Luzerner Gastrobetriebe setzen auf eigene Testcenter
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Kein ödes weisses Zelt: Beim «Schweizerhof» wird im Zugwaggon getestet. (Bild: Hotel Schweizerhof / zvg)

Bei Rocker-Bar und im historischen Zugwaggon Luzerner Gastrobetriebe setzen auf eigene Testcenter

4 min Lesezeit 7 Kommentare 24.09.2021, 05:00 Uhr

Die Zertifikatspflicht sorgt vor allem bei Gastronomen teilweise für schlaflose Nächte. Einige Betriebe in Luzern sind aktiv geworden und haben eigene Teststationen aufgestellt. Mit teils kreativen Standorten.

In Schweizer Restaurants geht ohne Covid-Zertifikat gar nichts mehr. Nach den letzten Bestimmungen des Bundes gilt für Innenräume von Gastrobetrieben die 3G-Regelung: Alle Besucherinnen müssen also geimpft, getestet oder genesen sein. Wer aktuell ohne Zertifikat auswärts futtern möchte, muss entweder auf Take-away setzen oder – falls vorhanden – auf die Terrasse ausweichen.

Einige Lokale im Kanton Luzern haben nun die Initiative ergriffen und Testcenter aufgestellt. Aus jeweils unterschiedlichen Gründen und mit verschiedenen Lösungen.

Nicht nur Touristen testen sich im Zug

Zum Beispiel das Hotel Schweizerhof Luzern mitten in der Stadt. Hier wurde kurzerhand der Rigibahnwagen auf dem Vorplatz umfunktioniert. Anstoss für die Idee gab die Zertifikatslage im Ausland, wie Hoteldirektor Clemens Hunziker auf Anfrage erklärt: «Da die Impfausweise sowie Covid-19-Zertifikate von Drittstaaten in der Schweiz nicht anerkannt wurden, mussten wir rasch und pragmatisch eine Lösung haben.»

Und diese Lösung steht nun publikumswirksam und knallig rot vor dem Hotel. Wie erwartet ist das Testcenter vor allem bei den ausländischen Gästen sehr beliebt. «Wir konnten beispielsweise schon Hunderte US-Amerikaner direkt vor Ort testen.» Das Angebot kommt aber auch hierzulande gut an, wie ein Blick in die sozialen Medien zeigt.

«Für uns als Hotel Schweizerhof Luzern ist es ein Riesengewinn, ein Testcenter direkt vor Ort zu haben.»

Clemens Hunziker, Direktor Hotel Schweizerhof Luzern

Für den Testbetrieb spannt das Hotel mit der TopPharm Dr. Schmid’s See-Apotheke am Schwanenplatz zusammen. Die Idee sei vom Hotel gekommen, sagt Hunziker, und damit seien sie bei der Apotheke «mit offenen Armen» empfangen worden. Die rege Nutzung des Centers bedeutet aber auch Mehraufwand. «Die grösste Herausforderung war und ist es immer noch, Mitarbeitende zu finden, welche das Testcenter betreiben», so Hunziker.

«Für uns als Hotel Schweizerhof Luzern ist es ein Riesengewinn, ein Testcenter direkt vor Ort zu haben», so der Direktor weiter. Er ergänzt, dass dieses nicht nur für Hotel- und Restaurantgäste gedacht ist, sondern auch für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Was die Kosten betrifft, stellt das Hotel den Platz und den Wagen unentgeltlich zur Verfügung. Falls weitere Kosten anfallen, würden diese nach aktuellem Stand hälftig von Schweiz Tourismus übernommen werden, wie Direktor Hunziker erklärt.

Wer sich beim Schweizerhof-Center testen lassen möchte, tut dies idealerweise über den Anmeldungslink der betreibenden Apotheke.

Von der Stadt Luzern bis nach Rothenburg

Mit von der Testpartie ist auch die Astoria-Gruppe, die in Luzern nebst dem Hotel Astoria unter anderem die Restaurants Thai Garden, Pacifico und Mekong als auch die Penthouse Roof Top Bar betreibt. Die Gruppe wirbt in einem Newsletter mit einem Inhouse-Testcenter, das am Dienstag und Donnerstag jeweils über den Mittag und am Freitag- und Samstagabend geöffnet ist.

Auch in Rothenburg beim Ace Cafe wird getestet. «Bei uns könnt ihr eines der 3G abholen», verkündet Inhaber Dany Kunz in einem Facebook-Video. Zum Aufbau eines Testcenters hat er sich entschlossen, nachdem vielerorts von einer Zweiklassengesellschaft gesprochen wurde. «Die gibt es bei uns nicht», sagt Kunz im Video. Darin zeigt er auch gleich das Testzelt, dass – «Ace»-konform – in Schwarz daherkommt und vor dem Lokal aufgebaut wurde. Die Tests sind aktuell noch gratis und ein Resultat sei bereits nach 30 Minuten da. Das Testcenter ist vom Bund bewilligt und wird von Fachpersonal geführt.

