Luzerner Frauenstreik-Komitee: «Wir wollen endlich wieder Lärm machen»
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Der 14. Juni 2019 gehörte den tanzenden und lauten Frauen – auch dieses Jahr soll es wieder laut werden. (Bild: ida)

Bereits zum Kick-off-Event geladen Luzerner Frauenstreik-Komitee: «Wir wollen endlich wieder Lärm machen»

4 min Lesezeit 15.01.2021, 14:55 Uhr

Sie verstummen auch in diesem Jahr auf keinen Fall: Frauen, welche die tatsächliche Gleichstellung zwischen Mann und Frau fordern. In Luzern rüstet sich das Komitee bereits jetzt für den diesjährigen 14. Juni.

«Viva la Vulva!»

«Taten statt Worte»

«Ist mir grosse Ehre von gleicher Sorte zu sein.»

Der 14. Juni gehörte den Frauen, als 2019 Tausende auf die Strassen zogen und Lärm für mehr Gleichstellung machten (zentralplus berichtete).

Doch Gleichstellung ist noch lange nicht erreicht, findet das Luzerner Frauenstreik-Komitee und lud deswegen am Donnerstagabend zum coronakonformen Kick-off per Zoom. Wie wild wurde gebrainstormt, was Luzern am diesjährigen Frauenstreik erwarten könnte. «Wir hoffen, dass wir dieses Jahr wieder mehr Menschen mobilisieren können als letztes Jahr», sagt Amanda Probst vom Luzerner Frauenstreik-Komitee gegenüber zentralplus. Denn der letztjährige Tag wurde nicht ganz so gross wie erhofft. Wegen Corona.

Nach einem eher leisen Jahr wollen die Frauen wieder laut werden

War man 2019 laut, blieb man letztes Jahr leise, wenn auch sichtbar: Auf einer Frauenmeile, die durch die Stadt führte, konnten die Erinnerungen an den Frauenstreik aufgefrischt werden (zentralplus berichtete). «Auch dieses Jahr wollen wir wieder sichtbar sein, für unsere Forderungen einstehen. Und was wir vor allem machen wollen: Wir wollen Lärm machen», sagt die 30-Jährige. Das habe sich auch beim Online-Meeting, an dem 26 Personen teilnahmen, gezeigt.

«Es kam ein Strauss an Ideen zusammen», sagt Probst. Zum Beispiel, Marktstände zu Gleichstellungsthemen in der Stadt aufzustellen, Statuen zu bekleiden. Oder mit dem Motiv des Wassers zu spielen: «Eine Idee war, kleine Flosse mit Nachrichten zu bauen, die wir die Reuss runterlassen. So wollen wir zeigen: Die Gleichberechtigung geht den Bach runter.»

«Wenn jemand Lust hat, am 14. Juni mit Pfannendeckeln und Trillerpfeifen Lärm zu machen: dann unbedingt!»

Letztes Jahr plante das Komitee eine lila Woche. Man wollte eine Woche lang jeden Tag etwas Auffallendes machen. Auch dieser Gedanke flammte am Kick-off-Event wieder neu auf: Die lila Woche könnte dieses Jahr so gestaltet werden, dass täglich an einem anderen Ort im Kanton was läuft. So will man insbesondere auch die Bevölkerung in eher ländlicheren Teilen Luzerns erreichen.

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Auch der Vorschlag, eine Perlenkette um das Seebecken zu bilden, wurde gemacht. Eine solche Aktion gab es 2019 bereits am Sempachersee (zentralplus berichtete). «Wir würden uns aber nicht an den Händen halten, sondern mehr mit Transparenten und Fahnen arbeiten.»

Doch das sind allesamt eher ruhigere Aktionen. Probst ergänzt: «Konzerte und öffentliche Reden kamen auch immer wieder aufs Tapet. Und wenn jemand Lust hat, am 14. Juni mit Pfannendeckeln und Trillerpfeifen Lärm zu machen: dann unbedingt!»

Amanda Probst engagiert sich im Komitee des Luzerner Frauenstreiks. (Bild: zvg)

Gleichstellungsbericht wird bald erwartet

Allzu sehr ins Detail kann Probst noch nicht gehen. In einem nächsten Schritt findet Ende Januar eine Online-Sitzung mit allen Deutschschweizer Kollektiven statt, wo auch kantonsübergreifende Aktionen aufeinander abgestimmt werden können. Mitte Februar trifft sich das Luzerner Frauenstreik-Komitee dann erneut.

«Die Pandemie hat unsere Forderungen nur noch mehr verstärkt.»

Auch im Hintergrund werden die Frauen weiterhin aktiv bleiben: Bald wird der Gleichstellungsbericht erwartet. Mittels Petition forderte das Komitee nach dem lauten Aufschrei, dass ein ausführlicher Gleichstellungsbericht erarbeitet werden soll. Selbst die Regierung hat dem Anliegen zugestimmt und den Bericht in Auftrag gegeben (zentralplus berichtete).

Corona verschärft die Situation von Frauen

Provokative Stimmen fragen sich, ob es denn mit der Gleichstellung nicht endlich reicht. Probst dazu: «Die Pandemie hat unsere Forderungen nur noch mehr verstärkt.» Gerade Frauen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und in diesen die Mehrzahl bilden, werden von der Krise hart getroffen. Es sind Pflegefachfrauen, Lehrerinnen, Reinigungskräfte, Frauen im Detailhandel und in der Pflege. Berufstätige Mütter, die einer Doppelbelastung ausgesetzt sind.

«Meiner Meinung nach sind unsere Forderungen so akut wie schon lange nicht mehr. Vor zwei Jahren habe ich die Situation von Frauen als nicht so schlimm wie momentan empfunden.» Auch der Tenor in den Sitzungen mit anderen engagierten Frauen habe das gezeigt. «Und weil wir in einer sehr privilegierten Stellung sind, müssen wir uns für die Rechte derjenigen Menschen einsetzen, denen die Zeit, die Kraft und die Ressourcen fehlen.»

Kick-off spornte Komitee an

Das erste Online-Meeting, zu dem das Frauenstreik-Komitee lud, habe gutgetan, sagt Probst. «Es war sehr schön, altbekannte und auch neue Gesichter zu sehen. Und endlich wieder das Gefühl von Empowerment zu spüren, dass es viele Menschen in Luzern gibt, die sich weiterhin engagieren wollen.»

Auch wenn vieles für dieses Jahr noch ungewiss ist, so dürften wir auf den diesjährigen 14. Juni gespannt sein. «Wir werden auch 2021 laut bleiben.» Das nahmen die Teilnehmenden zum Anlass, sich virtuell mit Dosenbier, Tee oder einem Glas Rotwein zuzuprosten.

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