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Luzerner Bypass: Die Wundertüte vom Gütschwald
  • Gesellschaft
Im Gütschwald soll eines der wichtigsten Bypass-Projekte realisiert werden. (Bild: ios)

Lüftungszentrale mitten im Naturgebiet Luzerner Bypass: Die Wundertüte vom Gütschwald

4 min Lesezeit 1 Kommentar 21.04.2020, 05:00 Uhr

Ein zentrales Puzzlestück des Bypass-Projekts verbirgt sich mitten im Gütschwald. Dort soll eine Station für die Notfalllüftung entstehen. Die Arbeiten am Gebäude dürften einen massiven Eingriff in das Naturgebiet bedeuten.

Der Bypass Luzern kommt. Über Jahre existierte eines der grössten Strassenbauprojekte der Schweiz lediglich als abstrakter Zukunftsplan. Nun aber wird das Projekt real: In den vergangenen Wochen wurden die Veränderungen, welche die Realisierung des Gesamtsystems Bypass nach sich ziehen wird, im Gelände sichtbar gemacht (zentralplus berichtete).

In diesen Tagen hätte nun die heisserwartete öffentliche Auflegung des 1,7-Milliarden-Franken-Projekts erfolgen sollen. Hätte. Aufgrund der ausserordentlichen Situation mit dem Coronavirus hat der Bund entschieden, alle öffentlichen Planauflagen auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Somit bleiben die vielen einzelnen Teilprojekte des Bypass-Systems weiterhin noch Wundertüten. Eine der grössten befindet sich mitten im Gütschwald oberhalb von Luzern.

100-Meter-Schacht führt zu den Tunnels

Die Lüftungszentrale Gütschwald soll im Notfall Leben retten. Sollte es in den geplanten Tunnels, die Luzern und die Reuss unterqueren, zu einem Brand kommen, tritt die Lüftungszentrale in Aktion.

Das funktioniert so: Über der Fahrbahn sind alle 100 Meter Abluftklappen eingebaut, die sich bei einem Brandereignis öffnen. Die Lüftungszentrale saugt die bei einem Brand entstehenden Rauchgase aus dem Tunnel über einen rund 100 Meter hohen Kamin in den Gütschwald aus.

Schema des Lüftungssystems im Bypass-Tunnel. (Grafik: Astra)

Wie sieht das aus, welche Dimension?

Die Notwendigkeit einer solchen Anlage sollte unbestritten sein. Tatsache ist aber, dass sie nun mitten in einem beliebten Natur- und Erholungsgebiet realisiert werden soll. Im Gütschwald ist, neben den Aussteckungspflöcken, auch eine Infotafel zur Zentrale aufgestellt worden.

Dort sind die bisher bekannten Infos zur Anlage nochmals ausgeführt. Eine 3-D-Grafik zeigt etwa auf, wie man sich diese vorstellen muss. Online findet man zudem eine Visualisierung des Gebäudes. Diese zeigt auf, wie sich die Zentrale und der grosse Kamin in die Umgebung einfügen würden. «Die Zentrale wird zurückhaltend im Gelände positioniert, mit einer diskreten oberirdischen Sichtbarkeit der technischen Räume und einem freistehenden Kamin», heisst es auf der Tafel.

Die neonfarbigen Pflöcke lassen die Dimension der Anlage zwar erahnen. Gerne hätte man aber Konkreteres dazu erfahren. Auf der Infotafel ist diesbezüglich aber herzlich wenig zu finden.

Für die Realisation des Bypass-Projekts ist der Bund zuständig. Eine entsprechende Anfrage von zentralplus beim Bundesamt für Strassen (Astra) konnte bis Redaktionsschluss nicht beantwortet werden.

Der Blick vor Ort zeigt: Die ausgesteckte Fläche ist, grob geschätzt, 50 auf 25 Meter gross. Das wären 1250 Quadratmeter. Darauf befinden sich derzeit rund 80 Bäume.

Neue Weiherlandschaft soll entstehen

Die Zentrale mag dereinst unauffällig im Schatten der Bäume stehen. Der Eingriff zur Erstellung der Anlage wird aber offensichtlich kein kleiner sein. Darauf deutet ein Informationskörnchen hin, das sich direkt neben der erwähnten Infotafel befindet.

Das Informationsblatt der Korporation Luzern. (Bild: ios)

An die Baumrinde getackert, hängt dort eine Mitteilung der Korporation Luzern. Diese ist für den Erhalt und die Pflege des Gütschwaldes zuständig. Gemäss der Mitteilung habe die Korporation erwirkt, dass «die Schmälerung dieses einmaligen Natur- und Erholungsraumes zumindest teilweise kompensiert» werde. Man habe erreicht, dass unterhalb des bestehenden Gütschweihers eine weitere Weiherlandschaft entstehen soll, die einen ökologischen Ausgleich schaffe.

Soweit spannend. Wie diese Weiherlandschaft aussehen soll, welche Dimension sie hat oder ob sie öffentlich erschlossen werden sein wird, ist derzeit jedoch nicht zu erfahren. Die Korporation will sich bis zur Auflage des Projekts nicht dazu äussern – auch will sie bis dahin keine Einschätzung abgeben, wie schwer der Eingriff für die Bauarbeiten sein wird.

Infotafel bereits kommentiert

Klar ist auch, dass der Bau der Zentrale noch für einige Diskussionen sorgen wird. Wenn auch noch vieles stillsteht, haben eben diese Diskussionen schon begonnen: direkt auf der erwähnten Infotafel im Gütschwald. Mit rotem Stift hat dort jemand seinem Unmut kundgetan und gewisse Passagen mit «Quatsch» oder «schade» kommentiert.

Die Auseinandersetzung mit dem Bypass-Projekt verlief bisher im Schatten der Diskussionen, um die mittlerweile verworfene Spange Nord und die Reussportbrücke (zentralplus berichtete). Wenn die öffentliche Auflage des Gesamtprojekts endlich erfolgen kann, dürfte sich dies ändern.

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1 Kommentare
  1. Astrid, 21.04.2020, 09:08 Uhr

    Die Frage ist doch, ob es nur bei der Brandfalllüftung bleibt. Die Lüftung ist auch auf Normalbetrieb ausgelegt.
    >> „Immissionsschutzlüftung“

    Quelle:
    ASTRA 13001_ Lüftung der Strassentunnel.pdf, S.22
    Kap.6.3.3 Minderung von Zusatzbelastungen an Portalzonen

    PS: Eine kleine Weiherzone gibt es unterhalb schon, einen Abfluss vom Sonnenberg.

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