Luzern verliert sein jüngstes Magazin
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Und so sah es aus: eine Ausgabe des Magazins «ZIN». (Bild: zvg)

Ausgehheft «ZIN» am Ende Luzern verliert sein jüngstes Magazin

3 min Lesezeit 01.06.2016, 11:31 Uhr

Das «ZIN»-Magazin trat 2013 an, um das Luzerner Stadtleben aufzumischen. Ein junges und ambitioniertes Projekt. Zu ambitioniert vielleicht? Die Macher geben jetzt auf. Zumindest vorläufig – ganz begraben soll das Heft nicht sein.

Das «ZIN Mag» ist das «junge Heft für Luzerner». Ein Magazin für das Stadt- und Nachtleben. Oder das war es zumindest. Die Mainummer war die letzte, das Heft geht nach gut zweieinhalb Jahren ein.

Dabei war das Magazin selber noch jung: Erst im Oktober 2013 ging es an den Start. Kurz zuvor, im Sommer 2013, war das Veranstaltungsmagazin «Reagenz» eingegangen. Ein Gruppe junger Luzerner lancierte auf Initiative der Werbe-Bude Modul dann das «ZIN», um die Lücke zu füllen und ein Angebot für das junge ausgehfreudige Publikum zu schaffen. Ein weiteres Angebot, das dazumals unabhängig davon entstand, ist die Veranstaltungs-App «Luli», lanciert von den Kulturhäusern Schüür, Sedel, Südpol und Treibhaus.

Am Dienstag kam nun die überraschende Ankündigung auf Facebook: «ZIN sehnt sich nach Ferien und reist in die Tiefen der Ungewissheit: Die Mai-Ausgabe ist vorläufig unsere letzte Tat. Wir stecken unsere Köpfe zusammen, und hier wirst du früher oder später erfahren, wie es weitergeht.»

 

Dazu das Bild eines sinkenden Schiffes – «ZIN» ist also untergegangen, Luzern um eine Zeitschrift ärmer. Und ob es jemals wieder auftauchen wird, ist höchst ungewiss.

Das liebe Geld

Es waren vor allem die fehlenden Ressourcen, die dem Team immer mehr Sorgen bereiteten: Es sei an den Sitzungen immer mehr über Geld diskutiert worden statt über Inhalte. «Um Ideen, wie wir noch Geld eintreiben könnten», sagt Redaktionsmitglied Philippe Weizenegger. Das sei für die Motivation auf Dauer nicht förderlich gewesen.

Hinter dem Magazin steckt ein Team von rund 12 Personen – darunter viele engagierte Köpfe aus der Kulturszene wie Angela Meier oder Laura Breitschmid. Und die machen alles selber: Schreiben, Grafik, Verteilung, Website, Social Media. Und sie arbeiten, bis auf den Grafiker, alle umsonst.

Doch ein gedrucktes Magazin kostet, der finanzielle Druck hat vor allem zugenommen, als Modul als Partner ab 2014 sein Engagement zurückfuhr und das Magazin schliesslich ab Sommer 2015 auf eigenen Beinen stehen musste. «ZIN» versuchte die Flucht nach vorn und hat Inhalt und Erscheinungsbild komplett überarbeitet und aufgefrischt. Acht Ausgaben lang hat es die Redaktion versucht – nun gibt sie auf.

Kein Tiefgang, aber erfrischend

Das Heft erschien in einer Auflage von 2000 Stück und hatte einen Veranstaltungskalender sowie Beiträge und Kolumnen von jungen Schreiberinnen und Schreibern aus der Stadt. Über Themen aus Musik, Mode, Literatur, Kunst, Film, Kulinarik, Digital.

In der Maiausgabe war das ein Porträt der Luzerner Band Touch, Tipps für weniger Müll, eine kulinarische Entdeckungsreise um den Vierwaldstättersee und jede Menge Ausgehtipps. Kein Tiefgang, aber erfrischende Aufmachung. Und trotzdem: Der bescheidene Umfang beträgt gerade mal zwölf Seiten.

Die aktuelle und vorläufig letzte Nummer von «ZIN». (Bild: zvg)

Die aktuelle und vorläufig letzte Nummer von «ZIN». (Bild: zvg)

Geht’s trotzdem weiter?

Aufmerksame Leser konnten den Abgang schon in der Mainummer erahnen: Auf der letzten Seite war kommentarlos ein untergehendes Segelboot abgebildet. Nun erhält das Bild eine Bedeutung. Es ist das Ende des gedruckten «ZIN» – aber nicht zwingend das Ende des Labels. «Das Ziel ist, dass der Name weiterhin präsent ist in der Stadt», sagt Weizenegger. Aber wie genau, das sei alles noch offen.

«Wir sind eine sehr heterogene Gruppe», sagt er. Jetzt müsse man schauen, wer noch Lust habe weiterzumachen und wer nicht. Über den Sommer werde man die Köpfe zusammenstecken und neue Ideen sammeln. Ob «ZIN» dann als Blog, als Online-Magazin, als loses Kollektiv oder als Partyveranstalter weiterexistiert? Vieles ist möglich, alles noch offen. Nur gedruckt gibt es «ZIN» vorläufig nicht mehr.

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