Regionales Leben

Grosse Solidarität in Zeiten von Corona
Luzerner Gastronomie erlebt kleines Weihnachtswunder

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Gastgeberin Michelle Beck und Spitzenkoch Raphael Tuor von der «Krone Blatten» in Malters freuen sich über die Solidarität ihrer Gäste.
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Gastgeberin Michelle Beck und Spitzenkoch Raphael Tuor von der «Krone Blatten» in Malters freuen sich über die Solidarität ihrer Gäste. (Bild: zvg / Krone Blatten)

Die Gastrobranche gehört zu den grossen Leidtragenden der Corona-Pandemie. Zahlreiche Luzerner Restaurants haben deswegen einen Gutschein ins Leben gerufen. Dieser kommt gut an – und sorgt bei den Restaurants für viele neue Gesichter an den Tischen.

Massnahmen, Schliessungen, Zertifikatskontrollen. Restaurants und Bars haben es wegen wechselnden Corona-Bestimmungen nicht einfach. Im vergangenen Winter wurde die Branche in Luzern schliesslich kreativ und sah die Krise auch als Chance. Ein Ergebnis daraus: der «Genussschein». Dieser funktioniert als Gutschein und kann aktuell in 33 voneinander unabhängigen Restaurants in und um Luzern herum eingelöst werden.

«Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach. Verschiedene Luzerner Gastronomen haben den Entschluss gefasst, dass man jetzt etwas unternehmen muss», sagte Simone Müller-Staubli (38), Mitinitiantin des Projektes Genussschein im November 2020 gegenüber zentralplus. «Schnell war man sich einig, dass man einen gemeinsamen Gutschein lancieren möchte. Für den Gast bietet das den Vorteil, dass er ihn an verschiedenen Orten einlösen kann.»

Ein Jahr später: Problem bleibt, Gutschein auch

Zeitsprung. Knapp ein Jahr später ist die Pandemie noch immer Thema Nummer 1. Und die Gastrobranche weit davon entfernt, sich erholt zu haben. Umso schöner aber, dass der Genussschein nach wie vor grossen Anklang findet. Das überraschte sogar Müller-Staubli. «Wir sind positiv überrascht, wie gut der Genussschein läuft», sagt sie auf Anfrage. Damit habe man nicht gerechnet. «Es zeigt, dass die Branche eine grosse Solidarität erfährt.»

Seit der Lancierung hat sich einiges getan. So sind zusätzliche Restaurants hinzugekommen und auch Kulturinstitutionen wie das KKL und das Luzerner Theater haben sich angeschlossen. Ziel ist es, dass sich die Unternehmen mit dem Genussschein selber helfen. Für die Beschenkten soll das Projekt ebenfalls einen Mehrwert haben, weil für sie die Auswahl der Betriebe grösser wird. Das steigert letztlich auch die Experimentierfreude.

Neue Gesichter an Luzerner Tischen

Beim Restaurant Seehaus Grill in Luzern sorgen die Gutscheine nämlich für viele neue Gesichter an den Tischen. «Wir fragen bei den Gästen jeweils nach, ob sie zum ersten Mal hier seien», erzählt uns «Seehaus»-Gastgeberin Sophie Scheiwiller. Die meisten davon geben an, den Gutschein genutzt zu haben, um eine neue Adresse auszuprobieren. «Das freut uns natürlich sehr.» Und weiter: «Bei uns wird der Gutschein mehrmals pro Woche eingelöst.»

Hat sich seit der Lancierung gut verkauft: Der Genussschein der Luzerner Gastro-Szene.
Hat sich seit der Lancierung gut verkauft: der Genussschein der Luzerner Gastro-Szene.

Auch bei einer anderen Adresse, beim Gasthaus Krone Blatten in Malters, ist der Gutscheintrend spürbar. Beim Gault-Millau-Betrieb, in dessen Küche der Spitzenkoch Raphael Tuor wirkt, werden die Genussscheine ebenfalls wöchentlich eingelöst. «Manche Gäste sind zum ersten Mal bei uns, andere nutzen die Gelegenheit, um uns mal wieder einen Besuch abzustatten», sagt die Gastgeberin Michelle Beck.

Über 100’000 Franken gingen an die Restaurants

Seit Lancierung im Vorjahr habe man Gutscheine im Wert von über 100’000 Franken verkauft, sagt Simone Staubli-Müller. Die Beträge gehen dabei vollumfänglich an die Betriebe. «Im Laufe des Jahres hat die Nachfrage sogar stetig zugenommen.» Auch das Weihnachtsgeschäft brummt – nicht nur für den Genussschein, sondern Gutscheine generell. Und zwar bei Privatpersonen als auch Firmen. «Vermehrt kaufen Firmen Gutscheine als Ersatz für die ausfallenden Weihnachtsessen», sagt Michelle Beck von der «Krone Blatten».

