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Luzerner Kulturmagazin verliert fünften Chef in zehn Jahren
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Wer wird sein Nachfolger? Ivan Schnyder und ein paar seiner Werke. (Bild: Bujar Berisha/Montage zentralplus)

Ivan Schnyder verlässt «041 – Das Kulturmagazin» Luzerner Kulturmagazin verliert fünften Chef in zehn Jahren

4 min Lesezeit 20.12.2017, 16:48 Uhr

Nach zwei Jahren verlässt der Redaktionsleiter Ivan Schnyder das Luzerner Monatsmagazin «041» bereits wieder. Den Ausschlag gaben familiäre Gründe. Wer die 60-Prozent-Stelle übernimmt, ist offen. Klar ist nur, dass eine sehr flexible Person gesucht wird.

Die IG Kultur Luzern sucht eine neue Redaktionsleitung für ihre Monatszeitschrift. Ivan Schnyder verlässt «041 – Das Kulturmagazin» nach zwei Jahren bereits wieder. Darum wird nun per März 2018 eine Nachfolge für Schnyder gesucht.

2015 begann er seinen neuen Job mit grossen Zielen. Er wolle für eine klare Haltung stehen, sagte Schnyder Ende 2015 (zentralplus berichtete). «Das Kulturmagazin soll kulturpolitisch mehr Gewicht erhalten.» Er habe in seinem Leben schon sehr viel geschrieben und freue sich auf die Managementaufgaben.

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Vom Journalismus in die Verwaltung

Doch einige Dinge lassen sich nicht planen. Und so sieht sich Ivan Schnyder heute privat ganz neuen Herausforderungen gegenübergestellt. «Seit Sommer 2017 bin ich Familienvater. Der Job als Redaktionsleiter bringt flexible Arbeitszeiten und kurzfristiges Reagieren mit sich. Ich möchte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen», sagt Schnyder zu seinem Abgang.

«Ob ich für ein Publikum schreibe oder mehr im stillen Kämmerlein, lasse ich bewusst noch offen.»

Ivan Schnyder, Noch-Redaktionsleiter «041»

Künftig wird er auf der Gemeindeverwaltung Kriens arbeiten. «Da freue ich mich auf ein vielfältiges und abwechslungsreiches neues Aufgabengebiet im kaufmännischen Bereich, in dem ich meine Ausbildung absolvierte.»

Doch literarisch bleibt Ivan Schnyder als Autor erhalten – dies aber unter dem Namen Pablo Haller. «Ob ich für ein Publikum schreibe oder mehr im stillen Kämmerlein, lasse ich bewusst noch offen.»

60 Prozent oder Vollzeit im Kulturbereich?

In den letzten zehn Jahren sassen fünf verschiedene Personen auf dem Stuhl des Redaktionsleiters. Der Gründer des Magazins in seiner heutigen Form, Matthias Burki, wurde 2008 von Michael Gasser abgelöst. Auf ihn folgte 2010 der heutige zentralplus-Redaktor Jonas Wydler. 2012 übernahm Martina Kammermann und 2015 schliesslich Ivan Schnyder die Redaktion, die jährlich elf Ausgaben rausbringt.

Das Team der IG Kultur – mit Ivan Schnyder im Hintergrund und Eva Laniado ganz rechts.

Das Team der IG Kultur – mit Ivan Schnyder im Hintergrund und Eva Laniado ganz rechts.

(Bild: Daniela Kienzler)

Die Redaktionsleiterstelle ist mit einem 50- bis 60-Prozent-Pensum knapp berechnet. Neben Schnyder arbeiten in kleineren Pensen Heinrich Weingartner und Stoph Ruckli für die Redaktion. Dazu kommen Mart Meyer als Art Director und Philipp Seiler als Verlagsleiter.

Ist die Arbeitsbelastung in Wirklichkeit also viel höher? «Der Punkt ist wohl mehr, dass Arbeit und Privatleben sehr ineinander gehen», sagt Schnyder. «Als junger, ungebundener Mensch ohne Verantwortlichkeiten ist das etwas extrem Tolles.» Man lebe seinen Traum und verdiene mit dem, was man wirklich machen wolle, seinen Lebensunterhalt. «Doch bei mir haben sich nun die Prioritäten geändert», so Schnyder.

Auch die Geschäftsleiterin der IG Kultur Luzern, Eva Laniado, weiss, dass die Anforderungen an die neue Person hoch sind. Doch sie seien für die Leitungsposition eines Monatsmagazins angemessen.

Ein Blick zurück und einer nach vorne

Schnyder blickt jedoch zufrieden auf die Entwicklung des Magazins in den letzten Jahren zurück. Man sei näher an die Zentralschweiz gerückt. «Auch habe ich den Kulturbegriff klarer abgegrenzt als meine Vorgängerin», sagt er.

«Ganz zentral wird es sein, den Ausbau der Berichterstattung in der Zentralschweiz zu intensivieren.»

Eva Laniado, Geschäftsleiterin IG Kultur

Seine Highlights seien die beiden kuratierten Ausgaben – 2016 von Eric Amstutz und aktuell vom Gelben Haus – gewesen. Doch auch auf zahlreiche Artikel von Al Imfeld, Pirmin Meier, Fanni Fetzer oder dem Schweizer Literaturpreisträger Dieter Zwicky schaut er zurück.

«Den Rückschlag kennen wir alle: das Abbauprogramm des Kantons Luzern. Es ist und bleibt schwierig, unter dem Sparhammer zu arbeiten, und ich ziehe meinen Hut vor allen, die dranbleiben», so Schnyder.

Eva Laniado hält fest: «Die Stossrichtung, die Ivan angeschoben hat, wird die neue Person weitertragen.» Es werde in den kommenden Monaten ein leichtes Redesign im Layout geben und bestimmt werde auch die neue Person neue Gefässe erarbeiten.

«Ganz zentral wird es sein, den Ausbau der Berichterstattung in der Zentralschweiz zu intensivieren», so Laniado. Sie danke Ivan Schnyder für seine Arbeit und wünsche ihm alles erdenklich Gute für die Zukunft und sein eigenes kreatives Schreiben.

Bleib hungrig

Dem Magazin wünscht Schnyder zum Abschied: «Bleib hungrig, bleib offen, sei eine gewichtige Kulturstimme für die ganze Zentralschweiz. Behalte deine Klasse und glaube nicht, auf Trendzüge aufspringen zu müssen.»

Er verlasse ein tolles Team, spannende Aufgaben und viele Freiheiten. Und Schnyder sagt: «Würd ich nicht gehen, tät ich mich bewerben.»

Zur Person

Ivan Schnyder war als Autor Pablo Haller schon vor seiner Arbeit beim «041» kein Unbekannter. Er veranstaltete Lesungen mit lokalen Autoren und Autorinnen. Ausserdem war er durch eigene Auftritte als Dichter präsent. Er ist Mitglied der Programmgruppe des Spoken-Word-Festivals «Woerdz», engagierter Literat und schreibt auch für den Kulturblock sowie den Literatur-Blog von zentralplus.

Schnyder ist 1988 in Luzern geboren und in Udligenswil aufgewachsen.

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