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Luzerner «Gratis-Psychiater» macht weiter
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Christopher Alexander glaubt nicht daran, dass seine Steine alleine etwas bewirken können. (Bild: azi)

Steinladen bleibt ein weiteres Jahr Luzerner «Gratis-Psychiater» macht weiter

4 min Lesezeit 21.09.2015, 10:08 Uhr

Er ist der Herr der Steine – ihm vertrauen die Luzerner seit gut 30 Jahren ihre Sorgen an: Christopher Alexander von der Boutique Amethyste. Während dieser Zeit hat sich viel verändert, sowohl bei seinen Kunden als auch bei ihm selbst.

Seit gut 30 Jahren beschäftigt sich Christopher Alexander, Inhaber der Boutique Amethyste am Hirschengraben, mit den Krisen, Ängsten und Nöten seiner Kunden. Viele Luzerner kennen ihn als «den exotischen Mann mit den Steinen» (siehe Box) und suchen ihn auf, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Bei ihm können sie ihre Sorgen loslassen, sie jemandem erzählen, von dem sie sich verstanden fühlen.

«Ich bin so etwas wie ein ‹Gratis-Psychiater›», lacht Alexander. Nur, dass die Leute im Anschluss nicht mit Medikamenten nach Hause gehen, sondern mit einem Stein oder einer persönlich angefertigten Kette, die ihnen helfen soll, ihre Blockaden zu lösen, um so den Heilungsprozess zu unterstützen. Doch auch bei körperlichen Leiden ist sein Laden eine Anlaufstelle. «Viele Menschen, die bei mir vorbei kommen, haben eine lange Odyssee hinter sich», erzählt der 58-Jährige. «Sie wanderten von Arzt zu Arzt und wurden einfach nicht verstanden.»

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«Das klingt nach Hokuspokus, damit kann ich nichts anfangen.»
Christopher Alexander

Luzerner haben Mühe loszulassen

Eine Rückblende: 1986 war die New Age-Bewegung auch in Luzern angekommen. Genau in jener Zeit eröffnete Alexander seinen Laden – damals noch an der Moosstrasse. Seit dem Beginn seiner Tätigkeit gäbe es immer wieder ein Thema, dass die Luzerner besonders zu beschäftigen scheint: das Loslassen von altem Ballast und unverarbeiteten Erlebnissen.

Eine Gabe seines Grossvaters

Christopher Alexander ist 1957 als Sohn eines Migranten aus dem ehemaligen Britisch-Guayana (heute Guyana) und einer Schweizerin in London geboren. Sein Grossvater war im Urwald der früheren Kolonie an der Nordküste Südamerikas als Medizinmann tätig. «Meine spirituelle Ader habe ich von ihm», sagt Alexander. Von einer Gabe will er jedoch nicht sprechen. «Das klingt nach Hokuspokus, und damit kann ich nichts anfangen.» Die Fähigkeit, in sein Gegenüber hinein zu hören und die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen, habe er im Laufe der Zeit erlernt.

In die Schweiz kam Alexander als einjähriger Bub – es sei die Liebe gewesen, die ihn später in die Zentralschweiz nach Sarnen geführt habe, wo er auch heute noch wohnt. Zur Stadt Luzern hat er eine besondere Beziehung – genau wie die Luzerner zu ihm. Ihm vertrauen Sie ihre Probleme an und er gibt «ihnen den nötigen Schub, den sie brauchen, um ihr Leben zu verändern.» 

«Sie kommen zu mir und erzählen von Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Ängsten oder Depressionen», erzählt er. Seine Aufgabe sei es dann, diese Probleme zu entschlüsseln. «Meist liegt die Ursache dafür ganz woanders, nämlich, dass sie sich nicht von Vergangenem befreien können. Sei dies eine gescheiterte Liebesbeziehung, der Verlust einer nahestehenden Person oder der Arbeitsstelle.»

Der Amethyst ist der Lieblingsstein des 58-Jährigen, nach ihm hat er auch seinen Laden benannt. «Er steht für Ruhe und sorgt für klare Gedanken», erklärt er. Denn das sollen seine Kunden bei ihm finden. Glaubt er daran, dass seine Steine heilen können? «Nein», ist seine etwas überraschende Antwort. «Einen Stein bei sich zu tragen und fest daran zu glauben, dass dieser etwas bewirkt, ist sinnlos. Ich glaube nicht an Steine, Tees oder Gewürze.»

Denn letztlich sei es der Mensch, der den Willen zur Veränderung haben müsse. «Man muss die Dinge selbst in die Hand nehmen, doch die Steine unterstützen dich dabei, neue Möglichkeiten und Perspektiven zu sehen.» Dass eine besondere Energie von seinen Mineralien ausgeht, davon ist er jedoch überzeugt und demonstriert dies auch gerne mit einem Bergkristall. Tatsächlich ist so etwas wie eine Berührung zu spüren, obwohl er den Stein lediglich über die Handfläche schweben lässt.

Lebensberatung im Steinladen

Alexander ist überzeugt, dass die meisten körperlichen Beschwerden auf die Psyche zurückzuführen sind. Diesbezüglich merke er auch, dass sich die Probleme der Leute in den vergangenen 30 Jahren verändert hätten. Ängste und Allergien würden sich häufen. Alles sei schnelllebiger geworden, die Menschen seien dauerbeschäftigt und hätten es verlernt, auf sich selbst zu hören. «Es bleibt kaum Zeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten.»

«Ich will auch nicht, dass irgendein Shopping-Tussi die schönsten Schmuckstücke kauft.» 

«Jeder Mensch ist anders», so Alexander. «Ich muss die Leute sehen und wahrnehmen, denn viele strahlen ihre Probleme bereits aus.» Im Lauf der Zeit habe er eine Befragungstechnik entwickelt, mittels welcher er testen könne, ob die Leute ihm die Wahrheit erzählen oder, ob sie nicht doch etwas verbergen, das als mögliche Ursache für die Beschwerden festzumachen ist. Gerade deshalb lebe sein Geschäft von persönlichen Gesprächen, von der Beziehung, die er zu seiner Kundschaft aufbaut.

In seinem Atelier fertigt Christopher Alexander persönliche Schmuckstücke für seine Kunden an. (Bild: azi)

In seinem Atelier fertigt Christopher Alexander persönliche Schmuckstücke für seine Kunden an. (Bild: azi)

Geschäftsschliessung um ein Jahr verschoben

Doch ganz einfach sei das Überleben des Geschäfts nicht, sagt Alexander. Denn seine Beratung ist kostenlos. «Mir geht es dabei nicht ums Geld», sagt er. «Ich will auch nicht, dass irgendein Shopping-Tussi die schönsten Schmuckstücke aus meinem Laden kauft», meint er. Viel wichtiger sei ihm, dass die Steine an den richtigen Ort gelangen würden. «Dorthin, wo sie von jemandem gebraucht werden.» 

Und die Nachfrage scheint gross zu sein. Eigentlich wollte Alexander seinen Laden im April dieses Jahres schliessen. «Nachdem ich dies so verkündet habe, wurde ich förmlich überrannt», sagt er. «Das hat mich motiviert, für ein Jahr weiter zu machen.» Denn im September 2016 schliesst der Laden endgültig, da die Liegenschaft am Hirschengraben 19 umgebaut wird. Wird Christopher Alexander dann in der Lage sein, seine Berufung loszulassen? «Das steht in den Sternen», lacht er. 

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