Luzerner Kantonalbank: Gibt’s am Schalter bald kein Bargeld mehr?
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Auch eine Reduktion der Bankomaten schliesst die Luzerner Kantonalbank ferner nicht aus (Bild: sah)

Konsumentenschutz: Rentner trifft's am stärksten Luzerner Kantonalbank: Gibt’s am Schalter bald kein Bargeld mehr?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 19.11.2018, 04:27 Uhr

Was andere Banken bereits umgesetzt haben, scheint nun auch bei der Luzerner Kantonalbank angekommen zu sein: bargeldlose Filialen. Wer online unterwegs sei, fahre in Zukunft sowieso besser. Der Konsumentenschutz übt Kritik, auch wenn die LUKB mit den Änderungen keinesfalls alleine dasteht. 

Die Luzerner Kantonalbank will zukünftig auf Bargeld in ihren Filialen verzichten. Die erste Filiale in Luzern, in welcher das Konzept zur Anwendung kommen wird, wird eine Geschäftsstelle in Sempach sein. Bargeldbezug wird dort nur noch an den Bankautomaten, nicht mehr wie gewohnt auch an den Schaltern ermöglicht.

Die Luzerner Kantonalbank ist jedoch nicht die erste Bank, die auf dieses Konzept umsattelt. Seit einigen Monaten bereits setzt die Raiffeisen-Bank in verschiedenen Filialen auf bargeldlosen Kontakt. Mitarbeiter stehen dort nur noch zur Kundenberatung und für Fragen zur Verfügung. 

Bargeldbezug nimmt ab 

Mit diesem neuen Konzept der Bargeldlosigkeit in Geschäftsstellen soll auf ein «hybrides Kundenverhalten» reagiert werden, meint Ursi Ineichen, stellvertretende Leiterin für Kommunikation der Luzerner Kantonalbank: «Wir stellen fest, dass das Bargeldgeschäft in unseren Geschäftsstellen immer mehr abnimmt. Die Kunden tätigen ihre Bankgeschäfte zunehmend online, das heisst zeit- und ortsunabhängig.» Laut Ineichen wenden sich Kunden primär dann an den Bankschalter, wenn komplexe Finanzierungen anstehen oder sie ausführliche Beratung wünschen. 

«Die bisher gemachten Erfahrungen sind sehr positiv.»

Angela Rupp, Mediensprecherin Raiffeisen

Dies bestätigt auch die Aussage von Angela Rupp von der Raiffeisen-Bank, welche das Konzept bereits in einigen Filialen umgesetzt hat, und fügt bereits gemachte Erfahrungswerte hinzu: «Es gibt bereits mehrere Raiffeisen-Banken, die das Konzept der Beratungsbank umsetzen. Die bisher gemachten Erfahrungen sind dabei sehr positiv.» 

Schüpfheim und Sempach als Pilot-Geschäftsstellen

Die Umfunktionierung der Filialen von einem «Ort der Transaktion» hin zu einem «Ort der Begegnung» sei demnach eine logische Reaktion auf dieses veränderte Kundenbedürfnis. Laut Ineichen sei dieses Konzept bei der Luzerner Kantonalbank bereits teilweise bei der im Juni 2018 renovierten Filiale in Schüpfheim umgesetzt worden und wird im März 2019 vollständig in Sempach umgesetzt: «Schüpfheim und Sempach sind Pilot-Geschäftsstellen, an welchen wir das neue Kundenhallenkonzept testen.»

Bargeld-Ein- und -Auszahlungen könnten künftig nur an Bankautomaten getätigt werden.

Bargeld-Ein- und -Auszahlungen könnten künftig nur an Bankautomaten getätigt werden.

(Bild: sah)

«Kunden, welche unsere Dienstleistungen auf elektronischem Weg nutzen, fahren günstiger.»

Ursi Ineichen, stellvertretende Leiterin für Kommunikation der LUKB

Die daraus gezogenen Erfahrungen werden für weiteres Vorgehen in anderen Filialen entscheidend. Ob bald in der Geschäftsstelle der Kantonalbank in Luzern auch kein Bargeld mehr am Schalter bezogen werden kann, könne deshalb noch nicht gesagt werden. Fest stehen jedoch bei der Luzerner Kantonalbank bereits einige Umstrukturierungen von Basisprodukten und Dienstleistungen, die neu kostenpflichtig werden.

