Luzerner Hotels schlagen Alarm – und fordern Soforthilfe von Stadt und Kanton
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Mit einer Aktion auf dem Schwanenplatz macht die Hotellerie auf ihre Misere aufmerksam. (Bild: Facebook)

Gratiskredite, Kurzarbeit und Werbung Luzerner Hotels schlagen Alarm – und fordern Soforthilfe von Stadt und Kanton

3 min Lesezeit 5 Kommentare 19.11.2020, 11:09 Uhr

Die Corona-Krise reisst ein tiefes Loch in die Taschen der Luzerner Hotelbranche. Jetzt stellt der Verband Hotellerie Suisse Region Zentralschweiz massive Forderungen, um ihr Überleben zu sichern.

Die Corona-Pandemie trifft alle mitten ins Herz. Dieser Meinung sind auch Vertreter der Luzerner Hotellerie. Sie gehen aber noch einen Schritt weiter. An einer Pressekonferenz von Donnerstagmittag im Luzerner Schweizerhof erklärt der Verband Hotellerie Suisse, dass auch viele andere Branchen von belegten Betten in den Hotels abhängig seien.

Rund 63 Prozent beträgt der Rückgang aller Logiernächte im Jahr 2020. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein horrender Einbruch der Besucherzahlen. Der Präsident von Hotellerie Suisse, Andreas Züllig, zeigt sich besorgt: «Die Situation ist äusserst dramatisch.» Ein solcher Einbruch habe der Tourismus in Luzern noch nie erlebt. Jetzt gehe es aber nur noch ums eines: «ums blanke Überleben.»

Einige Zahlen im Überblick

Alessandro Pedrazzetti, Inhaber und Hotelier des Continental Park in Luzern erklärt, dass die zusammenzubrechen drohende Hotellerie nicht nur direkt auf die rund 3500 Arbeitsplätze in der eigenen Branche Auswirkungen habe. So sollen auch weitere Branchen wie etwa Lebensmittelhändler, Detaillisten, Museen und Veranstalter unter dem Rückgang der Logiernächte leiden. Er macht klar: «Damit die Lichter unserer Leuchtenstadt auch in Zukunft nicht erlöschen, brauchen wir jetzt dringend Hilfe.»

Schweizer Gäste reichen nicht

Einen positiven Punkt konnten die Vertreter der Hotellerie und Wirtschaft dennoch nennen: «Wir freuten uns, diesen Sommer über die zahlreichen Gäste aus der Schweiz», ergänzt Andreas Gonzales, Präsident des Wirtschaftsverbands der Stadt Luzern. Dabei betont er aber, dass die inländischen Gäste nur einen Tropfen auf den heissen Stein darstellen. Sie könnten unmöglich die ganzen Besucherzahlen der vergangenen Jahre ausgleichen.

Gefordert werden deshalb unter anderem ein finanzielles Hilfsprogramm für Hotellerie und Gastronomie sowie verbindliche und zeitnah umgesetzte Härtefall-Regelungen. Auch soll in Härtefällen auf eine Rückzahlung von Unterstützungskrediten verzichtet werden. Verzichtet? Ja, heisst es an der Pressekonferenz. Denn: Die Hoteliers sind sich zurzeit nicht sicher, ob diese Kredite überhaupt innert einer Frist wieder zurückbezahlt werden können.

Quarantäneregeln brauchen eine Revision

«Der Erlass solcher Bürgschaften ist ein Thema, das noch politisch diskutiert werden muss», erwähnt Züllig auf Anfrage. Die geforderten Kredite sollen zudem über ihre gesamte Laufzeit hinweg zinsfrei bleiben. Eine weitere Forderung besteht darin, dass Kanton und Stadt im Marketingbereich mithelfen sollen, um die Region Luzern in der Schweiz attraktiver zu gestalten.

Doch die Betroffenen gehen noch einen Schritt weiter. Sie fordern den Bund dazu auf, die landesweit geltenden Quarantäneregeln anzupassen – mit einer Lockerung etwa. Dies, indem beispielsweise ein neuerdings verfügbarer Schnelltest verhindern kann, dass eine Person, die negativ getestet wurde, in Hausarrest muss. «Dabei geht es uns insbesondere um die Mitarbeitenden in den Hotels. Sie fallen immer häufiger aus, ohne dass sie an Corona erkrankt sind», heisst es an der Konferenz weiter

«Leere Hotelbetten bedrohen Luzerns Vielfalt im Kultur- und Veranstaltungsangebot existenziell.»

Facebook-Post des «Schweizerhofs»

Wie steht es aber um die Erfolgschancen solcher doch ziemlich weitreichenden Forderungen? «Die Stadt Luzern ist momentan daran, die Tourismusvision 2030 auszuarbeiten. Daher muss sie auf eine solche Unterstützung fast eingehen», erklärt Mike Hauser, Mitinhaber des Schweizerhofs. Denn – und dabei sind sich alle Vertreter einig – die Hotellerie ist systemrelevant.

Aktion auf dem Schwanenplatz

Einen Grossteil der Forderungen wurde aber schon vor der Pressekonferenz öffentlich gemacht. Auf Facebook hatte das Hotel Schweizerhof in Luzern diese bereits am späten Vormittag publiziert.

«Leere Hotelbetten bedrohen Luzerns Vielfalt im Kultur- und Veranstaltungsangebot existenziell. Heute wird gekämpft für die Unterstützung in der Branche», heisst es in dem Post. Auf die Forderungen aufmerksam gemacht wurde auch mit einer Aktion mit leeren Betten und Plakaten auf dem Schwanenplatz.

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5 Kommentare
  1. Dunning-Kruger, 21.11.2020, 14:23 Uhr

    Am besten und einfachsten direkt auf das Privatkonto der Hauser-Familie und anderen schwer Bedürftigen aus dem Luzerner Patriziat anweisen. Umverteilung von unten nach oben in seiner reinsten, unverschämtesten Form!!

  2. paul, 19.11.2020, 18:57 Uhr

    tja! logisch! 50jahre absahnen und geld scheffeln. jetzt iammern und sich immer noch dicke löhne zahlen.
    ich glaube da helfen wir besser den kleinen bars, den tanzlokalen, dem haarkünstler dem blumengeschäft und den lockslen kleinwerdtätten.
    sorry !

  3. Viel Reisender, 19.11.2020, 14:34 Uhr

    Geht bei denen fordern, für die Ihr normalerweise da seid……. Dann wollt ihr von den Einheimischen auch nichts wissen, sie dienen höchstens als Statisten in eurem Geschäftsfeld. Oder fordert bei denen, welche jahrelang viel, sehr viel Geld in die eigene Tasche gesteckt haben. Der Zustand der meisten Häuser zeigt ziemlich deutlich, dass eher wenig vom erwirtschafteten Geld in die Infrastruktur reinvestiert wurde. Kaum irgendwo klafft die Schere zwischen Zimmerpreis und Komfort dermassen auseinander wie in Luzern.

  4. Manjaro, 19.11.2020, 14:05 Uhr

    30 Jahre auf Asien konzentriert – jetzt fordern.

  5. Kasimir Pfyffer, 19.11.2020, 13:20 Uhr

    Aha. Sie fordern. Das ist ja mal was ganz Neues.

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