Gastro Luzern begrüsst Initiative

Die Eigeninitiative der Gastronomen stösst beim Verband Gastro Luzern auf Zustimmung. «Wir unterstützen und begrüssen alle Massnahmen, welche durch Gastronomen oder Dritte zur Eindämmung der Pandemie führen und gleichzeitig das Leben mit Kultur bereichern», sagt Thomas Tellenbach, Leiter der Geschäftsstelle von Gastro Luzern. Er stellt jedoch auch klar: «Wir Gastronomen verstehen unsere Kernberufung jedoch weder als Ärzte noch als Polizisten.» Testen sei Sache der Kantone und des Bundes.

«In den städtischen Betrieben sollen die Gästezahlen zum Teil zugenommen haben. Auf dem Land hingegen sanken die Gästekonsumationen bis zu 30 Prozent»

Thomas Tellenbach, Leiter Geschäftsstelle Gastro Luzern

Die grundsätzliche Lage der Gastrobetriebe im Kanton zeigt seit der Zertifikatspflicht einen Stadt-Land-Graben. «In den städtischen Betrieben sollen die Gästezahlen zum Teil zugenommen haben. Auf dem Land hingegen sanken die Gästekonsumationen bis zu 30 Prozent», sagt Tellenbach. Mit den sinkenden Aussentemperaturen werden auch sinkende Umsätze erwartet. Denn ungeimpfte Gäste können aktuell noch auf Terrassen verweilen – im Spätherbst und Winter dürfte es aber wohl selbst den härtesten Winterfans zu kalt werden.

Wie also sieht eine mögliche Lösung für die Betriebe in ländlichen Regionen aus? Thomas Tellenbach: «Für einen Teil der Umsatzausfälle der von den Einschränkungen betroffenen Betriebe auf dem Land müssen der Bund und die Kantone aufkommen.»

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7 Kommentare
  1. hegard, 25.09.2021, 09:03 Uhr

    Anscheinend sollten die Politiker mehr auf die guten Ideen der Wirte hören,sie könnten noch was lernen

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  2. Fabrizio, 24.09.2021, 08:50 Uhr

    Wenn es wirklich medizinisch Sinn mache würde, hätte ich noch ein wenig Verständnis dafür gehabt. Sowas unterstütze ich jetzt aber aus Prinzip nicht und meide die Gastrobetriebe! Ich hätte ehrlich gesagt schon ein wenig Resistenz von den Gastronomen erwartet, jetzt müssen Sie halt mit den Konsequenzen leben, sorry!

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    1. Kasimir Pfyffer, 24.09.2021, 09:25 Uhr

      Die Gastronomie wurde mit Kurzarbeitsentschädigung und Härtefallgeldern über Wasser gehalten. Die monatelang beschworene Pleitewelle hat es bis heute nicht gegeben. Es wird keinen weiteren Lockdown geben und mit Zertifikat kann man drinnen endlich ohne Maske essen. Die MEHRHEIT der erwachsenen Bevölkerung und damit die MEHRHEIT der Kundschaft ist geimpft. Und was fällt Gastro Luzern dazu ein? Jammern und Täubelen und Trötzelen und nach noch mehr Gratisgeld vom Bundes-Mami schreien. Lächerlicher Verein.

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      1. hegard, 24.09.2021, 11:47 Uhr

        Ich weiss nicht wer hier lächerlich ist.
        Man sollte alles lesen wenn man kann. Oben steht, dass in Luzern 40% geimpft sind. Fakt ist, dass Geimpfte trotzdem Infekte verschleppen können und so lange die Geimpften und Genesenen keinen Test machen, werde ich mich auch nicht in einem solchen Raum aufhalten.
        Dann muss ich mir auch das Geschwurbel nicht anhören, ich bin kein Psychiater.

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      2. hegard, 24.09.2021, 11:50 Uhr

        So wie’s aussieht gibt’s in Luzern intelligente Wirte.

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    2. hegard, 24.09.2021, 11:58 Uhr

      Von welchem Medizinischen Sinn redest du

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      1. Fabrizio, 24.09.2021, 17:18 Uhr

        Für was haben die Gastronomen tausende von Franken für Schutzmassnahmen ausgegeben, wenn diese ja wenig nützen? Wollen Sie mir denn wirklich sagen ohne Maske wird das Virus in Innenräumen nicht weitergegeben? Auch nicht durch geimpfte? Es geht hauptsächlich den Impfdruck zu erhöhen und nichts anderes! Deshalb finde diese Mogelpackung nicht korrekt!

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