Luzerner könnten in Bern Entschädigung verlangen
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20 Autobahnkilometer im Kanton Luzern sind noch nicht lärmsaniert. Dies holt der Bund bis 2019 nach. (Bild: ASTRA)

Wegen Verzögerungen bei Lärmsanierung Luzerner könnten in Bern Entschädigung verlangen

4 min Lesezeit 1 Kommentar 14.04.2015, 10:54 Uhr

Die Frist ist um: Bis Ende März sollte der Bund die Schweizer Autobahnen flächendeckend einer Lärmsanierung unterziehen. Das hat er nicht geschafft, in Luzern sind die Arbeiten nicht fertig geworden. Das könnte nun teuer werden.

Die Lärmschutzkarte des Bundes sieht aus, als hätte jemand Spaghetti auf die Schweizer Landkarte gelegt. Im Kanton Luzern schlängelt sich ein roter Strich von Neuenkirch entlang der Autobahn beinahe bis zur Kantonsgrenze nach Zofingen. Die Markierung zeigt, wo das Bundesamt für Strassen (Astra) mit dem Lärmschutz auf den Nationalstrassen in Verzug ist.

Zehn Prozent wurden nicht fertig

Das Astra hat 2008 von den Kantonen die Hoheit über die Autobahnen übernommen. Und damit auch die Verpflichtung, alle Nationalstrassen der Schweiz bis spätestens am 31. März 2015 lärmmässig zu sanieren. Das hat nicht ganz geklappt. Nur 90 Prozent des flächendeckenden Lärmschutzes konnte realisiert werden. 2,8 Milliarden hat das Astra in den letzten sieben Jahren dafür ausgegeben. Noch warten aber 220 Autobahnkilometer auf eine Lärmsanierung, wovon der Kanton Luzern mit rund 20 Kilometern betroffen ist.

Warum wurde das Astra nicht rechtzeitig fertig? «Die Verfahrenszeit für solche Projekte dauern lange», sagt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Astra. Von der öffentlichen Auflage eines Projekts bis zu dessen Genehmigung dauere es in der Regel zwei bis drei Jahre. Zudem habe sich die Situation in den letzten 20 Jahren, als man mit dem Lärmschutz begonnen hat, stark verändert. «Der Verkehr hat zugenommen und das Siedlungsgebiet hat sich zur Autobahn hin entwickelt», sagt Rohrbach. Lärmschutz sei komplexer und zu einer Daueraufgabe geworden.

«Wir sind froh, wenn es nun vorwärts geht»

Im Kanton Luzern befinden sich die meisten Lärmsanierungskilometer des Astra in der Region Sursee. Dort stehen auf der Autobahn bereits Infotafeln, die über die Arbeiten des Bundes im Abschnitt zwischen Sursee und Rothenburg informieren. «Wir sind froh, dass es nun vorwärts geht und der lärmarme Deckbelag möglichst bald eingebaut wird», sagt Bruno Bucher, Bauvorsteher von Sursee.

Die Lärmschutzkarte des Bundes zeigt, wo in Luzern der Lärmschutz zu kurz kommt.

Die Lärmschutzkarte des Bundes zeigt, wo in Luzern der Lärmschutz zu kurz kommt.

(Bild: Astra)

Allerdings seien die Bewohner der Stadt nicht sehr stark vom Autobahnlärm betroffen. «Nur wenige Siedlungsgebiete befinden sich in direkter Autobahnnähe», erklärt Bucher. Eine dieser Siedlungen ist das neue Quartier im Hofstetterfeld zwischen Sursee und Schenkon. Vor einem halben Jahr sind hier die ersten Mieter eingezogen. Zeitgleich haben die Bauherren hier die bestehenden Lärmschutzdämme erhöht.

Keine Lärmschutzwände in Luzern

Das Astra hat im Kanton Luzern noch drei offene Projekte auf rund 20 Kilometern. Das sind die Strecken Reiden-Sursee (10,5 Kilometer), der Autobahnabschnitt Sursee-Rothenburg (8,4 Kilometer) und 400 Meter zwischen Rotsee und Buchrain. Im Vergleich zu anderen Regionen sind die Arbeiten im Kanton Luzern nicht sehr aufwendig. Auf allen drei Strecken wird ein lärmarmer Deckbelag eingebaut, wie Esther Widmer, Astra-Sprecherin der Region Zentralschweiz, erklärt. «Lärmschutzwände sind keine geplant», erklärt sie.

Damit ist der Kanton Luzern eine der günstigen Regionen für die noch ausstehenden Arbeiten des Astra. Wie Thomas Rohrbach erklärt, können Lärmschutzmassnahmen schnell auch teuer werden. Am günstigsten sei ein einfacher lärmarmer Deckbelag. «Eine Lärmschutzwand kostet vielleicht etwa zwei Millionen Franken pro Kilometer. Für die selbe Strecke belaufen sich die Kosten für eine Überdeckung auf einen zweistelligen Millionenbetrag», rechnet Rohrbach vor.

Das Projekt Reiden-Sursee ist noch in Planung und soll voraussichtlich 2019 umgesetzt werden. «Bis voraussichtlich Ende Juni 2015 reichen wir das Projekt Sursee-Rothenburg beim Eidgenössischen Departement für Verkehr ein», sagt Widmer zum Ablauf. Bereits begonnen haben hingegen die Arbeiten am neuen Belag vom Rathausentunnel bis zur Ausfahrt Buchrain. Sie erfolgen zusammen mit weiteren Instandsetzungsarbeiten am Tunnel. Bis im November 2015 werden hier beispielsweise die Betonröhre des Tunnels saniert und zwei Technikzentralen, je eine pro Tunnelportal, gebaut.

Entschädigung für lärmgeplagte Hausbesitzer

Lärmgeplagte Hausbesitzer können nun seit dem Ablauf der Frist Ende März rechtliche Schritte prüfen. Das Bundesamt für Strassen sieht in bestimmten Fällen eine einmalige Entschädigung vor. Die Hürde ist allerdings relativ hoch. Das Bundesgericht hat drei Kriterien ausgearbeitet, die alle erfüllt werden müssen, um eine Entschädigung zu erhalten. So muss die Lärmbelastung über dem Immissionsgrenzwert liegen, die Lärmbelastung darf nicht vorhersehbar gewesen sein und der Schaden (Wertverlust der Liegenschaft) muss eine gewisse Schwere aufweisen.

«Bis jetzt sind noch keine Entschädigungsforderungen bei uns eingegangen», sagt Rohrbach. Wie viele Gesuche eintreffen könnten, kann er nicht abschätzen. «Von null bis zu hunderten ist alles möglich.» Beim Astra ist man für alle Fälle gerüstet. «Wir haben die Formulare und Antwortschreiben in allen Landessprachen bereit», so Rohrbach. 

Auch andere Einsprachen sind möglich. Sie können die Bauprojekte um weitere Jahre verzögern. Doch soweit will es das Astra gar nicht erst kommen lassen. «Wenn wir einen Streckenabschnitt vorbereiten, versuchen wir das Projekt so gut vorzulegen, dass es machbar ist und allen Normen entspricht», erklärt Rohrbach.

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1 Kommentare
  1. Aniko Abächerli, 14.04.2015, 11:07 Uhr

    ««Wir haben die Formulare und Antwortschreiben in allen Landessprachen bereit», so Rohrbach.»

    Na, da sind wir aber froh drum!

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