«Die Gutscheine retten uns zwar nicht im Alleingang das Weihnachtsgeschäft, aber sie sind eine tolle Wertschätzung der Gäste an unsere Branche.»

Michelle Beck, Gastgeberin «Krone Blatten»

Dies vor dem Hintergrund, dass aufgrund der gegenwärtigen Corona-Lage viele Betriebe darauf verzichtet haben, Firmenessen durchzuführen oder reservierte Anlässe wieder abgesagt haben (zentralplus berichtete). Somit gehen die Betriebe nicht ganz leer aus. Für diese Solidarität ist auch Michelle Beck dankbar. «Die Gutscheine retten uns zwar nicht im Alleingang das Weihnachtsgeschäft, aber sie sind eine tolle Wertschätzung der Gäste an unsere Branche.»

Die Genussscheine wurden im Vorjahr quasi aus der Not heraus geboren, sollen nun aber zu einem festen Bestandteil in der Luzerner Gastroszene werden. Also, selbst wenn die Aussichten nach den jüngsten Bundesratsbeschlüssen alles andere als rosig sind (zentralplus berichtete), so bleibt doch ein kleiner Silberstreif am Horizont. Oder um der Saison gerecht zu werden: ein funkelnder Weihnachtsstern.

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4 Kommentare
  1. Anton Schwingruber, 21.12.2021, 07:40 Uhr

    Wie tönt es, wenn das Weihnachtsgeschäft „brummt“??

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    1. Besser Wisser, 22.12.2021, 16:06 Uhr

      Brummm

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  2. Adaff, 19.12.2021, 18:22 Uhr

    Am Anfang des Artikels kommt noch zu wenig zum Ausdruck, wozu der Gutschein gut sein soll. Ich meine, was ist der Vorteil des Gutscheins gegenüber Bargeld, das ebenfalls in sämtlichen mir bekannten Gastrobetrieben ein gerngesehenes Tauschmittel darstellt? Wenn ich das nun richtig verstanden habe, geht es darum, dass Firmen ihren Angestellten für das ausgefallene Weihnachtsessen stattdessen einen Gastrogutschein ausstellen, damit diese selbst einmal ins Restaurant gehen. Ok, so weit, so gut, das Geld geht von derselben Quelle zum selben Ziel: Firmencheffinnen zu Gastrobetrieben. Was mir noch nicht klar ist, ist wieso dies zu neuen Gesichtern in den Restaurants führt. Wieso gehen die Leute nicht einfach in dasjenige Lokal, wo sie auch sonst ab und zu hingehen. Oder ist es einfach nur so, dass es den Wirtinnen eher auffällt, dass eine Gästin neu ist, wenn sie einen solchgestalten Gutschein mitbringt? Der Artikel regt definitiv zum Denken an! 😁

    E Guete zäme!

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    1. Redaktion Christian Bucher, 20.12.2021, 10:00 Uhr

      Herzlichen Dank für die Rückmeldung. Der «Vorteil», der ein Gutschein über Bargeld hat, liegt darin, dass er für den bestimmten Zweck oder im bestimmten Betrieb eingelöst wird. Wenn man mir eine Hunderter-Note in die Finger drückt, damit ich im Lokal X damit essen gehe, kann ich mich immer noch dazu entscheiden, das Geld stattdessen für neue Socken auszugeben. Das Restaurant hätte davon gar nichts. Über den vertieften Nutzen des Gutscheins klärt die im Artikel verlinkte Berichterstattung auf: https://www.zentralplus.ch/wie-die-luzerner-gastroszene-die-krise-als-chance-nutzen-will-1947923/

      Die Idee dahinter ist, dass der Gutschein für verschiedene Restaurants gültig ist. Sonst sind diese ja meist nur im selben Lokal akzeptiert. Mit einem Gutschein der «Krone» komm ich im «Ochsen» meist nicht weit, um ein fiktives Beispiel zu nennen. Der Genussschein kann derzeit in 33 Betrieben in Luzern eingelöst werden. Das führt wiederum dazu, dass Leute eine grössere Auswahl haben und so auch mal ein Restaurant ausprobieren, in dem sie zuvor noch nie waren. Es wird aber sicher viele geben, die ihn für ihr Stammlokal benutzen.

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