Luzerner Durchgangsbahnhof: Wohin mit den Autos?
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Ein Teil der Parkplätze am Luzerner Bahnhof verschwindet wohl 2030. (Bild: jal)

Parkhaus muss weichen Luzerner Durchgangsbahnhof: Wohin mit den Autos?

4 min Lesezeit 4 Kommentare 22.12.2020, 05:00 Uhr

Mit dem Durchgangsbahnhof verändert sich das Gesicht von Luzern markant. Bald sollen Studien zeigen, wie das Gebiet um den Bahnhof künftig aussehen könnte. Das Mammutprojekt lässt grüne Träume genauso wach werden wie Befürchtungen der Autolobby.

Für alle Pendler, Zugtouristen und Ausflügler mit dem öffentlichen Verkehr wird er ein Quantensprung sein: der Luzerner Durchgangsbahnhof (DBL). Wie wichtig das Projekt für die Zentralschweiz ist, zeigte kürzlich diese Episode: Sowohl im National- wie auch im Ständerat haben Luzerner Politiker Vorstösse lanciert, nachdem in einem Arbeitspapier des Bundes von einer Etappierung die Rede war (zentralplus berichtete).

Doch auch die Autofahrer werden die Folgen zu spüren bekommen. Mit Beginn des Baustarts – voraussichtlich 2030 – wird das gesamte Bahnhofparking P1 nicht mehr zur Verfügung stehen. Die mehrstöckige Tiefgarage unter dem Bahnhofplatz muss der neuen Perronanlage weichen – voraussichtlich fallen 377 Parkplätze weg.

Und damit ein wichtiger Zugang nicht nur für Bahnreisende, sondern auch für Gäste des KKL oder Passagiere der Schifffahrt. Ob, wo und in welcher Zahl die Parkplätze kompensiert werden, ist nach wie vor offen. Das schreibt der Luzerner Regierungsrat in seiner Antwort auf eine Interpellation von SVP-Kantonsrat Daniel Keller.

Ersatzfrage ist noch ungeklärt

Die Tiefgarage Bahnhofplatz AG möchte bestenfalls alle Parkplätze ersetzen – mitsamt direktem Zugang zu Bahnhof und KKL. Mögliche Alternativen hat das Unternehmen bereits evaluiert, wie es Anfang Jahr gegenüber «SRF Regionaljournal» festhielt.

Ob die Stadt dem nachkommt, wird sich allerdings zeigen. Die Frage, wie viele Parkplätze es künftig noch braucht und wo sie am besten platziert werden, soll die Testplanung klären, die letzten Frühling gestartet wurde. Ob das Parkhaus an einem anderen Ort ersetzt wird, will der Luzerner Stadtrat bewusst erst basierend auf den Erkenntnissen aus der Testplanung sowie der anschliessenden Mitwirkungsphase entscheiden.

Riesige Areale im Zentrum von Luzern werden frei, wenn die SBB die Gleisareale nicht mehr benötigt.

Der Regierungsrat betont, dass dabei auch die Bedürfnisse von KKL und Schifffahrtsgesellschaft zu berücksichtigen seien. Im Austausch mit der Stadt Luzern habe er zudem «wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass der Bedarf nach einer zureichenden Zahl von Parkplätzen in unmittelbarer Bahnhofsnähe hoch ist.»

Der Kanton hält den Druck in Sachen Autoparkplätzen also aufrecht. Und er verspricht, das Thema auch 2021 wieder aufzugreifen, wenn die Ergebnisse der Testplanung vorliegen. Das rät er in einem Nebensatz auch den Betroffenen. «Im Übrigen ist es auch Sache des KKL und weiterer Betroffener, sich für ihre Interessen bei der Stadt Luzern stark zu machen.»

Regierung hält Druck aufrecht

Insofern beruhigt er SVP-Kantonsrat Daniel Keller, der sich um die Autofahrer sorgt. «Auch im Zeithorizont des DBL muss der Bahnhof mit dem motorisierten Individualverkehr weiterhin erreichbar und mit einer genügend grossen Anzahl Parkplätze im direkten Bahnhofsumfeld ausgestattet sein», schreibt der Regierungsrat. «Auch wenn eine Reduktion der Parkplatzzahl im unmittelbaren Bahnhofsumfeld nicht zum Vornherein auszuschliessen ist.» 

Letztlich ist es aber die Stadt, die für die Planung der Parkplätze zuständig ist. «Die direkten Einflussmöglichkeiten auf kantonaler Stufe sind gering», räumt der Regierungsrat ein.

