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Luzern will im Zentrum weniger Cars, dafür mehr Platz für die Bevölkerung
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Legen ihre Pläne für eine attraktive Innenstadt offen: Stadträtin Manuela Jost, Stadtpräsident Beat Züsli und Stadtrat Adrian Borgula. (Bild: jwy)

Museggparking: Stadtrat lehnt Initiative ab Luzern will im Zentrum weniger Cars, dafür mehr Platz für die Bevölkerung

4 min Lesezeit 2 Kommentare 18.05.2018, 11:00 Uhr

Die Luzerner Stadtregierung lehnt die Initiative zur Rettung des Museggparkings ab. Sie will die Idee eines Carhubs auf der Allmend prüfen, schliesst aber gleichzeitig ein reines Car-Parkhaus nicht aus. Zudem zeigt der Stadtrat erstmals, wie er die Innenstadt in den nächsten Jahren aufwerten will – und beantragt für die Planung vier Millionen Franken.

Die Luzerner Stadtregierung will hier nichts anbrennen lassen: Gleich drei von fünf Stadträten traten am Freitag vor die Medien: Stadtpräsident Beat Züsli, Baudirektorin Manuela Jost sowie Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula. Thema: die Carparkierung und der Bericht und Antrag zur Attraktivierung der Innenstadt.

Wie von einem Gutachten bereits vorgeschlagen, stellt sich der Stadtrat hinter die Idee eines neuen Anhalte- und Parkhubs für Cars auf der Allmend mit einer schnellen Anbindung ins Zentrum durch die Zentralbahn (zentralplus berichtete). «Wir wollen auf die Allmend setzen und das testen», sagte Adrian Borgula.

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Ob der neue, zentrale Hub alleine reicht – oder ob er in Kombination mit Ausweichparkplätzen im Schlund oder sogar mit einem neuen Carparking in der Stadt entsteht –, das alles lässt der Stadtrat im Moment noch offen. Ein definitiver Entscheid soll erst Ende 2020 fallen. Der Stadtrat strebt dazu einen langen Mitwirkungsprozess und einen breiten Konsens an. «Wir müssen uns diese Zeit nehmen für eine gute Lösung», so Beat Züsli.

Kein Parkhaus mit Autoparkplätzen

Klar ist aber: Ein Parkhaus mit zusätzlichen Autoparkplätzen, wie von den Initianten für die Rettung des Parkings Musegg vorgeschlagen, lehnt der Stadtrat ab. Er spricht sich darum wie erwartet gegen die Initiative «Kein Diskussionsverbot – Parkhaus Musegg vors Volk» aus, über die die Bevölkerung am 23. September abstimmt (zentralplus berichtete).

Auf einen direkten Gegenvorschlag verzichtet der Stadtrat, aber er legt jetzt einen Bericht und Antrag vor, der den Aufwertungsgedanken der Initiative aufgreift – konkret etwa einen Schwanenplatz ohne Cars. So hofft er, den Initianten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Der Stadtrat nennt fünf Schwerpunkte zur Attraktivierung der Innenstadt. Dazu will er für die nächsten Jahre einen breit angelegten, partizipativen Stadtplanungsprozess starten:

1. Neugestaltung von Gassen und Plätzen in der Altstadt: Bis 2019 wird ein Konzept erarbeitet. Kosten: 80’000 Franken.

2. Neugestaltung Pfistergasse und Reusssteg: Nach der Kleinstadt sollen auch hier die Oberflächen bis 2023 neu gestaltet werden. Planungskosten: 700’000 Franken.

3. Neugestaltung St.-Karli-Quai und Pärkli bei der Geissmattbrücke: Der Zugang zum Wasser soll verbessert werden. Ein Nutzungskonzept soll bis 2021 entstehen, bis 2022 ein Konkurrenzverfahren. Kosten für Planung und Wettbewerb: 620’000 Franken.

Auch der St.-Karli-Quai soll neu gestaltet werden, zum Beispiel soll der Zugang zum Wasser verbessert werden.

Auch der St.-Karli-Quai soll neu gestaltet werden, zum Beispiel soll der Zugang zum Wasser verbessert werden.

