Luzerner Filmemacher nutzen die Coronakrise für Dreharbeiten
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Die Luzerner Filmemacher Beeler, Stäuble, Brentini und Raeber: von grimmig über hungrig bis froh. (Bild: Jonas Raeber)

Filme aus Luzern kommen auf neuen Streamingdienst Luzerner Filmemacher nutzen die Coronakrise für Dreharbeiten

4 min Lesezeit 1 Kommentar 30.12.2020, 19:51 Uhr

Während die Swisspor-Arena in Luzern coronabedingt grösstenteils leer stand, haben vier Luzerner Filmemacher die Gelegenheit genutzt, um darin einen Kurzfilm zu realisieren. Dieser wird nun mit 24 anderen Werken auf einem neuen Schweizer Streamingdienst gezeigt.

Die Zuschauerränge der Luzerner Swisspor-Arena sind verwaist – bis auf drei Männer, die stumm erst einem Rasenpfleger und dann dem Match folgen. Ein dokumentarischer Blick auf die Zeit, als 50 Personen an Sportanlässen erlaubt waren? Nicht ganz.

Während viele FCL-Fans in den vergangenen Monate auf Stadionentzug gesetzt wurden, beschreibt Jonas Raeber, einer der drei Herren in den leeren Rängen, das Erlebnis als «grossen Spass». Denn die obige Szene stammt aus seinem Kurzfilm «Die dritte Welle», der im Rahmen der Schweizer Kurzfilmausschreibung «Lockdown Collection – Swiss Filmmakers» entstanden ist.

Wenig Zeit für wenig Aufwand

Der rund 5-minütige Kurzfilm vereint gleich vier Luzerner Filmemacher vor der Kamera. Nebst dem Trickfilmer Jonas Raeber waren auch die Dokumentarfilmer Edwin Beeler und Andreas Stäuble federführend beim Projekt. Und als quasi Edelstatist hat das Trio noch Neuregisseur Claudio Brentini vor die Linse geholt, der im Sommer sein Filmdebüt über den Luzerner Shaolinmeister Roger Stutz der Öffentlichkeit präsentierte (zentralplus berichtete).

Das Projekt initiiert hat Edwin Beeler. «Er wurde über die Ausschreibung informiert und hat mich gefragt, ob ich mitmachen möchte», erinnert sich Raeber. Da die beiden schon lange zusammen arbeiten wollten, habe er zugesagt. Die Idee der Geschichte lieferte dann Raeber, der zwar kein Fussballfan ist – das letzte Mal sei er im Alter von 11 an einem FCL-Match gewesen – der aber dieses spezifische Bild vor Augen gehabt hat.

Fussball in Zeiten von Corona. Der ganze Film wurde in dieser einen Einstellung gedreht. (Bild: ddw.news)

48 Stunden nach Start der Ausschreibung musste das Exposé auch schon bei den Projektverantwortlichen eingegeben werden. Der eigentliche Dreh selbst sei nicht viel Aufwand gewesen. «Wir haben den ganzen Film an einem Morgen in der Swisspor-Arena gedreht.» Geschnitten wurde er von Schäuble dann anschliessend über Nacht. Vier Tage später landete der fertige Film schon auf dem Tisch der Verantwortlichen des Wettbewerbs.

«Es wäre schön, wenn der Film ein Publikum findet.»

Jonas Raeber, Filmemacher

Der Dreh sei «eine relativ unspektakuläre Sache» gewesen, wie Raeber lachend zugibt. Die Zusammenarbeit mit den Stadionverantwortlichen verlief «toll und unkompliziert» und das Wetter hätte auch mitgespielt. Einzig Brentinis Auftritt als Rasenpfleger hätte ursprünglich auf einem motorisierten Rasenmäher stattfinden sollen. Da keiner zur Verfügung stand und eine alternative Idee buchstäblich im nassen Rasen versumpfte, hat man ihn halt einfach über den Rasen laufen lassen und den Rest über den Ton gelöst.

Den vier Filmemachern sei es wichtig gewesen, einen leichten Film zu machen. «Quasi als Kontrapunkt zur echten Tragödie», wie Raeber sagt. Wie es mit dem Kurzfilm nach der Auswertung beim neuen Schweizer Streamingdienst «Play Suisse» des SRF weitergeht, weiss er noch nicht. «Vielleicht haben meine Kollegen noch weitere Pläne damit», so Raeber. «Es wäre schön, wenn der Film ein Publikum findet.»

Das Spiel mit der Maske

Als zweiter Zentralschweizer Beitrag hat es der zehnminütige Film «Dilemmas» der gebürtigen Stanser Regisseurin Thaïs Odermatt in die Auswahl geschafft. Odermatt absolvierte die Videoausbildung an der Hochschule Luzern, Design & Kunst und ist heute als freischaffende Filmkünstlerin tätig.

Sie stellt in ihrem Werk einen Blick drei maskierte Protagonisten – einen Jodler, eine Kirchengängerin und eine Partybesucherin – ins Zentrum und lässt sie in stilisierten Umgebungen erzählen, wie sie mit ihrem positiven Coronabescheid umgegangen sind.

«2nd Wave» – Die zweite Welle

Der Dezemberwettbewerb von «Lockdown Collection – Swiss Filmmakers» ist die Fortführung eines Projekts, das im Frühling seinen Anfang genommen hat. Unter der Leitung der drei Filmproduzenten Frédéric Gonseth, Michael Steiger und Michela Pini sei schnell eine ganze Kollektion von Kurzfilmen entstanden, wie sie in einer Mitteilung schreiben. Manche davon hätten es gar an das Filmfestival Locarno geschafft.

Die Begeisterung am Projekt und die Qualität der Werke habe schliesslich den Ausschlag gegeben, eine zweite Runde einzuläuten, die im Dezember unter dem Begriff «2nd Wave» lief. «Mit diesem Projekt wollen wir unseren Filmschaffenden die Möglichkeit geben, ihre Gefühle und Sichtweisen auszudrücken», erklärt Michela Pini den Gedanken hinter dem Wettbewerb in einer Mitteilung.

Bei dieser «zweiten Welle» im Dezember haben über 140 Filmschaffende aus allen Regionen der Schweiz teilgenommen. Nebst den beiden Luzerner Beiträgen wurden 23 weitere Filme in die engere Auswahl genommen und sind seit Dienstag auf dem Schweizer Streamingdienst Play Suisse abrufbar.

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1 Kommentare
  1. Ursi, 31.12.2020, 17:50 Uhr

    Gut geschrieben! So wird das Stadion mal sinnvoll genutzt.

2021-01-20 22:25:59.490591