Luzerner (72) prellt seine demente Mutter um 250’000 Franken
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Mit seiner Vollmacht räumte der Luzerner die Konten seiner Mutter leer.

Dafür soll er 18 Monate ins Gefängnis Luzerner (72) prellt seine demente Mutter um 250’000 Franken

4 min Lesezeit 24.06.2021, 05:01 Uhr

Das Kriminalgericht Luzern verurteilt einen 72-jährigen Luzerner wegen Veruntreuung. Als Beistand verprasste er im grossen Stil das Geld seiner Mutter, nachdem diese einen Hirnschlag erlitten hatte.

Als die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden 2013 ihre Arbeit aufnahmen, hagelte es Kritik. Es wurde befürchtet, dass sich die Kesb zu sehr ins private Familienleben einmischen würde. Dass das Vertrauen in die eigene Verwandtschaft aber auch böse enden kann, zeigt ein Fall aus Luzern.

Protagonist dieser Geschichte ist ein heute 72-jähriger Mann, der in einer Luzerner Vorortgemeinde lebt. Er besitzt ein Einfamilienhaus dort, wo die Gutbetuchten leben. An bester Lage, mit direktem Seeanstoss.

Vor seiner Pensionierung war er Hotelier, davor arbeitete er im internationalen Bankwesen. Mit Geld kannte er sich also aus. Wohl deshalb stellte seine betagte Mutter 2006 eine Generalvollmacht zu seinen Gunsten aus. Damit hatte er Zugriff auf sämtliche Konten von ihr. Das Schreiben sah es explizit vor, dass die Vollmacht bei Verlust der Handlungsfähigkeit der Frau nicht erlischt, sondern ihre Gültigkeit behält.

Der Beschuldigte wehrte sich gegen den Beistand

Nur gerade einen Monat später erlitt die alte Dame einen Hirnschlag mit einer darauffolgenden schwerwiegenden Sprachstörung und Lähmung der rechten Körperseite. Sie war nicht mehr fähig, ihre Post zu lesen oder Finanzgeschäfte zu verstehen. Folglich konnte sie nicht kontrollieren, was ihr Sohnemann da mit ihrem Geld trieb.

Die damalige Vormundschaftsbehörde der Gemeinde ordnete wenige Monate später eine Beistandschaft für die Frau an. Gegen diesen Entscheid wehrte sich der Sohn mit Händen und Füssen. Bis vor Bundesgericht ging er deswegen. Wenn auch erfolglos.

Der Mann verschaffte sich mit den Prozessen allerdings Zeit, um die Konten seiner Mutter zu räumen. Als der ernannte Beistand 2009 schliesslich seine Arbeit antrat, musste er feststellen, dass der Sohn Bargeld in der Höhe von über 224’000 Franken abgehoben hatte.

Bruder misstraute dem Beschuldigten

Bis zu 43’000 Franken auf einmal liess er sich auszahlen. Zudem soll er die Übertragung verschiedener Fondsanteile aus dem Wertschriftendepot seiner Mutter veranlasst und sich selber weitere 124’000 Franken überwiesen haben.

Die Mutter starb 2009. Ihr zweiter Sohn hatte schon länger ein «ungutes Gefühl», was die Vermögensverwaltung durch den Bruder anging. Er bestellte die entsprechenden Bankauszüge – und erhielt so 2010 Gewissheit. 2011 konnte er seinen Bruder anzeigen, ohne Gefahr zu laufen, selber wegen einem Ehrverletzungs- oder Rechtspflegedelikt angezeigt zu werden. Das hatte er vorher offenbar befürchtet.

Genau neun Jahre vergingen, bis die Staatsanwaltschaft Luzern schliesslich im Januar 2020 ihre Anklageschrift beim Kriminalgericht einreichte. In der darauffolgenden Gerichtsverhandlung beteuerte der Beschuldigte, seine Mutter sei geistig «völlig präsent» gewesen und habe mit den Augen und mit ihrem Lächeln kommuniziert.

Wie krank war die Mutter wirklich?

Sie habe die Zeitung gelesen, telefoniert und Kenntnis über alle anstehenden Geschäfte gehabt. Weil sie ein Vertrauensverhältnis gehabt hätten, habe er gewusst, wie er die Geschäfte weiterzuführen habe. Er habe sich aufopferungsvoll um sie gekümmert und ihr Gesundheitszustand sei immer besser geworden – seine Mutter sei nochmal «richtig aufgeblüht».

Ganz anders erlebte es der zweite Sohn. Mehr als ein Lächeln habe seine Mutter nach dem Schlaganfall nicht mehr zustande gebracht. Er habe kein Wort mit ihr sprechen können.

Tatsächlich bestätigten alle, die mit der Mutter zu tun hatten, dass die sprachlichen Fähigkeiten nach dem Hirnschlag nicht mehr vorhanden gewesen seien, genau so wie die Ärztinnen und Mitarbeiter des Altersheims. Für das Gericht ist es deshalb klar, dass die Frau nicht mehr urteilsfähig war.

Verfahren dauerte viel zu lange

Das Kriminalgericht attestiert dem Beschuldigten allerdings, nicht alles Geld nur für sich gebraucht zu haben. Ein Teil floss beispielsweise an einen Anwalt, der sich um die Liegenschaften der Mutter kümmerte. Insgesamt hat der Beschuldigte aber aus Sicht der Richterinnen immerhin knapp über 250’000 Franken veruntreut.

Er wird deshalb zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, dies bei einer Bewährungszeit von zwei Jahren. Die Strafe wurde deutlich reduziert, weil die Staatsanwaltschaft den Fall über Jahre liegen liess. «Das vorliegende Verfahren hat offenkundig überlange gedauert und war wiederholt von sachlich nicht begründbaren, längeren Unterbrüchen geprägt», schreibt das Kriminalgericht im begründeten Urteil.

Der Entscheid ist allerdings nicht rechtskräftig. Er wurde angefochten und kommt daher vor Bundesgericht.

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