Luzerner Läden und Restaurants dürfen, ja sollen, künftig kreativer sein
  • Wirtschaft
  • Gastgewerbe
Der Aussenbereich des «Mill'Feuille» auf dem Mühlenplatz in der Altstadt. (Bild: zentralplus)

Stadt will Regeln für den öffentlichen Raum lockern Luzerner Läden und Restaurants dürfen, ja sollen, künftig kreativer sein

4 min Lesezeit 1 Kommentar 28.01.2020, 11:00 Uhr

Gastronomen und Ladenbetreiber haben in Zukunft freiere Hand, wie sie ihre Aussenräume gestalten wollen. Der Luzerner Stadtrat will das bestehende Reglement lockern. Insbesondere bei Veranstaltungen soll das Gewerbe künftig mehr Spiel haben. Dennoch sind gerade die Gastronomen nicht ganz zufrieden mit den Anpassungen.

Ganz und gar nicht einverstanden waren die Bürgerlichen, als das Luzerner Stadtparlament 2016 die Teilrevision des umstrittenen Reglements über die Nutzung des öffentlichen Grundes beschloss. Dieses sei zu streng, zu eng, zu detailliert, hiess es damals.

Ihren Unmut taten FDP, SVP, GLP und CVP kurz darauf in einer Motion kund. Die damalige Hoffnung: Das Reglement sei zu überarbeiten, entschlacken und liberalisieren. Der Blick sei für das ganze Stadtgebiet zu öffnen (zentralplus berichtete).

Nun wartet der Stadtrat mit einem neuen Vorschlag auf. Dies, nachdem man im Vorfeld 70 Ladenbesitzern, Gewerbetreibenden, Quartiervereinen sowie Parteien mittels Umfrage und Workshops auf den Puls gefühlt habe. Bei letzteren waren Vertreter der Boulevardgastronomie sowie des Kleingewerbes vertreten.

Das Gewerbe wünscht sich mehr Augenmass

Die Anliegen von Seiten des Gewerbes: Augenmass statt Angst, gleiche Regeln für Buvettes und die mobile Gastronomie, mehr Beratung und Innovationswille. Gerade das Kleingewerbe wünscht sich mehr Verständnis für deren Anliegen und mehr Wertschätzung und Unterstützung seitens der Stadt.

«Die Boulevardbetriebe erhalten künftig mehr Freiheiten und Möglichkeiten bei der Ausgestaltung der Boulevardfläche», schreibt der Stadtrat nun in seinem neuen Bericht und Antrag. Zwar würde die nutzbare Fläche nicht vergrössert und die Einhaltung der Fläche auch weiterhin kontrolliert.

Doch prüfe die Stadt die restriktive Regelung, nach dieser sämtliches Mobiliar – also auch Sonnenschirme – die bewilligte Höhe nicht überschreiten dürfe. Auch soll es möglich werden, neben dem «Grundmobiliar» künftig Zusatzmobiliar, also etwa eine Kaffeemaschine oder Barhocker, auf der Boulevardfläche aufzustellen.

Mario Lütolf, Leiter Dienstabteilung Stadtraum und Veranstaltungen betont: «Klar, eine Kaffeemaschine auf der Boulevardfläche ist ein kleiner Schritt für die Menschheit. Doch erleichtert sie die Arbeit der Gastrobetreiber deutlich.»

Neu sollen Veranstaltungen möglich sein

Ebenfalls will die Stadt einen zweijährigen Pilotversuch starten, während dem «geschäftsbezogene Aktivitäten auf der Boulevardfläche» und vor den Geschäften möglich werden. Dies mit einem vereinfachten Meldeverfahren, also ohne dafür vorgängig ein Gesuch einholen zu müssen.

Beispiele gefällig? Das Café Heini darf auf dem Falkenplatz ein Osterhasen-Giessen veranstalten, die Brasserie Bodu kann auf dem Kornmarkt eine Austern-Bar aufstellen, auf dem Mühlenplatz wäre ein vom Restaurant Mill’Feuille veranstaltetes Kerzenziehen möglich.

