Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Luzerner gehen lieber ins Einkaufscenter als in die Geschäfte der Stadt
  • Wirtschaft
Lange Zeit lagen die Geschäfte in der Luzerner Altstadt im Dornröschenschlaf. (Bild: ios)

Nach acht Wochen Lockdown Luzerner gehen lieber ins Einkaufscenter als in die Geschäfte der Stadt

6 min Lesezeit 3 Kommentare 26.05.2020, 05:00 Uhr

Die Geschäfte und Einkaufscenter dürfen seit zwei Wochen wieder offen haben. Die Einkaufscenter freut’s – denn sie hatten mehr Besucher als im Vorjahr. Anders sieht es in den Läden in der Stadt aus.

Nach acht Wochen Tiefschlaf durften hiesige Geschäfte vor zwei Wochen ihre Pforten wieder öffnen. Endlich. Doch: Kommen die Kunden überhaupt – oder meiden viele aus Angst vor dem Virus die Geschäfte?

Die City Vereinigung Luzern zieht eine erste positive Bilanz. «Die meisten Geschäfte in der Stadt verzeichnen zwar deutlich reduzierte Frequenzen, aber sie sind auf einem akzeptablen Niveau», sagt André Bachmann vom Vorstand der City Vereinigung Luzern.

Auch der Verkauf der City Card sei um etwa 30 bis 40 Prozent eingebrochen. Den Grund sieht er aber nicht darin, dass die Menschen noch Angst vor dem Virus haben und deswegen die Geschäfte meiden. Denn seinem Geschäft «Lichtteam» an der Luzerner Bundesstrasse statten selbst Menschen aus der Risikogruppe einen Besuch ab. Auf Wunsch erfolgt die Beratung auch mit Mundschutzmaske.

Die Menschen sind kauffreudig

Es herrsche eine gute Stimmung in den Luzerner Geschäften, sagt Bachmann. «Die Leute sind geduldig, nehmen die Schutzkonzepte gut auf. Sie halten sich an die Abstands- und Hygieneregeln und sind sehr kauffreudig.» Wenn auch zurzeit eher für Alltagsgüter als grössere Investitionen, wie er anfügt.

Zudem öffnen viele Geschäfte ihre Pforten zu reduzierten Öffnungszeiten und mit weniger Personal. Auch die Anzahl der Kunden, die sich zeitgleich in einem Geschäft aufhalten dürfen, ist beschränkt. Insbesondere Warenhäuser verzeichnen seit der Wiedereröffnung einen grossen Besucherandrang. In den letzten zwei Wochen haben diese laut Bachmann vergleichbare und teils sogar bessere Umsätze wie im Vorjahr gemacht.

Emmen Center: Realität besser als Bestcase-Szenario

Anders als in den Stadtluzerner Geschäften präsentiert sich die Situation in den Einkaufscentern. Das Emmen Center, das Shopping Center Schönbühl sowie der Pilatusmarkt in Kriens konnten in den letzten zwei Wochen mehr Besucher anlocken als zur selben Zeit im 2019.

Im Emmen Center sind die Frequenzen der beiden Wochen «weit über dem Vorjahr», schreibt Roland Jungo, der Leiter Centermanagement. Und das sogar vergangene Woche. Trotz Auffahrt, wo das Center geschlossen blieb, wurde das Vorjahresergebnis klar übertroffen. Konkrete Zahlen nennt Jungo nicht. Er ist aber von den Resultaten positiv überrascht.

Das Emmen Center lockte auch am vergangenen Samstag viele Besucher an.

Man habe sich auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Die tatsächlichen Frequenzen seien nun sogar höher ausgefallen als im erwarteten Bestcase-Szenario. Wie erklärt sich der Centerleiter das? «Die Kundinnen und Kunden haben ein gewisses Nachholbedürfnis, für Waren und soziale Kontakte», ist er überzeugt. «Da die Zentralschweiz verhältnismässig wenig Covid-19-Ansteckungen hatte, ist bei den meisten Leuten auch keine grosse Verunsicherung festzustellen.»

Food-Läden des Shopping Centers Schönbühl waren auch während Krise gut besucht

Gut lief auch die Wiedereröffnung im Pilatusmarkt in Kriens, wo ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr sehr hohe Frequenzen verzeichnet wurden. «Wir haben zwei sehr erfolgreiche Wochen hinter uns», sagt Centerleiter Thomas Hari. Zahlen will auch er keine nennen, es seien aber im zweistelligen Prozentbereich mehr Besucher als im Vorjahr gewesen.

Das Shopping Center Schönbühl durfte sogar seit Ausbruch des Corona-Virus in den noch geöffneten Läden mehr Besucher begrüssen als im Vorjahr.

Dafür gibt es einfache Gründe, wie es auf Nachfrage beim Management heisst. Das Shopping Center Schönbühl ist relativ Food-lastig. Unter dem Dach sind gleich vier der fünf grossen Detailisten – Coop, Migros, Aldi und Denner. «Bei den Food-Geschäften haben wir seit Ausbruch des Coronavirus eine anhaltend hohe Nachfrage festgestellt», sagt ein Verantwortlicher des Centermanagements. Nach dem Lockdown seien die Besucherzahlen anhaltend hoch gewesen.

Gartencenter werden gestürmt

Roland Jungo vom Emmen Center schreibt, dass grundsätzlich alle Geschäfte von der positiven Entwicklung profitieren würden. «Einen Run erleben die Gartencenter, Sportgeschäfte und die jungen Modesegmente. Verhaltener ist es im Moment in der Gastronomie.»

