Wirtschaft

«Sehr ineffizient und sehr teuer»
Luzerner Gewerbeverband fordert tiefere Gymi-Quote

  • Lesezeit: 2 min
  • Kommentare: 5
KGL-Direktor Gaudenz Zemp wünscht sich eine Stärkung der Berufslehre gegenüber des Gymnasiums.
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KGL-Direktor Gaudenz Zemp wünscht sich eine Stärkung der Berufslehre gegenüber des Gymnasiums. (Bild: zvg)

Besonders in der Stadt entscheiden sich viele Fünft- und Sechstklässler für das Gymnasium. Der KMU- und Gewerbeverband Kanton Luzern (KGL) sieht diese Entwicklung kritisch. Universitäts-Abgänger nach Studium in die Arbeitswelt zu integrieren sei «ineffizient und auch sehr teuer».

Nur ein vergleichsweise geringer Teil der Uni-Absolventen startet nachfolgend eine akademische Karriere. Genau das kritisiert nun der Luzerner Gewerbeverband KGL: Gemäss Direktor Gaudenz Zemp sollte das Gymnasium nur von jenen rund 15 Prozent der Schülerinnen besucht werden, die eine akademische Karriere im Sinn haben. Andernfalls sei der Weg über die Berufslehre vorzuziehen.

Uni-Absolventen seien noch nicht berufsfähig

Wer studieren möchte, soll gemäss Zemp also lieber den Weg über die Berufslehre mit anschliessender Berufsmatura und Hochschule einschlagen. Denn: Mit einer abgeschlossenen Berufslehre seien die Jugendlichen in einem Unternehmen statt in einem schulischen Betrieb sozialisiert worden. Damit seien sie nach Hochschul- oder höherem Berufsbildungsabschluss bereits berufsfähig.

«Vielen Uni-Abgängern muss die Wirtschaft diese Berufsbefähigung nach dem Studium zuerst vermitteln. Das ist sehr ineffizient und auch sehr teuer», moniert Zemp. Der KGL begrüsst deshalb die steigenden Anmeldungen zur Berufsmatura (zentralplus berichtete). Dies helfe, auch schulisch starke Jugendliche für eine Berufslehre zu gewinnen.

Die Gymansiums-Quote im Kanton Luzern sitzt seit Jahren ungefähr auf rund 19 Prozent.

Jedoch soll die Gymnasiums-Quote, die gemäss dem Luzerner Bildungs- und Kulturdepartements (BKD) seit Jahren bei etwa 19 Prozent liegt, gesenkt werden. Zemp fordert, dass der Kanton die 15-Prozent-Schwelle anstrebt – genauso wie er das bei der Berufsmaturität tut.

Ansatzpunkte, um diese umzusetzen, gäbe es gemäss Zemp viele: bei der Ausbildung der Lehrpersonen, im Schulwahlprozess in der fünften und sechsten Primarklasse, über die Steigerung der Attraktivität der Berufslehre oder der Stärkung der Berufsmatura. Ebenso schlägt er die Überprüfung eines «doppelspurigen Langzeitgymnasium-Modells» vor.

Bildungsdepartement sieht anderen Handlungsbedarf

Katrin Birchler, interimistische Dienststellenleiterin beim kantonalen Bildungsdepartement, sieht jedoch keinen Veränderungsbedarf bei der kantonalen Gymnasialbildungsquote. Die stabilen 19 Prozent seien «grundsätzlich ok».

In einem Punkt dürfte sie Gaudenz Zemp jedoch zustimmen: Die Gymi-Quote von rund 35 Prozent in der Stadt Luzern ist auffallend hoch. Das BKD wünscht sich nämlich eine «ausgeglichenere Stadt-Land-Quote». Birchler erklärt: «Die Nachfrage nach gymnasialer Ausbildung auf der Landschaft ist auffallend tief im Gegensatz zum urbanen Raum.» Leistungsstarke Lernende würden auf dem Land eher eine Berufsbildung antreten.

Dies komme dann wiederum dem KGL zugute, so Birchler: «Mit der zusätzlichen Ausbildung Berufsmaturität oder der höheren Berufsbildung sind diese ebenso gut ausgebildet und stellen oft den Kadernachwuchs in KMU».

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5 Kommentare
  1. JTL, 02.11.2021, 17:18 Uhr

    Das Schulmodell (ISS) der Stadt Luzern ist ein relevanter Grund für die hohe Quote im Gymnasium.

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  2. Thomas Müller, 02.11.2021, 13:20 Uhr

    Der persönliche Kampf des Herrn Zemp gegen die Gymnasien ist einfach nur peinlich. Aber schon klar, die Herren vom Gewerbeverband haben lieber junge Menschen, die eine Ausbildung erfahren als solche, die umfassende Bildung in Anspruch nehmen. Denn es könnte ja unbequem sein, wenn junge Menschen über mehr Wissen verfügen als blosses Fachwissen. Zemp führt hier einen eigentlich Kampf gegen die Bildung. Das ist verwerflich und sehr gefährlich.

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    1. Hofer, 02.11.2021, 16:21 Uhr

      Zemp hat recht, es gibt viel zu viele Gymnasiasten, die nicht auf ein Gymnasium gehören.

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    2. Ludwig Spring, 03.11.2021, 08:20 Uhr

      @ Mülller. Sie scheinen kein Gymnasium besucht zu haben, sonst wüssten Sie, dass der Wissens-Unterschied zwischen Maturantinnen und Maturanten gegenüber einer Berufsausbildung sehr differenziert zu beurteilen ist. Wir reden von Gymnasien und nicht von Universitäten! Ihr Post ist eine Unterstellung und Unverschämtheit gegenüber den Lehrlingen und blendet Tatsachen aus.
      PS: Ich habe seinerzeit die A-Matura gemacht. Damals noch mit den Pflichtfächern Latein und Alt-Griechisch. Ich habe meine Schulkollegen*innen, die eine Lehre abgeschlossen hatten, stets für ihr differenziertes Wissen bewundert. Auch ohne Latein und Griechisch meisterten ALLE ihr Leben erfolgreich und auf bewundernswerte Art und Weise, während etliche meiner Studienkollegen im Berufsleben fallierten!

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  3. Kasimir Pfyffer, 02.11.2021, 12:25 Uhr

    Erstaunlich, dass der KGL immer noch zahlende Mitglieder hat, welche die Absonderung solchen Bullshits mitfinanzieren.

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