Luzerner Kantonalbank wird regelmässig erpresst
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Von links nach rechts: CVP-Ständerat Isidor Baumann (Uri), Polizeikommandant Karl Walker (Zug), Moderator Bernhard Schneider, Openair-Geschäftsführer Andy Mestka, SBB-Sprecher Christian Ginsig, Journalist Erich Aschwanden. (Bild: giw)

Hochschule im Zeichen von Terror und Cyberwar Luzerner Kantonalbank wird regelmässig erpresst

4 min Lesezeit 24.10.2017, 21:49 Uhr

An der Hochschule Luzern debattierten am Dienstag Experten über brockenschwere Themen wie Terrorismus und Cyberattacken. Die digitale Revolution war dabei ein dominantes Thema. Sie ist Fluch und Segen für Sicherheitsexperten. Auch für Luzerner Unternehmen, die immer wieder unter Druck gesetzt werden.

«Es wird nicht die letzte Krise sein», schloss SBB-Mediensprecher Christian Ginsig seinen Vortrag ab. Ganz nach diesem Credo beschäftigten sich am Dienstagnachmittag an der Hochschule Luzern Kommunikationsfachleute und Sicherheitsexperten mit Themen wie Terrorangriffen und Cyberattacken. Das sind offiziell die grössten Sicherheitsherausforderungen der Schweiz, wie Veranstalter Bernhard Wigger, Co-Präsident der Lucerne Initiative for Peace and Security, erklärte.

Kantonalbank wird regelmässig erpresst

Die rasante Entwicklung im digitalen Bereich beherrschte die Voten im Hans-Lütolf-Auditorium. Gerade für Banken ist die Sicherheit im Internet von grosser Bedeutung. Online wird es schnell komplex: «Wer führt den Angriff aus und wer ist überhaupt das Ziel? In der konventionellen Kriegsführung ist das klar, bei Cyberattacken nicht zwingend», erklärte Raphael Krütli von der Luzerner Kantonalbank. Der Informatikingenieur sorgt beim Finanzinstitut für die Cybersicherheit.

«Der Kunde ist immer noch das schwächste Glied in der Kette.»

Raphael Krütli, Luzerner Kantonalbank

Rund dreimal pro Jahr wird die Kantonalbank Ziel einer Erpressung. Dann heisst es: Geld her, oder es folgt ein Angriff auf das Netzwerk der Bank. Ob es sich dabei um einen läppischen Versuch von ein paar «Kiddies» handle oder eine gefährliche kriminelle Organisation dahinterstecke, gelte es erst zu klären. Zu einer wirklichen Krise sei es aber erst einmal gekommen, seit Krütli für die Kantonalbank arbeitet – dreieinhalb Jahre nun schon. Dies, als ein gravierendes Sicherheitsleck in einer weltweit verwendeten Gratissoftware entdeckt wurde.

Raphael Krütli von der Luzerner Kantonalbank sprach zur Sicherheit im Netz.

Raphael Krütli von der Luzerner Kantonalbank sprach zur Sicherheit im Netz.

(Bild: giw)

Eine besondere Herausforderung ist bei der digitalen Sicherheit der Faktor Mensch: «Der Kunde ist immer noch das schwächste Glied in der Kette», so IT-Sicherheitsexperte Krütli. Gerade Kundenmails an die Bank bergen weiterhin ein grosses Risiko, schädliche Software in ein sensibles System einzuschleusen. «Es ist nicht auszuschliessen, dass bei Firmen irgendwo Maleware für die Industriespionage eingepflanzt wurde und wir nichts davon wissen.»

Polizei wird durch Social Media aufgehalten

Unsicherheiten durch digitale Daten sind auch ein Problem für die Polizei. Karl Walker, Kommandant der Zuger Kantonspolizei, sagte, dass während laufenden Polizeieinsätzen wie im jüngsten Massaker in Las Vegas über Social Media zuhauf Falschinformationen geteilt werden. «Dadurch verzetteln sich die Einsatzkräfte.»

Twitter und Co. sind aber nicht nur Fluch, sondern auch Segen, denn sie erlauben eine sehr schnelle Verbreitung von vitalen Informationen an die Öffentlichkeit während eines Krisenfalls. Deshalb plant Walker auch die Einführung eines Twitteraccounts für die Zuger Polizeikräfte.

«Heute beschweren sich die Festivalbesucher, weil sie nicht kontrolliert wurden beim Eingang.»

Andy Mestka, Sicherheitschef St.-Gallen-Openair

Doch wie steht es eigentlich um die digitale Sicherheit in der Schweiz im Allgemeinen? Adolf Doerig, der in Zug ein Beratungsunternehmen führt und das Schweizer Verteidigungsdepartement in Fragen der Cyberabwehr berät, zeichnet ein düsteres Bild. «Globale, destruktive Cyberattacken kommen, dagegen können wir nichts tun.» Gleichzeitig hapere es bei der Sicherheitsinfrastruktur: «Die Schweiz ist nicht einsatzbereit.» Das sieht auch der Urner Ständerat Isidor Baumann (CVP) so: «Wir haben einen Rückstand im Bereich der Cybersicherheit.»

1’200 Sicherheitsleute am St.-Gallen-Openair

Kann es denn überhaupt zu viel der Sicherheit sein? Und beisst sich das mit der freiheitlichen Staatsordnung? «Manchmal geht es zu weit bei der Sicherheit», findet Andy Mestka, Sicherheitschef und Geschäftsführer des St.-Gallen-Openair. Die Terroranschläge in New York, Nizza, Berlin oder London, sie haben die Einstellung der Bevölkerung verändert.

Als Mestka in St. Gallen vor 12 Jahren als Sicherheitsverantwortlicher anfing, habe er mit einem kleinen sechsstelligen Budget und zahlreichen freiwilligen Mitarbeitern den Schutz des Grossanlasses gewährleistet. Inzwischen sind gegen 1’200 professionelle Sicherheitsleute im Einsatz.

Andy Metska, Geschäftsführer und Sicherheitschef des Openair St. Gallen.

Andy Metska, Geschäftsführer und Sicherheitschef des Openair St. Gallen.

(Bild: giw)

Überreaktion bei den Behörden?

Zuweilen würden auch unnütze Massnahmen an Grossveranstaltungen ergriffen, nur um das subjektive Sicherheitsbedürfnis der Feiernden zu erhöhen. «Heute beschweren sich die Festivalbesucher, weil sie nicht kontrolliert wurden beim Eingang.» Früher sei das Gegenteil der Fall gewesen.

Mestka findet, die Behörden würden zum Teil zu viele Vorschriften machen und überreagieren. Er nennt das Beispiel der Geländeschliessung des diesjährigen «Rock am Ring»-Festivals durch die Polizei wegen Terrorverdacht. Dort hatten Zugangskarten für das Personal nicht mit registrierten Namen übereingestimmt. Bei einer Person habe es zudem Hinweise auf Verbindungen zur islamistischen Terrorszene gegeben.

Der Zuger Polizeikommandant Karl Walker erwiderte, dass es zwischen Sicherheit und kommerziellen Interessen immer einen Zielkonflikt geben werde. Doch wie die anderen Referenten war auch Walker der Meinung, das man nicht gegen jedes Verbrechen gewappnet sein könne. Es gelte deshalb zwischen Freiheit und Sicherheit mit Vorsicht abzuwägen: «Wir müssen Augenmass behalten.»

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