Das alles sei gemäss Stadtrat möglich, sofern die Veranstaltungen ohne ungeliebte Emissionen wie Lärm, «störenden Gerüche» und offene Feuer auskommen. Dem Wunsch der Begleitgruppe, «die Boulevardfläche beschallen zu dürfen», wird also nicht Rechnung getragen. Livemusik hingegen – «etwa als Umrahmung eines Hochzeitsapéros» – solle möglich werden.

Lockerungen auch bei den Deko-Auslagen

Auch soll neu geregelt werden, welche Geschäftsauslagen erlaubt sind. Was zunächst marginal erscheint, ist für Ladenbetreiber wichtig. Neuerdings dürfen diese nämlich mehrere Stücke vor ihrem Laden aufstellen und nicht nur eines. Dies auf einer Fläche von 1,5 Quadratmetern. Und nur, sofern die Auslagen fussgänger- sowie behindertengerecht sind.

«Dank des Dialogs mit den Betroffenen erhoffen wir uns einen Gewinn für alle.»

Sonja Döbeli, FDP-Fraktionschefin

Die Städtische FDP-Fraktionschefin und Mitmotionärin Sonja Döbeli sagt zum vorliegenden Bericht und Antrag: «Wir sind froh, dass die Stadt mit den Betroffenen gesprochen hat und die Probleme des aktuellen Vollzugs erkannt hat. Der Bericht und Antrag zeigt in die richtige Richtung.» Nun liege es an der Art der Umsetzung. «Dank des Dialogs mit den Betroffenen erhoffen wir uns jedoch einen Gewinn für alle», so Döbeli.

Kritik von der Gastrobranche

Von einem «Schritt in die richtige Richtung» spricht man auch beim Verband GastroLuzern. Dennoch erklingt von dieser Seite auch Kritik: «Wir sind definitiv gegen Pilotversuche ohne rechtliche Grundlage», schreibt dieser in einer Mitteilung. «Warum passt man das Reglement zur Nutzung des öffentlichen Grundes an, wenn man gar nicht alles Regeln will, sondern einen Freifahrtschein für Pilotversuche erhalten will?», äussert sich der Präsident von GastroLuzern.

Lütolf relativiert: «Es ist weitestgehend gar nicht möglich, Veranstaltungen auf Reglementstufe zu konkretisieren.» Der zuständige Stadtrat Adrian Borgula ergänzt: «Es ist auch immer eine Frag nach dem Mass. Wo braucht es Regeln und wo darf man den Anspruchsgruppen Spielraum geben?»

«Es ist fast eine Aufforderung an Gewerbetreibende: Möched jetzt!»

Mario Lütolf, Leiter Dienstabteilung Stadtraum und Veranstaltungen

Abgesehen davon, sei es ja gerade das gewesen, was die Motionäre am bestehenden Reglement kritisiert hätten: Dass dieses zu restriktiv sei und zu viele Details darin geregelt seien. «Die aktuelle Lockerung des Reglements ist ein Zeichen an die Gewerbetreibenden, dass sie den gegebenen Spielraum nun nützen und kreativ sind. Es ist fast eine Aufforderung: Möched jetzt!», so Mario Lütolf abschliessend.

Das Geschäft soll am 12. März ins Stadtparlament kommen. Wenn alles rund läuft, soll das angepasste Reglement per 1. April 2020 umgesetzt werden.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 834 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. CScherrer, 28.01.2020, 11:54 Uhr

    So können Gewerbetreibende, Konzerne und unsere Gastronomen die Stadt noch ein wenig mehr verschandeln. Blickt man nur schon an der Reuss entlang, kommt einem das Grauen. Diese Gestühle und diese Sonnenschirme sind an schlechtem Geschmack nicht zu überbieten. Auch der Grendel sieht mittlerweile aus, als hätte dort ein asiatischer Schriftenmaler sein Unwesen getrieben. Aber immer schön bei den Hausbesitzern schauen und diese unter dem Deckmantel von Heimat- und Denkmalschutz drangsalieren. Unglaublich wie Luzern sich selber im schlechten Geschmack überbietet.

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.