Auch im Pilatusmarkt seien die Kunden «durchs Band» in alle Geschäfte geströmt. Allen voran in Dienstleistungsanbieter wie Coiffeursalons und Nagelstudios. Aber auch der Baumarkt Coop Bau und Hobby wie auch die vielen verschiedenen Mode-Anbieter, Schuh- und Sportgeschäfte seien bevölkert worden. Allgemein habe man in allen Branchen eine «deutlich höhere Frequenz» gegenüber dem Vorjahr festgestellt.

Viele meiden den öV – und fahren lieber ins Einkaufscenter

Doch weshalb erging es den Giganten von Einkaufscentern besser als den kleinen Läden? Für André Bachmann ist das wenig überraschend. Der öffentliche Verkehr verzeichnete während des Lockdowns einen massiven Einbruch an Passagieren. Und auch jetzt meiden viele Bus, Zug und Co.

Viele Kundinnen und Kunden reisen in normalen Zeiten mit dem öV in die Stadt, sind Tagesgäste oder Shopping-Touristen, sagt Bachmann. «Die Aufenthaltsqualität und das Gesamterlebnis ist die Stärke der Innenstadt und sicher weniger die Erreichbarkeit mit dem Auto», sagt Bachmann.

Dieser Vorteil sei zurzeit weniger im Fokus, weil sich viele in ihrem Auto noch sicherer und wohler fühlen würden, als im öV unter fremden Menschen. Zudem bieten einige Einkaufscenter – wie die Mall in Ebikon – seit den Lockerungsschritten Gratisparkplätze an (zentralplus berichtete). «Besonders einschneidend für die Stadt Luzern ist die Tatsache, dass sich der Tourismus noch nahezu im Lockdown befindet. Dies Frequenzen und die damit verbundenen über 200 Millionen Umsatz im Jahr fehlen uns zur Zeit», gibt Bachmann zu bedenken.

Nach den ersten Tagen der Wiedereröffnung gab’s einen «minimalen» Einbruch

Doch halten die guten Besucherzahlen an? Wie Severin Pflüger vom Verband der Schweizer Filialisten gegenüber dem «Blick» sagte, hätten zwar in den ersten drei Tagen nach der Wiedereröffnung gleich viele Kunden die Geschäfte aufgesucht wie im Vorjahr. Bereits am Donnerstag und Freitag sei die Frequenz aber wieder gesunken.

André Bachmann bestätigt diese Beobachtung. Grund zur Unruhe hat er deswegen nicht. Auch sie hätten an ihrem Standort in Rothenburg einen miserablen Tag gehabt, während die Menschen vor der Landi gegenüber Schlange standen. «Ich würde keine Tendenzen wagen im Sinne von: Grosses Strohfeuer zu Beginn der Lockerung und dass der Hype nun schon vorbei ist.»

Für eine seriöse Auswertung sei der Betrachtungszeitraum zu kurz. Auch Vergleiche mit dem Vorjahr seien mit Vorsicht zu betrachten. Gerade im Mai und Juni sei die Lage der Feiertage entscheidend. «Ganz grundsätzlich macht es einfach Freude, dass die Menschen wieder unterwegs sind. Jetzt haben viele zwangsläufig entschleunigt, geben wir uns doch die Zeit, langsam und wohlüberlegt wieder Fahrt aufzunehmen», wünscht sich Bachmann.

Auch im Pilatusmarkt Kriens stellte man am Donnerstag nach der Wiedereröffnung einen «minimalen Einbruch» fest. Das hat laut Thomas Hari aber nichts mit dem Virus zu tun. «Der Donnerstag ist generell immer ein schwächerer Tag.»

Schlange stehen, warten und dabei Abstand halten ist Pflicht in den Einkaufscentern.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 700 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

3 Kommentare
  1. mebinger, 26.05.2020, 13:21 Uhr

    Offensichtlich haben wir nichts gelernt und noch nicht begriffen, dass uns die Kleinen am Leben erhalten und nicht die grossen mit ihrem Gift aus Südspanien und ihrem PR-Gag der Regionalität. Wir müssen zu den Kleinen schauen, die Grossen sind nicht loyal und hintergehen uns sobald wir uns nicht achten

    1. Hans Hafen, 26.05.2020, 14:03 Uhr

      Ich befürchte, Ihr Aufruf ist sinnlose Liebesmüh! Obwohl Sie durchaus recht haben! Man muss nur mal die Historie der Shopping-malls etwas genauer unter die Lupe nehmen. Dann merkt man zügig, wieso das Glitzerwundereinkaufsparadies im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erdacht, erprobt und flächendeckend eingeführt wurde. Der Untergang der Shoppingmalls ist allerdings längst eingeläutet, an deren Stelle treten nun die Online-shops. Der Akt des Einkaufens benötigt jetzt nicht mal mehr ein reales Gegenüber (sprich Verkäufer), alle Beziehungen zwischen Käufer und Verkäufer sind entkoppelt, entfremdet, entfesselt, in Unkenntlichkeit aufgelöst – eine Anti-Identität ist gewissermassen so entstanden. So wechselt das (Kredit-)Geld noch viel bedenkenloser und in noch absurderem Masse den Besitzer.

  2. Martin von Rotz, 26.05.2020, 10:22 Uhr

    An den Verfasser des Artikels – Bitte die Fakten immer noch einmal überprüfen. In der Mall of Switzerland sind die Parkplätze nicht mehr gratis!

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.