Luzerner Grüne: «So darf es nicht weitergehen»
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Visualisierung der Spange-Nord-Gegner zur geplanten neuen Reussbrücke. (Bild: zvg)

Neues Gutachten zur Spange Nord Luzerner Grüne: «So darf es nicht weitergehen»

2 min Lesezeit 2 Kommentare 29.01.2020, 18:32 Uhr

Ein Gutachten lässt an den Zahlen des Kantons Luzern zweifeln und hinterfragt den Sinn der neu geplanten Reussportbrücke mitsamt städtischem Autobahnanschluss. «Schonungslos» zeige der Bericht auf, dass der Luzerner Regierungsrat bei der Mobilität an der Realität vorbeiplane, so die Luzerner Grüne.

Ein neues Gutachten von zwei externen Verkehrsexperten zerzaust den kantonalen Bericht zur Spange Nord: Das Wachstum des Autoverkehrs werde über-, die Zunahme von ÖV und Velo unterschätzt. Sie schlagen eine Neuberechnung vor (zentralplus berichtete). Zu diesem Schluss kommt das unabhängige Expertengutachten der Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik, wie an diesem Mittwoch bekannt gegeben wurde.

Damit steht für die Grünen schon vor dem Ende der Vernehmlassung für die Mini-Spange «Reussport» fest: Der Synthesebericht und die daraus resultierende Projektempfehlung sei vollständig zurückzuweisen, wie die Partei in einer Mitteilung schreibt. Doch die Partei betont auch, dass das Gegengutachten weitergehende Konsequenzen haben müsse. «Denn es ist ein ungenügendes Zeugnis für die bisherige Verkehrspolitik und Mobilitätsplanung des Kantons.»

Keine neuen «Betonwalzen»

Die Grünen Kanton und Stadt Luzern sind «keineswegs überrascht»: Seit vielen Jahren weist die Partei bei nationalen und kantonalen Strassenbauprojekten darauf hin, dass der Kanton mit falschen Mobilitätszahlen agiert. Ausserdem setze er viel zu stark auf neue Strassen statt auf die konsequente Umlagerung auf den öffentlichen Verkehr. «So darf es nicht weitergehen», wird Präsident Maurus Frey zitiert. «Die Stadt Luzern und andere Schweizer Städte sowie Agglomerationen weisen den richtigen Weg: Sie setzen bereits heute konsequent auf platzsparenden öV und Langsamverkehr in urbanen Räumen statt auf Autos.»

Martin Abele, Präsident Grüne Stadt Luzern, wünscht sich, dass die Kantonsregierung und das Parlament in Zukunft nicht mehr gegen, sondern im Einklang mit der Bevölkerung Grossprojekte plant und umsetzt. Die Luzerner Bevölkerung wolle «keine Betonwalzen» und zusätzliche Autobahnzufahrten durch die Stadt. In der Stadt sei das Angebot für öV und Langsamverkehr stetig verbessert worden. Dank diesen Massnahmen verzeichne die Seebrücke beispielsweise einen Rückgang von Autoüberquerungen.

Auch Maurus Frey äussert grundlegende Bedenken: «Die kantonalen Strassenbauprojekte scheinen auf unseriösen oder ungenügenden Datengrundlagen und Prognosen zu fussen», wird er zitiert. «Die negativen Effekte für die Lebensqualität der Anwohner, die Auswirkungen auf das gesamte Gesamtverkehrssystem und die grossen Investitionen verlangen aber einen ungefilterten Bedarfsnachweis im Interesse aller.»

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2 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 30.01.2020, 13:02 Uhr

    Auch die Grünen und andere Gegner der Metro gehen von alten Überlegungen aus. Das 2013 vorgelegte Projekt sieht längst eine Erweiterung nach Bahnhof Emmenbrücke und zur Westseite des
    Bahnhofs Luzern vor, um während der 10-jährigen Operation am offenen Herzen beim Bau des Durchgangsbahnhofs Luzern einen totalen Verkehrskollaps zu verhindern.
    Wäre doch überlegenswert….

  2. Joseph de Mol, 30.01.2020, 07:24 Uhr

    Es geht doch in erster Linie nur um eines: Grossaufträge für die Bauwirtschaft, finanziert durch die Öffentlichkeit, deren Nutzen gelinde gesagt und bestenfalls nicht einwandfrei ausgewiesen ist. Das war beim Parkhaus Musegg so, das war bei der Salle modulabe so, dass ist bei der Spange Nord, das ist bei der Metro so und das wird auch beim Stadttheater so sein. Früher waren die Stimmbürger gegenüber solchen gigantomanen Bauprojekten scheinbar weniger kritisch. Doch heute, im Zeitalter der durch die neoliberale Kantonsstrategie verursachten leeren Staatskassen, überlegt es sich der Stimmbürger besser zweimal und lehnt solche Vorlagen im Zweifelsfall ab. Jedes dieser Projekte gehört nicht in die Sparte „primäre Aufgaben des Staates“. Und solange bei z.B. der sozialen Sicherung stetig Abstriche gemacht und hingenommen werden müssen (ausser das Bundesgericht korrigiert!), ist die Meinung dazu halt bei vielen gemacht!

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