Luzerner Bauer: «Wir mussten hilflos zusehen, wie die Temperaturen sanken»
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Die empfindlichen Blüten der Kirschbäume können bei Frost erfrieren. (Bild: Adobe Stock) (Bild: Adobe Stock)

Frostiger April Luzerner Bauer: «Wir mussten hilflos zusehen, wie die Temperaturen sanken»

4 min Lesezeit 2 Kommentare 10.05.2021, 10:02 Uhr

Die Frostnächte im April führen zu schweizweiten Schäden der Obstkulturen. zentralplus hat bei Landwirtschaftsbetrieben nachgefragt, welche Auswirkung die Frostnächte auf ihre Ernte hat. Schon jetzt steht fest: Die Schäden werden beträchtlich sein.

«Regen im April, jeder Bauer will», lautet die Bauernregel. Frost hingegen wird im Frühjahr bei den Bauern nicht gerne gesehen. Der vergangene April bescherte den Landwirten diesbezüglich einigen Kummer. Die frostigen Nächte kamen bereits bis zur Monatsmitte überdurchschnittlich häufig vor. Das kann zu erheblichen Schäden bei den Obstkulturen führen.

Bis Mitte April gab es Luzern jeweils acht Frosttage, berichtet SRF kürzlich. Die Kombination aus einer warmen Witterungsphase im März und dem strengen Frost April sei besonders schädlich für die landwirtschaftlichen Kulturen. zentralplus hat nachgefragt, wie Chriesi- und Weinbauern die Auswirkungen der Frostnächte einschätzen und ob diese bei uns genauso verheerend waren wie in anderen Regionen der Schweiz und wie sich die Wein- und Chriesibauern gewappnet haben.

Frostnächte führen zu stressigen Zeiten

In der Zentralschweiz sind die Schäden der Frostnächte eher als milder einzuschätzen, sagt Mario Kurmann von der Dienststelle Spezialkulturen des Kantons. Dies, weil der Kanton Luzern eher für sein Chriesi-Angebot bekannt ist und nicht für Aprikosen und Zwetschgen, die mehrheitlich in anderen Kantonen angebaut werden. Weniger stressig seien die Frostnächte jedoch für die Luzerner Landwirte nicht, sagt Kurmann.

«Es gab sicherlich Schäden. Vor allem bei den Kirschen kam es bei einigen Sorten zu erfrorenen Blütenknospen. Frühe Kirschensorten befanden sich zur Zeit der Frostnächte je nach Lage in Vollblüte», sagt der Experte. Und weiter: «Offene Blüten reagieren im Vergleich zu geschlossenen Knospen oftmals empfindlicher auf tiefe Temperaturen.» Zudem erklärt Kurmann, dass ein teilweises Absterben der Blüten nicht direkt zu einem Ertragsverlust führen muss. Für einen ausreichenden Ertrag sollten beim Kernobst drei bis fünf Prozent und beim Steinobst 15-20 Prozent der Blüten zu einer Frucht heranwachsen. «Die Schäden der Frostnächte können wir aber bisher noch nicht beziffern» erläutert Kurmann.

«Am Anfang hat man schon das Gefühl, dass alles erfroren ist, aber am Ende überlebt doch der eine oder andere Baum.»

Peter Hegglin, Präsident der IG Zuger Chriesi

Auch Peter Hegglin, Präsident der IG Zuger Chriesi, bestätigt die schwierige Lage für Kirschenbäume im April. «Das Wetter war wirklich äusserst kalt. Dies wird schon respektable Auswirkungen haben. Es ist aber schwer abzuschätzen, wie viel verloren ging», sagt Hegglin. «Am Anfang hat man schon das Gefühl, dass alles erfroren ist, aber am Ende überlebt doch der eine oder andere Baum.» Auf die Frage, wie die Folgen der Frostnächte abzuschätzen sind, gibt sich der IG Zuger Chriesi Präsident eher pessimistisch.

Kaum Möglichkeiten zum Schutz

Nun kommt die Frage auf, wie die Chriesi-Bäume gegen den Frost geschützt werden können. Peter Hegglin, der selber auch Kirschenbäume pflegt, erklärt: «Die grossen Kirschenbäume können praktisch nicht geschützt werden. Befinden sich die Bäume in einer Anlage, dann können Paraffinkerzen aufgestellt werden.» Doch da die Kirschenbäume im Freien stehen, waren sie dem Frost und Wind ausgesetzt. Nebst den Kirschen haben sich die Frostnächte auch auf die Ernte der Reben der Weinbauern ausgewirkt.

Auch der Betriebsleiter des Weinguts Sonnenberg, Josef Fellmann, behält den April als garstig kalt in Erinnerung. «Hilflos mussten wir jeweils am Thermometer sehen wie die Temperaturen immer tiefer sanken.» Auch sein Weingut war der Witterung ausgesetzt, da für die Anlage können keine wirkungsvollen Frost- und Kälte-Bekämpfungsmassnahmen eingesetzt werden.

«Jetzt beim Austrieb wird sichtbar, dass rund 30 bis 60 Prozent der Knospen von der Kälte einen Schaden erlitten haben.»

Josef Fellmann, Weingut Sonnenberg

«Jetzt beim Austrieb wird sichtbar, dass rund  30 bis 60 Prozent der Knospen von der Kälte einen Schaden erlitten haben. Die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich, es besteht daher eine grosse Bandbreite.», schätzt Fellman die Lage ein. Er fügt hinzu: «Die Kosten sind jetzt noch nicht abschätzbar. Diese hängen davon ab, ob die Reben sich von diesem Kälteschlag erholen können, und  ob sie allenfalls auch mit ihrer Entwicklung in der Lage sind, etwas zu kompensieren».

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2 Kommentare
  1. kusi, 10.05.2021, 12:14 Uhr

    wirklich jedes jahr….. jammer jammer jammer

  2. Roli Greter, 10.05.2021, 11:28 Uhr

    Jedes Jahr die selbe Leier; im April Bodenfrost….. breaking news!

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.