(Bild: Visualisierung zvg)

4. Neugestaltung Bundesplatz: Dieser soll als Beispiel dafür gelten, dass sich Verkehr und Aufenthaltsqualität nicht ausschliessen. Weil es sich um eine Kantonsstrasse handelt, wäre es eine Vorarbeit für die Sanierung durch den Kanton. Gestaltungskonzept bis 2020, Kosten: 284’000 Franken.

5. Flankierende Massnahmen Innenstadt zur Carparkierung Allmend: Sollten die Touristen dereinst mit der Zentralbahn von der Allmend in den Bahnhof fahren, will die Stadt mehr Platz für die Besucherströme an die Touristenhotspots schaffen – etwa den Schwanenplatz oder den Löwenplatz. Eine Vorstudie soll bis 2021 aufzeigen, wie das aussehen könnte. Kosten: 300’000 Franken.

So könnte der Schwanenplatz ohne Cars aussehen.

So könnte der Schwanenplatz ohne Cars aussehen.

(Bild: Visualisierung zvg)

Bald erste Tests

Eine Gruppe um den Architekten Marc Syfrig stellt ebenfalls die Aufwertung der Innenstadt ins Zentrum, sie hat kürzlich die Details für ein mögliches Seeparking unter dem Schweizerhofquai vorgestellt. Dieses könnte das Allmend-Parking ergänzen (zentralplus berichtete).

Die Stadt will die Lösung des Carhubs auf der Allmend weiterverfolgen und bald erste Tests durchführen mit der Schienen- und Wegroute zur Innenstadt. Auch die beiden Carparking-Vorschläge «Musegg» und «Seeparking» will er weiterverfolgen und vergleichen – oder allenfalls sogar neue Ideen. 

Auch die Initianten des Museggparkings halten neuerdings nicht mehr an den 660 Autoparkplätzen fest, wie sie in einer Stellungnahme schreiben. Von einem Parking im Ibach mit einer Metro-Verbindung zum Schwanenplatz, das immer noch Sympathien geniesst, will der Stadtrat aufgrund der hohen Kosten nichts wissen. Aber auch dazu ist eine Initiative angekündigt.

Ende Juni entscheidet das Parlament

Bis zu einer definitiven Lösung will die Stadt schon kurzfristig für Spitzenzeiten neue Carparkplätze zur Verfügung stellen, auch weil bald die 26 Parkplätze und 6 Anhalteplätze beim Inseli wegfallen. Hier kommt das ungenutzte städtische Grundstück Hinterschlund auf Krienser Boden infrage. Dazu will die Stadt einen Testbetrieb mit 40 Plätzen starten, für dessen Umsetzung braucht es auch sanitäre Anlagen, eine WC-Entleerungsstation sowie einen Unterstand für Chauffeure.

Für die wegfallenden Anhalteplätze will die Stadt Ersatz im Bereich der Zentralbahn-Haltestelle Allmend/Messe schaffen. Insgesamt beantragt der Stadtrat für alle Attraktivierungs- und Testprojekte rund vier Millionen Franken für die Zeit zwischen 2019 und 2022. «Es handelt sich um komplexe Probleme auf engem Raum, das rechtfertigt es, viel zu investieren», erklärte Beat Züsli.

Der Bericht und Antrag kommt nun Ende Juni ins Stadtparlament, der Kredit entsteht dem fakultativen Referendum. Allerdings kann das Parlament den Antrag des Stadtrates zum Gegenvorschlag machen. Dann hätte die Stimmbevölkerung am 23. September die Wahl: Parkhaus Musegg oder Gegenvorschlag des Stadtrates.

Oder ein anderes Szenario: Das Parlament heisst den Bericht und Antrag gut, mit den beiden Optionen für die Car-Parkhäuser. Und die Initianten ziehen ihre Initiative zurück.

Eine Idee, wie der Pilatusplatz künftig gestaltet werden könnte.

Eine Idee, wie der Bundesplatz künftig gestaltet werden könnte.

(Bild: Visualisierung zvg)

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2 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 18.05.2018, 11:26 Uhr

    Wieso wird das Projekt Metro in diesem Bericht mit keinem Wort erwähnt ? Es läuft eine Unterschriftensammlung für einen Miteinbezug dieses Projektes, das als einziges wirklich zukunftsgerichtet ist. Wir freuen uns auf Unterstützung

    Walter Albrecht, Mitglied des Initiativkomitees

    1. Redaktion Jonas Wydler, 18.05.2018, 11:31 Uhr

      Ist es doch, bitte richtig lesen.