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Luzern wie neu dank «Motz-App»?
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«Vielen Dank für Ihre wichtige Mitteilung»: Die Stadt Zürich gibt sich volkshnah mit der App «Züri wie neu».  (Bild: jwy)

Smartphone zücken, Schaden melden Luzern wie neu dank «Motz-App»?

4 min Lesezeit 14.09.2016, 05:03 Uhr

Mit der App «Züri wie neu» melden Bürger Schäden und Mängel auf Zürichs Strassen. Die Stadt spricht von einem Erfolg. Das kann auch Luzern, finden die Grünen und fordern analog dazu «Luzern wie neu». Was sagt die Stadt Luzern dazu?

Die Grünen Luzern schauen neidisch nach Zürich. Grund ist eine «Motz-App», welche die Stadt Zürich seit einigen Jahren anbietet. Mit wenigen Klicks können digital erprobte Einwohner Schäden wie Schlaglöcher, Schmierereien auf Wänden oder defekte Strassenlampen via Smartphone oder Webseite melden. So einfach geht’s: Foto schiessen und hochladen, Kontakt angeben, Standort durchgeben – zack, fertig.

Die Meldung landet innert eines Tages bei der zuständigen Stelle und der Mangel wird – sofern möglich – innert fünf Tagen behoben. Alles sehr transparent: Das Ergebnis wird danach veröffentlicht und mit einer netten Antwort versehen. «Züri wie neu» heisst das Angebot und ist laut Stadt Zürich ein Erfolg. «Velo muss vermutlich entsorgt werden», heisst eine aktuelle Meldung und ein Foto zeigt ein übel zugerichtetes Fahrrad auf einem Baum beim Wipkingerplatz. Oder eine Meldung an die VBZ: «Wieder mal alles vollgekotzt.»

«Velo muss vermutlich entsorgt werden», meldet ein Bürger. Und er liegt vermutlich richtig.  (Bild: «Züri wie neu»)

«Velo muss vermutlich entsorgt werden», meldet ein Bürger. Und er liegt vermutlich richtig.  (Bild: «Züri wie neu»)

Sieben Meldungen pro Tag

8532 Meldungen sind seit der Lancierung 2013 eingegangen, im Schnitt sind es sieben pro Tag. 240 Meldungen hat die Stadt Zürich laut Webseite letzten Monat bearbeitet. Für das Tiefbauamt der Stadt Zürich entsteht so kein Mehraufwand, die Meldungen könnten «ressourcenneutral» bearbeitet werden, Kosten für Unterhalt und Weiterentwicklung seien gering.

Filippo Leutenegger, Vorsteher des Tiefbauamtes Zürich, ist begeistert vom Angebot: «Die Menschen, die eine Meldung an die Stadt machen, fühlen sich ernst genommen, es schafft Nähe zur Verwaltung und führt zu einer höheren Identifikation mit der Stadt», lässt er via Medienstelle verlauten.

Auch über die Website können in Zürich mit wenigen Klicks Schäden gemeldet werden.  (Screenshot www.zueriwieneu.ch)

Auch über die Website können in Zürich mit wenigen Klicks Schäden gemeldet werden.  (Screenshot www.zueriwieneu.ch)

Mehrere Städte schauen interessiert nach Zürich und haben die Einführung eines solchen Angebots geprüft – etwa die Städte Bern, Gossau oder Lausanne. Für Zürich wiederum war England Vorbild, wo «Fix my Street» schon länger erfolgreich betrieben wird. Die Parallelen sind nur schon optisch ziemlich offensichtlich.

Luzern wie neu?

Nun fordern die Stadtluzerner Grünen in einem Postulat auch für Luzern «innovative, niederschwellige und interaktive Instrumente der Onlinekommunikation». Die Stadtparlamentarier Marco Müller und Noëlle Bucher ersuchen den Stadtrat, zu prüfen, ob er die App 1:1 übernehmen könne – also «Luzern wie neu». Oder aber ob man ein ähnliches Angebot in die bestehende App der Stadt Luzern oder in die städtische Facebookseite integrieren könnte. Ziele sind laut dem Vorstoss innovative Kommunikation, Bürgerbeteiligung, Reduktion von Vandalismus und Littering, Erreichbarkeit der Verwaltung und Bürgernähe.

Die Stadt Luzern habe «Züri wie neu» mit grossem Interesse verfolgt – bereits vor dem Vorstoss der Grünen, sagt Melchior Bendel von der Kommunikationsstelle auf Anfrage. Bisher habe man auf eine Einführung der App vor allem aus Ressourcengründen verzichtet. Nun prüft der Stadtrat im Rahmen des Postulats erneut, ob er ein solches Angebot für Luzern einführen soll. Mehr kann die Stadt bis zur Antwort auf das Postulat derzeit noch nicht sagen.

Dass Luzern bisher noch keine Mängel-App wie Zürich hat, heisst aber nicht, dass der Stadt keine Schäden gemeldet würden. Über Facebook oder Twitter melden Bürger schon heute beispielsweise Hinweise auf Littering. Allerdings noch in bescheidenerem Ausmass als in Zürich: Jährlich zwischen 50 bis 100 Hinweise flattern so in die Amtstube.

Und was ist mit dem Sorgenbriefkasten?

Die App «Züri wie neu» hat inzwischen auch die Neugier der Forscher geweckt: Die Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern untersucht derzeit die Erfahrung der App und wertet 700 Antworten aus. So soll das Angebot noch mehr Kommunen schmackhaft gemacht werden.

Matthias Stürmer, Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit, sagte kürzlich gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Die Antworten fallen überraschend positiv aus. Es gibt viele Fans, die die App verwenden.» Die wissenschaftliche Auswertung soll noch in diesem Jahr publiziert werden.

Man könnte jetzt natürlich einwenden, Luzern habe immerhin schon einen digitalen «Sorgenbriefkasten», die private Facebookgruppe für die Nöte und Sorgen der Stadtbevölkerung. Die Gruppe hat zwar bereits über 1100 Mitglieder, aber es scheint, dass man dort lieber über Kerzlein auf Brunnen diskutiert – also eher kein Ersatz für eine Mängel-App.

Das grosse Thema im Luzerner «Sorgenbriefkasten»: Rechaudkerzen auf dem Brunnenrand:

Beim «Sorgenbriefkasten» auf Facebook gibt es momentan nur ein Thema: Kerzen auf öffentlichen Brunnen.  (Screenshot Facebook)

Beim «Sorgenbriefkasten» auf Facebook gibt es momentan nur ein Thema: Kerzen auf öffentlichen Brunnen.  (Screenshot Facebook)

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