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Luzerner dreht Doku fürs Gästival
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Christian Macek bei den Dreharbeiten auf dem Stanserhorn. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Gästival – Zentralschweizer Tourismusfestival Luzerner dreht Doku fürs Gästival

4 min Lesezeit 17.02.2015, 09:56 Uhr

Der Luzerner Christian Macek produziert mit Kameramann Stefan Schöbi einen Dok-Film für das Gästival. Im Film werden Menschen porträtiert, welche direkt oder indirekt vom Tourismus leben. Während des Drehs hat Macek sowohl witzige als auch traurige Momente erlebt.

An der Industriestrasse 17 hat Christian Macek seinen Schnittraum. Ein Sofa, ein Gestell, einen Tisch, zwei grosse Bildschirme. Der 38-Jährige arbeitet in einem Durchgangsbüro. Weiter hinten befinden sich ein Proberaum, ein Atelierraum und ein Fotostudio. «Hier arbeiten noch andere Leute», sagt Macek. An einem Wäscheständer trocknen Socken. «Ein kreatives Chaos ist manchmal gut.»

Dem Tourismus ein Gesicht geben

Christian Macek schneidet in seinem Büro momentan an einem anspruchsvollen Projekt. Einen Dok-Film für das in diesen Frühlings- und Sommermonaten stattfindende Gästival – das grosse Zentralschweizer Tourismusfest. Hauptattraktion des 200-Jahr-Jubliäums wird die pinke Seerose sein, eine grosse, schwimmende Plattform, die in allen Kantonen andocken wird. In Luzern etwa vom 29. Mai bis 21. Juni 2015. 

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Der Dok-Film schaut hinter die Kulissen der Zentralschweizer Tourismusindustrie. «Eigentlich sind es mehrere Porträts, welche dann im Film zusammenfinden. Daraus ein Ganzes zu machen, das die grosse Herausforderung», sagt Macek. Die Produktion hat ein klares Ziel: Sie soll dem Tourismus in der Zentralschweiz ein Gesicht geben. Genauer sind es neun Gesichter. Darunter ein Dampfschiffkapitän, ein Inhaber eines Schokoladenladens oder ein ehemaliger Wildhüter.

Wird Doku auf Seerose gezeigt?

Maceks Doku könnte etwa auf der pinken Seerose gezeigt werden. Details weiss er allerdings noch nicht. «Wir haben aber gegenüber unseren Partnern und Protagonisten eine Verpflichtung. Ende Mai wird es sicher für die Partner eine separate Premierefeier geben. Wir hoffen aber schon, dass unser Einsatz vom Gästival entsprechend gewürdigt wird, weil wir den Film ja auch inhaltlich auf das Gästival abgestimmt haben.»

Ausrüstung, aber kein Lohn

Das Zentralschweizer Gästival hat eine Mitmachkampagne lanciert. Rund 80 Projekte werden aufgeführt, die im Rahmen des Jubiläums in der ganzen Zentralschweiz realisiert werden (siehe Box). Geld fliesst dabei wenig bis keines.

Auch Regisseur Macek und sein Kameramann Stefan Schöbi finanzieren den Film selbst, und erhalten vom Gästival selbst kein Geld.

Das Projekt wird zu einem Grossteil von Firmen unterstützt, welche mit dem Tourismus in Verbindung stehen. Etwa ein Viertel kommt von Luzern Tourismus, von drei Kantonen und der SRG Zentralschweiz. Ausserdem haben Private den Film über Crowdfunding mit 3’000 Franken unterstützt. «Mit dem Geld konnten wir arbeiten und das nötige Equipment kaufen oder mieten. Das Ganze ist für mich ein Freizeitprojekt. Stefan Schöbi und ich haben fast ein Jahr Zeit und Leidenschaft reingesteckt», sagt Macek. Momentan fehlen ihnen noch etwa 4’000 Franken für die Nachproduktion.

80 Projekte werden gezeigt

Im Rahmen der Mitmachkampagne des Gästivals können eigene Ideen und Vorschläge von Privaten und Institutionen eingegeben werden. 160 sind es gewesen, rund 80 werden sicher umgesetzt. «Die Kampagne läuft noch, viel mehr als 80 Projekte werden es aber nicht werden», sagt Stefan Ragaz Mediensprecher des Gästivals. Unter den bewilligten Projekten finden sich solche von der Zentralschweizer Hotellerie, Ron Orp, der Luzerner Freilichtspiele oder von den SAC-Hütten Engelberg und Brunnihütte. Migros-Kulturprozent unterstützt die Projekte.

Seine erste grosse Produktion

Für den Wirtschaftskommunikationsfachmann ist es die erste grosse Filmproduktion. Hauptberuflich ist er im Neubad als selbstständiger Online Marketer tätig. Suchmaschinenoptimierung und Social-Media Werbung gehören zu seinem Fachbereich. «In meinem Job werden Videos immer wichtiger, darum habe ich mich weitergebildet», sagt Macek. In Zürich hat Macek in der Medienwerkstatt eine Ausbildung zum Filmer gemacht.

Gastfreund- und Leidenschaft

Das Thema habe Macek und Schöbi von Anfang an interessiert. «Gastfreundschaft aufzuzeigen ist schwierig. Alle Leute, die wir porträtieren, sind Gastfreunde, das verbindet sie. Es stimmt aber auch, dass wir nicht immer bekannt sind für unsere überschwängliche Offenheit.» Der Film zeige aber Leute, die mit Leidenschaft dabei sind. Natürlich gebe es auch Probleme: «Finanzielle Probleme gerade in einem Restaurantbetrieb sind ein Dauerthema. Und ob die Menschen freundlich sind, hängt manchmal auch von ihrer Tagesform ab. Und in Sachen Offenheit hat der eine oder andere Zentralschweizer sicher noch etwas Luft nach oben.»

Gibt es nicht noch mehr Diskussionen im Tourismusbereich? Die tote Altstadt? Die penible Sauberkeit? Die Fassade? «Für einen kritischen Dok ist das Gästival der falsche Ort. Es sind Porträts. Wir verhalten uns neutral und interessieren uns in erster Linie für die Menschen», sagt Macek.

Ein Protagonist verstarb

Während der Dreharbeiten blieb Macek vor allem eine Begegnung in Erinnerung: «Es ist eine traurige Geschichte. Wir haben das Inselrestaurant Schwanau auf dem Lauerzersee gefilmt. Der Fährmann hiess Fernando und hat während der Fahrt immer gesungen. Leider ist er über Neujahr verstorben.» Doch Macek hat ihm damals etwas versprochen: «Ich habe ihm versprochen, dass ich ein Video von ihm ins Internet stelle. Das Versprechen habe ich eingelöst.»

Aussergewöhnliche Begegnungen

Gefreut hat sich Macek über den extrovertierten Uhrmacher, den er sich überhaupt nicht so vorgestellt habe. Und über eine Frau mit einem Hobby, welches sonst eher von Männern gepflegt wird. «Eine Edelsteinexpertin von Gübelin geht am Wochenende mit Strahlern in die Berge. Sie ist Geologin und Gemologin, aber passt äusserlich wenig zu den bärtigen Strahlern, wie man sie sonst kennt. Über sie könnte man sofort einen separaten Film drehen.» Ein mögliches Zukunftsprojekt? «Vielleicht! Mein Ziel ist es, im letzten Lebensdrittel nur noch Dokumentarfilme zu drehen.»

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