Luzern will besser gegen Mikrogummi auf Strassen vorgehen
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Abgenutzte Reifen sorgen für mehr Mikrogummi-Partikeln in unserer Umwelt. (Bild: zvg)

Reifen-Abnutzung ist ein Umweltproblem Luzern will besser gegen Mikrogummi auf Strassen vorgehen

3 min Lesezeit 5 Kommentare 04.01.2021, 11:51 Uhr

Dem Problem von Mikroplastik wird aktuell viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das Thema Mikrogummi, der durch Reifenabrieb entsteht, fliegt derweil tief unter dem Radar. Dies, obschon er Luft, Gewässer und auch den menschlichen Organismus stärker belastet. Luzern will das Problem nun konsequenter angehen.

Autoreifen haben eine limitierte Lebenszeit. Irgendwann ist der Pneu durch und muss ersetzt werden. Die heruntergefahrenen Zentimeter des Reifenprofils verschwinden aber nicht einfach so: Sie landen als Mikrogummi in Gewässern, Böden und in der Luft.

Die Menge dieser Partikel ist gemäss einer Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) ziemlich beeindruckend. Demnach haben sich in der Schweiz über die letzten 30 Jahre rund 200’000 Tonnen Mikrogummi in unserer Umwelt angesammelt.

22 stark befahre Strassenabschnitte

Im Kanton Luzern kommt die Mikrogummi-Problematik nun aufs Parkett des Kantonsrates. Dort will Josef Schuler (SP) von der Regierung wissen, welche Strassenabschnitte besonders stark befahren sind und welche Massnahmen auf diesen Strassen ergriffen werden könnten, um dem Problem entgegenzutreten.

Schuler verweist in seinem Vorstoss auf geltende Richtlinien, wonach Strassen mit einem Verkehrsaufkommen von täglich mindestens 14’000 Fahrzeugen mit Filteranlagen für das Abwasser ausgestattet werden müssen. Er will deshalb wissen, wie viele solcher Strassenabschnitte es im Kanton Luzern gibt und ob diese entsprechend ausgerüstet sind.

Aus der nun vorliegenden Antwort der Regierung wird ersichtlich, dass 22 Strassenabschnitte in diese Kategorie fallen. Ganz zuoberst auf der Liste ist beispielsweise die Seebrücke in Luzern, auf der täglich rund 34’500 Fahrzeuge gezählt werden.

Nur die Hälfte besitzt Filteranlagen

Was ebenfalls aus der regierungsrätlichen Antwort ersichtlich wird: Der Kanton betreibt zurzeit nur elf Strassenabwasserbehandlungsanlagen. Eine davon reinigt etwa das Abwasser, das rund um den Seetalplatz entsteht. Die elf bestehenden Anlagen wurden zwischen 2008 und 2017 installiert.

Es scheint aber offensichtlich, dass Aufholbedarf besteht. Das habe man beim Kanton erkannt: Mit den Erfahrungen aus den bestehenden Anlagen im Gepäck seien die Dienststellen Verkehr und Infrastruktur (Vif) und Umwelt und Energie (Uwe) damit beauftragt worden, einen Masterplan auszuarbeiten.

Der Masterplan soll die Entwässerung des gesamten Kantonsstrassennetzes regeln. «Die Voraussetzung für eine umfassende und nachhaltige Strassenentwässerung der Kantonsstrassen im Kanton Luzern» solle so geschaffen werden, heisst es in der Antwort der Regierung. Wann dieser Masterplan vorliegen soll, wird aus dem Antwortschreiben jedoch nicht ersichtlich.

Verbindungen mit Schwermetall

Welche konkreten gesundheitlichen Auswirkungen solche Gummipartikel auf Menschen haben, kann die Regierung nicht abschliessend beantworten. Wie auch beim Mikroplastik seien die Langzeitfolgen noch weitgehend unbekannt – und die Forschung in diesem Feld stehe erst am Anfang.

Fest steht hingegen, dass der Reifenabrieb nicht in «Reinform», sondern immer in Kombination mit Anteilen des Strassenbelags vorkomme. Im Reifenabrieb seien deshalb neben schwer abbaubaren organischen Stoffen auch Schwermetalle wie Zink und Cadmium enthalten. Deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt seien hinreichend untersucht.

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5 Kommentare
  1. Max Barmettler, 04.01.2021, 14:14 Uhr

    Sind mit Fahrzeugen auch Töffs und Velos gemeint, oder fokussiert sich die SP wieder mal allein aufs Auto? Auch bei Zweirädern gibts Abrieb beim Fahren und Bremsen. Bei mir ist jährlich ein Veloreifen durch, manchmal auch zwei.

    1. Bernd Meuli, 04.01.2021, 15:13 Uhr

      Jährlich ein Veloreifen? hahaha Ja, genau!
      Töff und Velo haben sicher auch Abrieb, aber deutlich weniger als Auto oder gar Lastwagen. In der Bemessungsgrundlage zur Erstellung der SABAs sind daher auch Velo und Töffli gar nicht drin. Das hat nichts mit «links-rechts» zu tun. Wiedermal sehr gesucht…

    2. Max Barmettler, 04.01.2021, 16:33 Uhr

      @Meuli: Es hat schon mit Links-Grün zu tun. Die wollen ja, dass möglichst viele aufs (E-)Velo umsatteln. Die öV-Busse haben Sie übrigens vergessen. Oder fahren die mit Biopneus?
      Komisch ist auch, dass der massive Eisenabrieb (PM10-Emissionen bei Bremsen, Rädern und Schienen) beim Schienenverkehr für die Links-Grünen kein Thema ist. Dieser Abrieb gelangt via Pflanzen und Tiere direkt in die Nahrung.

    3. Marco Muster, 05.01.2021, 11:13 Uhr

      @Max: es geht um Strassenabschnitte von mehr als14’000 Fahrzeugen pro Tag. Da sind Busse auch eingerechnet. Auf allen anderen Strassenabschnitten ist der Kanton momentan noch nicht gesetzlich Verpflichtet, das Strassenabwasser zu Reinigen. Du Ihrer Frage betreffenden Velos; Sollte auf einem Strassenabschnitt auch 14’000 Velos täglich verkehren, müsste dort auch das Strassenabwasser gereinigt werden.

  2. Margarita, 04.01.2021, 12:20 Uhr

    Höchste Zeit, dass dieses Thema trotz Corona aufgegriffen wird. Wir brauchen sauberes Wasser, Mensch, Tier, Pflanzen.

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