen-Initiative (von links): Ludwig Peyer (CVP), Ylfete Fanaj (SP) und Andreas Moser (FDP).

(Bild: apimedia)

Initianten fordern Anpassungen

«Wir haben jetzt ein Abstimmungsergebnis – aber keine Lösung», schreiben die Initanten in ihrer Reaktion. Das Gegenkomitee habe immer wieder bestätigt, dass das jetzt eingeführte Modell nicht das bringt, was man sich erhofft hatte. Es müsse angepasst und verbessert werden, hat Reto Wyss als zuständiger Bildungsdirektor wiederholt gesagt. Das Initiativkomitee ist gespannt, wie die Regierung nun diese Verbesserungen gestalten will, damit sie wirklich greifen. «Wir wissen auch nicht, wie die Regierung diese kostspieligen Verbesserungen finanzieren will, wenn es doch sonst an allen Ecken nicht reicht.»

Luzern wird nicht zur «Spracheninsel»

Mit der klaren Absage an die Initiative reiht sich der Kanton Luzern in alle übrigen kantonalen Abstimmungsergebnisse zur selben Frage ein. Somit wird in Luzern weiterhin Englisch ab der dritten Klasse unterrichtet und in der fünften Klasse mit Französisch begonnen, wie in den übrigen Zentralschweizer Kantonen.

Bildungsdirektor Reto Wyss sagte am Abstimmungssonntag: Mit ihrem Votum habe die Bevölkerung eine Luzerner Sprachinsel ebenso verhindern wollen wie die Verschiebung von Englisch in die Oberstufe und die damit einhergehenden Bildungsnachteile: «Die Luzerner Schülerinnen und Schüler sollen weiterhin schon in frühen Jahren mehrsprachige Erfahrungen machen können und dieselben Chancen haben wie Lernende in anderen Kantonen.» Das erleichtere massgeblich den Austausch auf den einzelnen Stufen, zum Vorteil der Kinder.

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