Luzerner «Bettstatt» gibt das Bed & Breakfast auf – die Bar  bleibt vorerst offen
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Vera Kaufmann und Roger Stalder kämpfen für ihren Bed-&-Breakfast-Betrieb, die «Bettstatt» in Luzern. (Bild: uus)

Ende und Neuanfang in der Neustadt Luzerner «Bettstatt» gibt das Bed & Breakfast auf – die Bar bleibt vorerst offen

3 min Lesezeit 2 Kommentare 25.07.2020, 17:16 Uhr

Trotz Kurzzeitarbeit, trotz Überbrückungskredit und trotz Unterstützung vom Vermieter und der Stammkundschaft: Die Betreiber des Bed & Breakfast in der Neustadt ziehen die Reissleine – ein Funken Hoffnung bleibt aber.

Vera Kaufmann, Roger Stalder und Daniel Mequanint Tiruneh schwante schon zu Beginn des Lockdowns Böses: Nachdem sie nach acht Jahren mit ihrem Bed & Breakfast und der dazugehörigen Bar endlich ein bisschen Geld verdienen konnten, traf sie der Corona-Hammer – wie viele kleine Luzerner Hotelbetriebe – mit voller Wucht (zentralplus berichtete).

In den vergangenen Monaten haben die drei «Bettstatt»-Besitzer gekämpft, verhandelt und sich viele Gedanken über die Zukunft gemacht. Nach der Kurzarbeit haben sie einen Überbrückungskredit aufgenommen. Was fast noch schwerer wiegt: Seit Ende Mai können sie als angestellte Geschäftsinhaber keine Kurzarbeit für sich mehr beantragen.

Vor rund einem Monat haben sie sich nun entschieden, das Bed & Breakfast ab Oktober aufzugeben. Obwohl der Vermieter ihnen grosszügig entgegengekommen ist und obwohl inzwischen ein paar gute Wochenenden hinter ihnen liegen, «wird es nicht reichen, um den üblicherweise schwachen Winter zu überstehen», sagt Roger Stalder. «Im Frühling würden wir etwa dort stehen, wo wir ganz zu Beginn waren: vor einem Berg von Schulden.» Doch darauf, diesen abzubauen, hätten sie weder Lust noch Energie.

Stammgast bucht Zimmer für einen Monat

Auf die Tränendrüse drücken wollen die «Bettstatt»-Betreiber trotzdem nicht. Von der Stammkundschaft hätten sie nach der Wiedereröffnung der Bar viel Goodwill erfahren: «Manch einer bestellte noch ein Extra-Bier», so Stalder. «Und einer hat sogar ein Zimmer für einen Monat gebucht, das er gar nie benutzte.»

Derzeit sind immer noch ein paar gestrandete ausländische Lockdown-Gäste einquartiert. Schweizer und Belgier melden sich für spontane Übernachtungen an. «Es läuft gar nicht so schlecht. Meist sind die Buchungen kurzfristig und abhängig vom Wetter», so Stalder.

Sommerferien sind gestrichen

Noch bis zum Oktober können Reservationen für die rund 30 Plätze getätigt werden. Die Preise für die 9 Zimmer und 3 Appartements sind mit zwischen 105 und 180 Franken pro Doppelzimmer fair. Bei einer Preisschlacht könne die «Bettstatt» aber nicht mithalten. «Unser Spielraum ist begrenzt.»

Die «Bettstatt»-Betreiber haben auch darauf verzichtet, personelle Unterstützung für den Herberge-Betrieb einzustellen, wie sie es sonst im Sommer üblicherweise tun. Aus Sommerferien wird für die drei deshalb vorerst nichts. «Ein paar Tage Erholung müssen aber schon drinliegen», ergänzt Stalder.

Barbetrieb über den Winter

Vera Kaufmann und Roger Stalder haben sich inzwischen nach anderen Jobs umgeschaut – und beide sind fündig geworden. So ist ihre Existenz weiterhin gesichert, auch wenn der gemeinsame Traum geplatzt scheint.

Ganz schliessen wird das Lokal noch nicht: «Der Barbetrieb bleibt vorerst geöffnet. Zudem vermieten wir weiterhin ein paar Zimmer», so Stalder. Mit reduziertem Pensum wollen sie den Betrieb auf kleinerer Flamme aufrecht erhalten. Sie machen sich aber keine Illusionen: «Der Barbetrieb war bisher nie komplett selbsttragend.» Die Perspektive für Familienvater Daniel Mequanint Tiruneh, der für die Bar verantwortlich zeichnet, ist deshalb offen.

Bilanz im Frühling

Unterstützung erhalten die «Bettstatt»-Betreiber von einer Studentin der Hotelfachschule, die am neuen Betriebskonzept mitwirkt. «Wir sind sehr froh um die Inputs von aussen», fügt Stalder an.

Im Gespräch wirken die drei «Bettstatt»-Betreiber gefasst. Der Entschluss, den Betrieb zu verkleinern und das Bed & Breakfast aufzugeben, ist in den vergangenen Wochen gereift und wirkt nicht überstürzt. Stalder schätzt, dass es vielen ähnlich grossen Betrieben derzeit ähnlich geht – viel Austausch hatte er in den vergangenen Wochen und Monaten aber nicht. Zu sehr war man mit dem eigenen Betrieb beschäftigt. Doch nun scheinen die «Bettstatt»-Betreiber erleichtert, dass, nachdem sie eine Entscheidung getroffen haben, nun Klarheit herrscht.

Wie genau es aber mit der verkleinerten «Bettstatt» weitergeht, ob das neue Konzept greift – das steht weiterhin in den Sternen. «Wir wollen spätestens im Frühling Bilanz ziehen.»

Daniel Mequanint Tiruneh hinter der «Bettstatt»-Bar.

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2 Kommentare
  1. Hellohu, 25.07.2020, 22:38 Uhr

    Die Politk und das Volk wollen ja bekannterweise den Tourismus in Luzern nicht mehr – somit ist bedauerlicherweise ein Anfang gemacht. Weitere werden folgen.

  2. CScherrer, 25.07.2020, 17:46 Uhr

    Sehr bedauerlich! Vielleicht fehlt es dann halt schon an letzter Innovations-Lust…….oder eben: Luzern ist noch immer ein Dorf.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.