«Grundsätzlich ist es so, dass Kunden, welche unsere Bankdienstleistungen auf elektronischem Weg nutzen, günstiger fahren», so Ursi Ineichen. Kunden werden also zunehmend dazu bewogen, ihre Geschäfte online abzuwickeln.

«Die veränderten Angebote betreffen meist ältere Leute, die ein Leben lang ihre Ein- und Auszahlungen am Schalter tätigten.»

Alex von Hettlingen, Stiftung für Konsumentenschutz

Dass diese Tendenz aus Konsumentensicht eine Verschlechterung darstellt, ist für Alex von Hettlingen von der Stiftung für Konsumentenschutz offensichtlich. Er betont, dass es dabei nicht um Kundenbedürfnisse gehe, sondern vor allem um Personaleinsparungen: «Wenn jemand am Schalter sitzt, kostet er Geld.» Dass dabei auf persönliche Kundendienste besonders auf Kosten älterer Personen verzichtet wird, scheint weniger zu interessieren. «Die veränderten Serviceangebote betreffen meist ältere Leute, die ein Leben lang ihre Ein- und Auszahlungen am Schalter getätigt haben. Doch die älteren Personen sind als Kundschaft in der Minderheit», so von Hettlingen. 

Die Luzerner Kantonalbank, so wie die anderen Banken, folgen laut von Hettlingen einer allgemeinen Tendenz, den Kundendienst abzubauen: «Die Arbeit wird zunehmend auf den Kunden selbst übertragen.» Der Kunde muss also vermehrt Dinge selber erledigen, die früher von einem Serviceangestellten übernommen wurden. Für von Hettlingen geht die für ihn kritische Tendenz jedoch weiter: «Es wird dabei nicht nur die Arbeit übertragen, sondern auch die Haftung. Der Kunde wird zunehmend auch verantwortlich und haftbar.»

Als Beispiel nennt Hettlingen die Tickets für Bus und Zug. Diese sollen vermehrt selbständig am Handy, nicht mehr am Automaten gekauft werden. Der Kunde stellt dabei selbst die Infrastruktur, sprich das Handy, bereit. Funktioniert das Handy nicht, ist der Kunde verantwortlich, nicht wie bei einem kaputten Automaten die Firma. 

«Weshalb soll die LUKB alt bleiben, wenn die Kundschaft Neues wünscht?»

Ursi Ineichen

Die Luzerner Kantonalbank steigt mit ihrem neuen Konzept der «Begegnungsbank» auf diese laut von Hettlingen kritische Tendenz mit ein: «Die Arbeit und Haftung wird von der Bank externalisiert, der Kundendienst zunehmend kostenpflichtig oder abgeschafft.» Während der Kunde also zunehmend selbständiger werden muss, entzieht sich die Bank sowohl den Personalkosten als auch von Verantwortung und Haftung.

Kantonalbank weist Anschuldigungen zurück 

Die Luzerner Kantonalbank weist diese Anschuldigungen des Konsumentenschutzes zurück. Bei ihnen seien die Umstrukturierungen als Reaktion einer Veränderung des Kundenbedürfnisses zu sehen: «Die Kunden wünschen einen 24-Stunden-Selfservice und digitale Lösungen, unabhängig vom Alter. Wir nehmen diesen Trend mit unserem neuen Kundenhallenkonzept auf.»

Hierzu werde zunehmend in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investiert, die zunehmend vom Schalter zur Beratung wechseln. Ineichen summiert abschliessend: «Weshalb soll die LUKB alt bleiben, wenn die Kundschaft Neues wünscht?» 

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1 Kommentare
  1. Roland Grüter, 19.11.2018, 17:30 Uhr

    Die ewig faulen Sprüche der Banken. Das Ganze ist schlichtweg ein erneuter Leistungsabbau. Man spart Personalkosten und „vergault“ die Bankkunden. Dafür steigen die Spesen!

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