Luzerner Event-Unternehmerin: «Wie kann man da von Unterstützung sprechen?»
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Haben mittlerweile seit einem Jahr keine Arbeit mehr: Adrian und Petra Villiger aus Neuenkirch. (Bild: zvg)

Branche fast ohne Coronahilfen und Perspektiven Luzerner Event-Unternehmerin: «Wie kann man da von Unterstützung sprechen?»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 10.03.2021, 20:00 Uhr

Obwohl eine Eventtechnik-Firma aus dem Kanton Luzern seit einem Jahr nicht mehr arbeiten kann, erhält sie kaum Unterstützung vom Staat. Deshalb fordert die Inhaberin nun gleich lange Spiesse wie Betriebe aus anderen Branchen.

«Wir wollten uns eigentlich nicht an die Presse wenden. Doch wir fühlen uns im Stich gelassen und sehen keine andere Möglichkeit, um unserem Anliegen Gehör zu verschaffen», sagt Petra Villiger, als wir sie anrufen, nachdem sie zentralplus ein E-Mail zukommen liess.

Zusammen mit ihrem Bruder Adrian betreibt Villiger in Neuenkirch eine Firma für Veranstaltungstechnik. Adressiert ist ihre Botschaft an die Luzerner Politik, die nach Villigers Ansicht betreffend Coronahilfen zu wenig für die Dutzenden von Firmen ihrer und verwandter Branchen unternimmt.

«Wir waren von der Pandemie als Erstes betroffen und werden wohl zu den Letzten gehören, die wieder normal arbeiten können», sagt Villiger. «Wir haben im Jahr 2020, trotz gutem Januar und Februar sowie einer Umorientierung in neue Bereiche wie Streaming einen Umsatzverlust von rund 65 Prozent gemacht und sind somit ein klarer Härtefall.» Denn mit der Zeit hätten viele Kunden gemerkt, dass sie das Streaming auch selber machen und damit Geld sparen können.

Technik für (internationale) Konferenzen

«Das Problem ist, dass unsere Firma nicht zu den behördlich geschlossenen Firmen gehört.» In anderen Worten: Die Tätigkeit der Villigers ist zwar erlaubt, aber wenn sich nicht mehr als fünf Personen treffen dürfen, gibt es keinen Markt für ihre Dienstleistung. Diese wird laut Villiger erst bei Veranstaltungen ab 20 Personen angefordert. Folglich sei es im vergangenen Spätsommer, als die 1000er-Grenze aufgehoben worden war, zwischenzeitlich super gelaufen.

«Der Antrag war sehr mühsam und hat uns viel Zeit und auch etwas Geld gekostet.»

Spezialisiert hat sich das Unternehmen nämlich insbesondere auf Kongresse und Konferenzen, wo es unter anderem für Simultanübersetzungen zuständig ist, falls der Anlass international ausgerichtet ist. Und hier liegt bereits das nächste Problem des Kleinbetriebs. Denn so lange Reisebeschränkungen und Quarantäneregeln gelten, werden diese Anlässe wohl nicht so rasch zurückkommen. Oder, anders gesagt: Während die Menschen im Herbst vielleicht wieder in den Beizen und Bars sitzen, bleibt die Familie Villiger weiterhin zum Nichtstun verdammt.

Viel gearbeitet, aber nichts erhalten

Frustriert ist sie vor allem, weil das Unternehmen viele abgesagte Events geplant und vorbereitet hatte. «Wir haben zwar wie immer viel gearbeitet, erhielten am Ende aber nichts dafür.» Und im Gegensatz zu Gastrobetrieben, die je nach Situation auf Take-away umstellen können, um zumindest etwas Liquidität zu generieren, sind der Event-Firma die Hände gebunden.

Wie Tausende andere Unternehmerinnen in der Schweiz hat sich auch Petra Villiger früh an die zuständige kantonale Stelle gewandt. «Der Antrag war sehr mühsam und hat uns viel Zeit und auch etwas Geld gekostet», erzählt sie. Die Aufwände ergaben sich aus den Kosten für den Betreibungsregisterauszug sowie durch den Einbezug des Treuhänders, der die teils komplizierten Antragsformulare ausgefüllt habe.

Das Ergebnis der Bemühungen: 3000 Franken A-fonds-perdu-Beiträge sowie ein Kredit über 27’000 Franken vom Kanton. «Wie kann man da von Unterstützung sprechen?», fragt Villiger rhetorisch. Erstaunt sei sie auch gewesen, dass sie nicht selber wählen konnte, auf welches Konto das Geld überwiesen wird. «Der Kanton hat für uns die Bank ausgesucht», führt Villiger aus.

Gefordert sind gleich lange Spiesse

Auch wenn sie eigentlich nicht über andere Branchen sprechen und Vergleiche anstellen möchte, betont Villiger, dass sie die Verteilung der Coronahilfen im Kanton Luzern als ungerecht empfindet. Zur Erinnerung: Aktuell erhält beispielsweise ein Restaurant als behördlich geschlossener Betrieb eine nicht zurückzuzahlende Fixkostenentschädigung von maximal zehn Prozent des durchschnittlichen Umsatzes der Jahre 2018 und 2019. Das können mehrere 10’000 Franken sein.

«So lange Schutzbestimmungen gelten, ist für uns der Aufwand um einiges grösser.»

Damit könnte auch Petra Villiger gut leben, wie sie sagt. 45’000 Franken für die Mieten und andere fixe Auslagen für ein Jahr würden ihr genügen. Und sie darf zumindest hoffen. Denn der Kantonsrat wird sich kommende Woche mit einer Ausweitung der Entschädigungszahlungen befassen. Konkret geht es darum, dass Härtefälle mehr A-fonds-perdu-Beiträge erhalten sollen. Der Antrag wird wohl durchkommen.

Das Problem der fehlenden Perspektive

Für Petra Villiger und ihre Firma ist dies insofern wünschenswert, da sie damit rechnet, dass sie auch mittelfristig weniger Gewinn machen wird. Auch wenn die Events wieder stattfinden. «So lange Schutzbestimmungen gelten, ist für uns der Aufwand um einiges grösser. Schutzkonzepte müssen erarbeitet und eingehalten werden, Dolmetscher in getrennten Kabinen sitzen, Veranstaltungen in grösseren Hallen geplant werden», blickt Villiger in die Zukunft. «Leider sind viele Veranstalter wohl nicht bereit oder dazu in der Lage, mehr für unseren Service zu bezahlen.»

Wichtig wäre eine bessere Unterstützung für die Firma auch, weil sie aufrüsten müsse, um künftig auf der Höhe der Zeit zu sein. «Bekommen wir vom Kanton nicht mehr Hilfe, weiss ich nicht, wie wir das stemmen sollen. Denn unserer Reserven haben wir bis zum Ende der Pandemie bestimmt aufgebraucht», sagt Petra Villiger zum Schluss. «Zwar können wir uns irgendwie durchhangeln, bis bessere Zeiten kommen, aber die fehlende Perspektive macht uns und den Kollegen in der Branche schwer zu schaffen.»

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1 Kommentare
  1. aurelio, 10.03.2021, 23:23 Uhr

    ist brutal! reserven nutzen nicht auf mehr geld hoffen. wenns doch kommt sich freuen und nich wieder mehr vordern. einige bekommen gar nix. froh sein über jeden frsnken. brutale zeit. allen viel glück mut.

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