Luzerner Clubbetreiber haben lieber weniger Feierende – dafür maskenfrei
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400 (Bild: ida)

Lokale akzeptieren Nicht-Lockerungen Luzerner Clubbetreiber haben lieber weniger Feierende – dafür maskenfrei

4 min Lesezeit 26.09.2020, 19:00 Uhr

Während die grossen Veranstalter wieder mehr als 1000 Personen begrüssen dürfen, gilt für Nachtclubs nach wie vor die 100er-Grenze. Luzerner Clubbetreiber können den Entscheid nachvollziehen.

Für die Grossen werden die Regeln gelockert, während die Kleinen in den sauren Apfel beissen müssen: Am Mittwoch kommunizierte der Kanton, dass das KKL und der FCL ab Oktober wieder mehr als 1000 Gäste begrüssen dürfen. Für Luzerner Bars und Clubs hingegen gilt nach wie vor die 100er-Grenze (zentralplus berichtete).

Luzerner Clubbetreiber können diesen Entscheid nachvollziehen. Das sagen Schüür-Chef Marco Liembd, Rok-Chef Philipp Kathriner und Nicolas Gomez, Betreiber der Bar59.

«Die Situation in einem Nachtclub, wo sich Gäste frei umherbewegen, ist viel unübersichtlicher als in einem Konzertsaal oder Fussballstadion», sagt Kathriner. Dem stimmt Bar59-Betreiber Nicolas Gomez zu. Trotzdem findet er, dass Luzerner Bars und Clubs mit am meisten Leid davontragen würden. «Auch die Unterscheidungen und Diskussionen, was Kultur ist und was nicht und somit unterstützenswert ist, ist für mich lächerlich geworden.»

Sektorenaufteilung in Bar59 schwierig

Anders als die Bar59 arbeiten das Konzerthaus Schüür und das Rok mit Sektoren. Pro Sektor dürfen 100 Feiernde rein.

Das Konzerthaus Schüür ist von der Maskenpflicht befreit – dafür steht für jeden Sektor ein separater Zugang zu Garderobe sowie ein separates WC zur Verfügung. Im Rok wurde der Dancefloor mit einer grossen Plexiglasscheibe unterteilt. Getanzt werden darf maskenfrei. Im Eingangs- und WC-Bereich gilt hingegen eine Maskenpflicht, da die Bereiche von Gästen aus beiden Sektoren benutzt werden.

«Wir müssten Dixi-Klos im Keller, im Gang oder draussen aufstellen.»

Nicolas Gomez, Bar59

Für die Bar59 hingegen sei es schwieriger, das Lokal in verschiedene Sektoren zu unterteilen. So sagt Gomez: «Wir müssten Dixi-Klos im Keller, im Gang oder draussen aufstellen.» Er würde sich wünschen, dass der Kanton die Lokale einzeln beurteilen würde und aufgrund der jeweiligen Fläche entscheiden würde, wie vielen Gästen Einlass gewährt werden darf. «Wir müssen an den Wochenenden bei weitem mehr Gäste nach Hause schicken, als wir in unser Lokal lassen dürfen», sagt Gomez.

Lockerungen hätten Clubbetreiber überrascht

Liembd findet den jetzigen Kurs des Kantons korrekt. Erst vor wenigen Monaten noch ist er mit einem offenen Brief dem Gesundheitsdirektor Guido Graf an den Karren gefahren und kritisierte die Massnahmen (zentralplus berichtete).

Jetzt sagt Liembd: «Solange unklar ist, wie sich die Lage weiterentwickelt, ist es für uns in Ordnung, wie bis anhin weiterzumachen. Unsere Gäste müssen sich frei bewegen können, damit wir mit der Gastronomie die Konzertauslagen decken können. Lieber wenige Leute ohne Maske als viele, die mit zunehmender Dauer die Disziplin vermissen lassen.»

Kathriner sieht das ähnlich. Lockerungen wären zwar begrüssenswert gewesen, damit gerechnet hat er jedoch nicht: «Solange die Fallzahlen steigen, war es voraussehbar, dass es keine Lockerungen im Nachtleben geben wird.»

Lieber keine Maskenpflicht, dafür Sektoren

Anders als in Luzern wurden die Regeln für Zürcher Clubs gelockert. Ab dem 1. Oktober dürfen künftig 300 Feierende auf die Zürcher Tanzfläche, jedoch nur mit Maske. Für die Luzerner Clubbetreiber wäre das keine vernünftige Lösung.

«Ich bin froh, dass wir in Luzern mit Sektoren arbeiten und Gäste dafür ohne Maske begrüssen können.»

Philipp Kathriner, Rok Klub

«Ich bin froh, dass wir in Luzern mit Sektoren arbeiten und Gäste dafür ohne Maske begrüssen können», so Kathriner. Erst galt im Rok überall Maskenpflicht, bevor man das Lokal in zwei und im Bedarfsfall in drei Sektoren unterteilen konnte. Zwar geht das fürs Rok mit einem massiv grösseren Personalaufwand einher: Pro Abend sind fünf bis sieben Leute mehr im Einsatz, welche die Einlassbänder kontrollieren und sicherstellen, dass in den gemischten Bereichen eine Maske getragen wird. «Dafür kommen wir den Gästen mehr entgegen.»

Im Nachtleben nimmt die Eigenverantwortung ab

Liembd führt aus, dass eine korrekte Maskenhandhabung bei offenem Gastrobetrieb «wahnsinnig schwierig» sei. «Die Leute konsumieren. Vor, während und nach dem Konzert. Wie will da eine Maske in der korrekten Handhabung herhalten?»

«Im Nachtleben und auch in anderen Bereichen im Unterhaltungssegment nimmt die Eigenverantwortung mit zunehmendem Alkoholpegel ab – die Maske landet irgendwo.»

Marco Liembd, Konzerthaus Schüür

Wer ein klassisches Konzert besuche, auf seinem zugewiesenen Platz in einem vollklimatisierten Raum sitze, sei wohl diszipliniert genug, die Maske anzuziehen und diese auch anzubehalten. «Aber seien wir ehrlich», spricht Liembd Klartext, «im Nachtleben und auch in anderen Bereichen im Unterhaltungssegment nimmt die Eigenverantwortung mit zunehmendem Alkoholpegel ab – die Maske landet irgendwo».

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