Luzerner Boutique setzt auf Schweizer Handwerk – und profitiert in der Krise
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Eleonora Camizzi verkauft Handgemachtes aus der Schweiz. (Bild: cbu)

Mit Seife, Schnaps und Schmuck durch die Pandemie Luzerner Boutique setzt auf Schweizer Handwerk – und profitiert in der Krise

3 min Lesezeit 17.04.2021, 17:00 Uhr

Geschenkläden fristen eher ein Nischendasein. Trotzdem sind die Angebote beliebt, wie der Besuch in einer kleinen Boutique bei der Hofkirche in Luzern zeigt. Das breite Angebot scheint zwar Interesse bei Touristen auszulösen – aber gerade deswegen kam der Laden bisher gut durch die Krise.

Es gibt Geschäfte, vor denen man verwundert stehen bleibt und die Auslage betrachtet. «Acht am Hof» ist ein solches Geschäft. Ein Blick ins Schaufenster am Fusse der Hofkirche offenbart eine breite Auswahl, die bisweilen etwas willkürlich anmutet. Vom Seidenschal über eine Kristallseife bis hin zu einem Lokalkrimi findet sich in dieser kleinen Wunderkammer von allem etwas.

Stehen wir hier vor einem Antiquariat? Einem gut sortierten Brockenhaus? Weder noch. «Acht am Hof» versteht sich als Geschenkboutique. Ins Leben gerufen wurde sie 2019 von Caroline Felber, die in unmittelbarer Nähe und seit 1985 einen Hutladen betreibt (zentralplus berichtete). Und das Querbeet-Angebot hat durchaus Konzept.

Aus der Schweiz und für die Schweiz

«Unser Hauptaugenmerk liegt auf hochqualitativen Schweizer Produkten», erklärt uns Eleonora Camizzi, Caroline Felbers Tochter, die Teilzeit im Laden arbeitet. «Wir legen grossen Wert darauf, hiesiges Handwerk zu unterstützen.» So besteht das ganze Sortiment aus Werkstücken von Einzelpersonen oder kleinen Manufakturen aus der Schweiz – einige davon sind Einzelstücke, die es nur hier im Geschäft zu kaufen gibt. Das breite Angebot soll sowohl Kunstfreunden als auch Gourmets und Geschenksuchenden etwas bieten – und für Portemonnaies jeglicher Grösse. «Manche Stücke haben zwar auch ihren Preis, aber wir möchten keine Luxusboutique sein.»

Eleonora Camizzi arbeitet fast seit der Gründung im Laden. Seit rund einem Jahr ist die studierte Filmschaffende in einem festen Teilzeitpensum angestellt. Geschäftsführerin Lara Ens und sie selbst arbeiten beide grossmehrheitlich autonom, ziehen aber immer mal wieder Caroline Felber als Ratgeberin bei, denn das Sortiment soll lebendig und vielfältig bleiben.

Lokales Handwerk ist gefragt

Zu den verschiedenen Herstellern pflegen die Betreiberinnen ein enges Verhältnis. Sei es mit dem Kunstfotografen André Emmenegger, der im Laden mit Postkarten und gerahmten Bildern vertreten ist, mit dem Blinden-Fürsorge-Verein Innerschweiz, der beispielsweise von Hand geflochtene Körbe anliefert oder dem in Weggis ansässigen Bio-Hof Haldihof, dessen verschiedene Obstbrände und Naschereien zu den Verkaufsschlagern zählen. «Wir schätzen, dass hinter den Produkten Leidenschaft und Handwerk stehen, das auch für unsere Kundschaft sichtbar ist», sagt die Luzernerin.

Wie sich zeigte, waren diese Eigenschaften während der Coronakrise bei der Kundschaft gefragt. «Nach dem ersten Lockdown im vergangenen Frühling haben wir festgestellt, dass die Leute vermehrt den Wunsch nach wertigem und lokalem Handwerk äussern.» Und in der Boutique fündig wurden. Allerdings weiss auch Eleonora Camizzi: «Kleine Geschäfte haben es im Moment nicht einfach.» Sie selbst seien bisher jedoch vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. «Dank Kurzarbeit und sehr grosszügigen Vermietern», wie sie erklärt.

Warten auf den Tourismus?

Beginnt nun für die Boutique an bester Lage das grosse Warten auf die Erholung des Tourismus, die sich gemäss Experten noch ein paar Jahre hinziehen könnte (zentralplus berichtete)? Nicht zwingend, sagt Eleonora Camizzi. «Touristen kommen eher selten in den Laden.» Diese würden die umliegenden Souvenirshops bevorzugen.

Die Kundschaft der Boutique präsentiert sich analog zum Sortiment: Gut durchmischt und von allem etwas. «Allerdings ist der Frauenanteil ein bisschen höher», sagt sie. Schön sei aber, dass sich seit der Gründung nicht nur ein fester Kundenstamm aufgebaut habe, sondern dass es auch zwei Jahre später «immer noch Leute gibt, die unseren Laden erst jetzt entdecken und schätzen lernen».

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