Die Resultate der drei Teams, die derzeit Zukunftsbilder für den Bahnhof und seine Umgebung erarbeiten, will die Stadt Luzern im Februar 2021 veröffentlichen. Anschliessend gibt es eine Mitwirkung, bei der sich Parteien, Bevölkerung und Betroffene äussern können (siehe Box).

Testplanung – die nächsten Termine
  • Montag, 1. Februar 2021, von 17.30 bis 19 Uhr: Öffentliche Informationsveranstaltung (digitale Durchführung)
  • Montag, 22. Februar, bis Ende April 2021: Ausstellung zum Durchgangsbahnhof und zu den Ergebnissen der Testplanung im Bahnhof Luzern (Ausstellungsfläche vor Coop im Untergeschoss)
  • Dienstag, 16. März 2021, abends: Podiumsdiskussion im Neubad, organisiert durch Hochparterre
  • Donnerstag, 25. März 2021, zirka 16 Uhr, und Dienstag, 20. April 2021, zirka 16 Uhr: Rundgang im Bahnhof Luzern mit Erläuterungen zur Testplanung

Begehrte Gleisanlagen

Eine Alternative hat kürzlich die städtische SVP ins Spiel gebracht: Sie fordert ein neues Parkhaus. Und zwar auf den Gleisanlagen, die dank des Durchgangsbahnhofs frei werden (zentralplus berichtete).

Wie so oft, wenn Raum für Neues entsteht, ist auch dieser Platz indes eine Projektionsfläche verschiedener politischer Visionen. Während die SVP Parkplätze herbeisehnt, wünschen sich die Grünen einen Stadtpark nach Vorbild des Central Park (zentralplus berichtete). Es dürfte nicht die letzte Forderung sein, die im Zusammenhang mit der Altstadt-grossen Fläche aufkommt.

Bereits seit Längerem steht zudem die Idee im Raum, über den Gleisen einen Busbahnhof zu realisieren. Obwohl die Zu- und Wegfahrten und allfällig längere Fahrzeiten Fragen aufwerfen, ist die Idee nicht vom Tisch. Der Kantonsrat hat letzten Frühling ein Postulat von Norbert Schmassmann überwiesen, das diese Option insbesondere auch für die Bauzeit anregt.

Die Testplanung soll daher auch eingehender klären, wie eine solche Überdeckelung aussehen und wofür sie genutzt werden könnte. Ob ein Busbahnhof Sinn macht, hängt allerdings auch stark vom künftigen Angebot ab. Bekanntlich schafft der Durchgangsbahnhof Platz für mehr S-Bahn-Verbindungen. Der Verkehrsverbund Luzern plant im Zusammenhang mit dem Durchgangsbahnhof die Studie «Bus 2040»: Sie soll aufzeigen, welche Folgen der dichtere S-Bahn-Fahrplan auf das Busnetz hat. Das Busangebot könne dadurch «kantonsweit neu gedacht werden», so die Regierung.

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4 Kommentare
  1. Rudolf, 23.12.2020, 09:14 Uhr

    Der neue Durchgangsbahnhof gehört nach Emmen. Damit erhält diese Stadt ein gleichwertiges Zentrum in der Agglomeration Luzern.

  2. Kaufmann, 22.12.2020, 12:43 Uhr

    Es gibt nur eine Antwort = NEU auf das Projekt LUZERN BAHNHOF NORD Seetalplatz setzten.
    Der DBL wird für unsere Generation ein Moloch und für die nächste zu klein.
    Das Kosten-Nutzenverhältnis stimmt schon heute nicht.

  3. Walter Albrecht, 22.12.2020, 10:10 Uhr

    So langsam dämmert es den Enthusiasten für den DBL, was dieses gigantische Projekt an Kosten,
    Einschränkungen und Verwerfungen für die Agglomeration Luzern und insbesondere für die Stadt
    mit sich bringen wird. Man hat Vorschläge für eine wirkliche Durchmesserlinie Nord-Süd über Stans,
    Bahntunnel Seelisberg und nach Erstfeld längst abgelehnt. Dabei hätte man in Emmenbrücke und
    beim Mattenhof die Bahnhöfe entsprechend ausgebaut, wo man leicht auf die Schnellzüge nach Norden und Süden umsteigen könnte. Die Fahrt in den Süden wäre um fast eine Stunde kürzer.
    Auch das Projekt Bahnhof Nord wurde verworfen, wie auch die Überlegungen einer Metro vom
    Bahnhof Luzern nach Ibach und Emmenbrücke. Diese Projekte wären auch teuer, aber ohne die
    massiven Einschränkungen auf sehr lange Zeit realisierbar gewesen.

  4. Rudolf, 22.12.2020, 06:23 Uhr

    Parkhäuser gehören nicht ins Zentrum.

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